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BADEN-BADEN /Festspielhaus: „HAUS-FESTSPIELE – CHRISTIAN TETZLAFF“

18.02.2021 | Konzert/Liederabende

Baden-Baden: „HAUS-FESTSPIELE – CHRISTIAN TETZLAFF“  –  17.02.2021

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Christian Tetzlaff. Foto: © Giorgia Bertazzi

Während der depressiven Lockdowns und unverantwortlichen politischen Verordnungen präsentierte nun das Festspielhaus dem Beispiel  diverser Opern- und Konzerthäuser folgend nun seine ganz besonders individuellen „Hausfestspiele“. Eröffnet wurden die im Internet kostenlos abrufbaren vier Streamings heute am Aschermittwoch, zum Ernst der Lage keineswegs als verspäteten Faschings-Scherz zu bewerten mit einem kammermusikalischen Kleinod. Allerdings ging man an der Oos neue Wege, schmückte das Event von knapp 30 Minuten mit Eigenwerbung und Interviews ( Moderation Jasmin Bachmann ) etc. davor und danach aus.

Auf der Bühne des vortrefflich ausgeleuchteten publikumsleeren Festspielhauses gaben sich Christian Tetzlaff sowie die in Düsseldorf geborene deutsch-griechischen Pianistin  Keveli Dörken die Ehre und interpretierten die „Sonate A-Dur für Violine und Klavier“ von César Franck.

Zum Werk eine kleine Anekdote: der Schweizer Pianist Alfred Cortot hatte in dieser „Hochzeits-Sonate“ den Bräutigam entführt, César Franck hat das Werk dem belgischen Geiger Eugéne Ysaye. zum schönsten Tag im Leben geschenkt. Während der Hochzeitsfeier griff der Bräutigam zur Violine und probierte sein Sonatengeschenk aus. Den Klavierpart übernahm die Pianistin Léontine-Marie Bordes-Péne, die beiden spielten so mit großem Erfolg die öffentliche UA am 16. Dezember 1886 in Brüssel. Cortot hatte die Sonate später für Klavier-Solo bearbeitet.

Entspannt, verhalten schier tastend begannen Christian Tetzlaff und Keveli Dörken den ersten Satz dieses hochromantischen Stücks des 1822 in Lüttich geborenen Komponisten mit wallonisch-deutschen Wurzeln. In wohldosiertem Spannungsverlauf schwangen sich die beiden prächtig miteinander musizierenden Künstler in herrlich leuchtende, dynamisch abgestufte Klangfarben. Teils verhalten in schier schwerelosem Spiel mit dezentem Vibrato führte Tetzlaff den Bogen, zauberte nuancierte Schattierungen, ungemein zügige Tempi, fulminant phrasierte  Zwischentöne. Reizvoll schillernde pianistische Modulationen schenkte Keveli Dörken ihrem begleitenden Klavierpart.

Die vier Sonatensätze hatte César Franck mit besonderer Sorgfalt zyklisch miteinander verknüpft welche die vorzüglichen Solisten in souverän prächtiger Gestaltung interpretierten, u.a. dem Recitativo quasi fantasio anmutige Fazilität verliehen um sodann das Werk herrlich detailliert in das dynamische Finale zu steigern.

Danach gewährten die beiden Künstler Einblicke in Personalien, beantworteten per Internet eingespielte Zuschauer-Fragen und verabschiedeten sich mit der famos gespielten Zugabe:

Andante scherzoso aus der „Vierten Violinsonate“ von Ludwig van Beethoven.

Gerhard Hoffmann

 

 

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