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BADEN-BADEN: KONZERT – DSO Berlin – Kent Nagano

Baden-Baden: „KONZERT“ DSO Berlin unter Kent Nagano am 18.05.2013

 Einen interessanten Konzertabend bescherte Kent Nagano sowie das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin dem Festspielhaus und eröffnete den Abend mit den selten aufgeführten musikalischen Variationen um den traurigen Ritter „Don Quixote“ von Richard Strauss. Dieser Suite, dem vom Komponisten so trefflich charakterisierten Abgesang, der vielfältigen Abhandlung von variierten, irrealen Themen erhielt seine bedeutende Aussage durch die vortreffliche Gestaltung des Titelhelden vom Solo-Cello. Meisterhaft, detailliert, lupenrein interpretierte Gautier Capucon weiche, warme Töne, vereinte sich vorzüglich im amüsanten Dialog mit der Bratsche (Annemarie Moorcroft). Nagano begleitete rhythmisch pointiert, transparent in straffen Tempi, ironisierend den Ritt gegen die Windmühlen, illustrierte sehr realistisch das Blöken der Hammel und verhalf dem Werk somit zur authentisch, prägnanten Wiedergabe.

Schwerblütig, dunkel, von Dissonanzen und düsteren Farben erfüllt, erklang das einleitende Allegro und ich muss gestehen, in einer derart schweren Gangart, schon in Bruckner-Nähe gerückt vernahm ich die „Symphonie Nr. 1“ von Johannes Brahms noch nie! Verbindlicher erschien mir dagegen der Musizierstil Naganos mit dem prächtig aufspielenden Klangapparat im Andante, dennoch blieb die Artikulation breit, die Tempi wirkten stets kontrolliert, unberührt von den thematisch-magischen Kräften des Allegretto. Alles schien geordnet an seinem Platz, wirkte in der formellen Entwicklung etwas spannungslos, erst im Adagio – Piu Andante des Finalsatzes wollte sich die konsequente, steigernde Leidenschaft einstellen und das Gesamtbild der farbenreichen Partitur erhielt somit seinen krönenden, eigenartig mystischen Charakter.

Ein Bravosturm belohnte den Dirigenten sowie das famose Orchester.

Gerhard Hoffmann

 

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