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BADEN BADEN: I CAPULETI E I MONTECCHI … eine Sternstunde des Belcanto. Konzertant

28.11.2014 | Allgemein, Oper
Baden-Baden: „I CAPULETI E I  MONTECCHI“ 27.11.2014
… eine Sternstunde des Belcanto
 
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Elina Garanca, Ekaterina Siurina, Karel Mark Chichon. Copyright: Björn Pados 
 
Oper konzertant? Ich verhehle nicht, ich liebe mittlerweile derartige „Inszenierungen“! Die Protagonisten wissen was sie singen, gestalten entsprechend und benötigen keine befremdlichen Eingebungen diverser Regiebanausen. Nun hatte man das Glück, dank einer hervorragenden Sänger-Konstellation, Belcanto pur in Vincenzo Bellinis Version um das tragische Veroneser Liebespaar im Festspielhaus zu genießen.
 
Erkältungsbedingt musste die ursprüngliche Giulietta Aleksandra Kurzak absagen dafür konnte Ekaterina Siurina gewonnen werden und erwies sich als Glücksfall allererster Güte. Ihre mädchenhafte Erscheinung in Verbindung mit enormer Bühnenpräsenz prädestinieren die sympathische Sängerin als ideale Rollenvertreterin. Zudem gesellten sich noch die besonderen vokalen Vorzüge in überreichem Maße, ein klarer koloraturgewandter Sopran, voll warmer Zwischentöne, klanglichen Nuancen. Siurina verblüffte mit bemerkenswerter Gesangskultur, herrlichen Phrasierungen, wandlungsfähigen Obertönen jenseits jeglicher Erdenschwere, ausgestattet mit einem Timbre wie Milch und Honig – Bravo!
 
International bereits bestens erprobt, ein Mezzo-Solitär als Romeo Elina Garanca! Ich kann mir für diese Partie keine bessere Besetzung vorstellen, zur optisch markanten Erscheinung, gesellte sich eine Vokalleistung der Sonderklasse. Garancas Gesang zeichnete sich durch eine stets auf Linie gehaltene Phrasierung, saubere Intonation, akkurat gesetzte Koloraturen aus.
Hinreißend schön entfaltete sich das weiche, betörende Timbre in den stilsicher ausbalancierten, lyrischen Passagen. Enorm erschien die dynamische Spannweite des Organs im Registerwechsel besonders während der dramatischen Momente. Prächtig erklang der satte Samtton der Stimme und schenkte den Duetten mit Ekaterina Siurina eine berückende, atmosphärische Schönheit. Die berührende, finale Klage Romeos, fast mit stockendem Atem gehaucht, von elegischen Aufschwüngen durchsetzt, zeichnet allein die führende Meisterschaft von Elina Garanca aus.
 
Zur hochkarätigen Damenriege konnten sich auch die Herren hören lassen: Bassbaritonalen, balsamischen Schönklang verströmte Nahuel Di Pierro als Vertrauter Lorenzo, der vokalen Inkarnation unbeugsamer Autorität verlieh Mathias Hausmann die Bass-Würde  der Vaterrolle Capellio. Als Rivale Romeos behauptete sich Yosep Kang (Tebaldo), sein Tenor verfügt über ein gutes Potenzial der Mittellage, strahlende Höhenaufschwünge und lässt lediglich den Schmelz des Timbres vermissen, darüber waren sich alle Kollegen und Pausen-Gesprächspartner einig.
Schönstimmig, markant, trefflich abgestuft präsentierte sich der von Alan Woodbridge bestens einstudierte Herrenchor des Grand Théatre Généve.
 
Von besonderem Reiz geprägt war die konzertante Aufführung zudem durch die musikalische Leitung Mark Karel Chichons und „seines“ Orchesters Deutsche Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern. Bereits zur herrlich pointierten, rasant musizierten Ouvertüre durfte man sich als Hörer, auf das folgende instrumentale Belcanto-Fest freuen. Chichon erwies sich als umsichtiger Sänger-Begleiter, das Orchester spielte in schlichtweg ansteckender Musizierfreude und begeisterte in jeder Hinsicht. Souverän im Griff verlieh der ausgezeichnete Dirigent der Partitur eine umwerfende Vitalität, beeindruckende Ausdrucksfülle voll delikater Finessen und Feinheiten der Instrumentalsoli.
Zu Recht wurden die Musiker mit dieser Glanzleistung in die finalen Ovationen mit einbezogen.
 
Gerhard Hoffmann                                        

 

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