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BADEN-BADEN: „BACH: H-MOLL-MESSE“. Philippe Herreweghe mit seinem exzellenten Collegium Vocale Gent

11.06.2019 | Konzert/Liederabende

Baden-Baden: „BACH: H-MOLL-MESSE“ – 10.06.2019

Zu Ostern 2016 erlebte ich die „h-Moll-Messe“ von Johann Sebastian Bach letztmals im Festspielhaus, nun drei Jahre später zu den Pfingst-Festspielen gelangte das geniale Werk wieder zur adäquaten Aufführung.

Nun hatte ich in der Vergangenheit mehrmals das große Vergnügen Philippe Herreweghe mit seinem exzellenten Collegium Vocale Gent mit Bach und Händel zu erleben und ich empfand es auch heute wiederum als Wonne pur, der vorzüglichen Interpretation beizuwohnen.

Oft gehört schleichen sich bei manchen Werken gewisse hörgewohnten und interpretatorische Routinen ein, keineswegs  heute bot diese ungewöhnliche Aufführung die richtige Spannung zwischen Text-Vorgaben sowie der musikalischen Komponente. Die Lesart des Alt-Meisters Herreweghe mit seinem bewährten Collegium hielt so manche Überraschung bereit, ich würde die Mentalität des Spezialisten für Alte Musik geradezu qualitativ beispiellos effizient bezeichnen. Dank der Musizierfreude des agil, wunderbar transparent-atmenden Spiels seines exzellenten Klangkörpers – vernahm man so manchen populären Passus völlig neu. Diese vermutlich bewusst gewählte musikalische Subjektivität des erfahrenen Dirigenten unterstrich vehement das Raffinement, die sensible Betonung, die Rhetorik Bachs genialer Komposition erhielt dadurch man könnte sagen sphärische Strukturen.

Es war zudem ein Genuss besonderer Art die Choristen des Collegium Vocale Gent in derart ausbalancierter, eleganter, klangschöner, transparenter Formation zu vernehmen und es war zudem  eine optische Freude mit welcher Inbrunst und großem Engagement der kleine Chor seine Parts absolvierte. Das war Vokalgesang voll federnder Impulse, prächtiger Artikulation, von höchst beeindruckender Aussage.

Zur erlesenen orchestralen Untermalung gesellten sich zudem adäquate Solisten  welche sich vorbildlich in die Chorpassagen integrierten und die Gemeinschaft somit auf 18 Personen erhöhten. Dorothee Mields bewältigte ihren Sopranpart überragend, schwebend leicht im Ton, strahlend im Höhenbereich, einfach hinreißend interpretierte die Sängerin die herrlichen Arien und Duette. Glanzvoll mit st®ahlkräftigem Timbre fügte sich als zweiter Sopran Hana Blaziková mit ein.

Der Tenorpart dieser Komposition verlangt eine lyrische und dennoch kraftvolle Stimme mit teils dramatischem Ausdruck. Thomas Hobbs wurde diesen Anforderungen bestens gerecht und sorgte mit seinem in allen Lagen ausgeglichenen Tenor mit schönem Timbre komparativ für Furore.

Stilsicher, feinnervig, zu ausgezeichneter Artikulation und Phrasierung schenkte  Alex Potter seinen Szenen die prächtige Aussage. Herrlich intonierte der Altus beseelt das Agnus Dei.

Den ätherischen Aspekt der Basspartie traf Kresimir Strazanac bestens und verlieh mit seinem sonoren Timbre dem Pathos jene fundamentale Tiefe und getragene Expression.

Das Publikum des gut besuchten Hauses feierte alle Mitwirkenden anhaltend mit lautstarken Bravochören.

Gerhard Hoffmann

 

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