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BAD WILDBAD: I BRIGANTI von Saverio Mercadante – Premiere

15.07.2012 | Allgemein, KRITIKEN, Oper

Tolle Opernausgrabung in Bad Wildbad: „I briganti“ von Saverio Mercadante (Premiere: 14. 7. 2012)


Um Amelia (Petya Ivanova) kämpfen die beiden Brüder Corrado (Vittorio Prato) und Ermano (Maxim Mironov). Foto: Patrick Pfeiffer

Immer wieder wartet das Belcanto Opera Festival in Bad Wildbad im Schwarzwald mit sehenswerten Ausgrabungen auf. In diesem Jahr gelang mit der Oper „I briganti“ von Saverio Mercadante (1795 – 1870) eine besondere musikalische Wiederentdeckung. Das 1836 im Théâtre Italien in Paris uraufgeführte Werk in Starbesetzung (Rubini, Tamburini und Grisi!) war zwar keinesfalls ein Misserfolg, ging aber damals unter der Euphorie, die Meyerbeers Uraufführung von Les Huguenots drei Wochen zuvor verursachte, unter. Für die Premiere an der Mailänder Scala 1837 überarbeitete Mercadante seine Oper, doch wurde diese Fassung nur noch ein Jahr später in Turin aufgeführt, während die Pariser Fassung bis 1847 in vielen italienischen Städten zur Aufführung gelangte, aber auch in London, Lissabon und auf Malta 1840 und 1886. Danach geriet I briganti völlig in Vergessenheit!

In der Neuen Trinkhalle in Bad Wildbad wird die Pariser Fassung in einer Neuedition aus den Manuskripten nach Forschungen von Dr. Michael Wittmann gezeigt, die Florian Bauer erstellte. Das Melodramma serio in drei Akten, dessen Libretto Jacopo Crescini nach Schillers Die Räuber verfasste, wird in italienischer Sprache mit deutschen und italienischen Übertiteln (Reto Müller) aufgeführt.

Jochen Schönleber, der Intendant und künstlerische Leiter des Festivals Rossini in Wildbad, übernahm die Regie und Bühnengestaltung selbst. Mit einfachen Mitteln (Festtafel für die Hochzeitsvorbereitungen im 1. Akt, Feldbett und Eisentor des Turms im Wald des 2. Akts, Bett und ein paar Stufen im Schlussakt) versuchte er, auf der schmalen Bühne eine halbwegs stimmungsvolle Atmosphäre zu erreichen. Kaum hilfreich dabei waren die diversen Videoeinspielungen (Gérard Naziri) auf der Rückwand, eine bessere Wirkung wurde hingegen durch die gute Personenführung in den Chorszenen erzeugt. Nicht sehr schlüssig erwies sich der vom Regisseur offenbar anders interpretierte Schluss der Oper: Ermano kehrt wieder zu den Räubern zurück, die aber bereits von den Soldaten des Grafen umzingelt sind, worauf Amelia tot zusammenbricht. Gut abgestimmt wirkten die von Claudia Möbius entworfenen Kostüme für die Höflinge, Soldaten, Räuber etc.

Für die extrem hohen und koloraturreichen Partien der Hauptrollen konnte ein exzellentes internationales Sängerensemble gewonnen werden, die diese Wiederentdeckung zu einem musikalischen Highlight werden ließen. Allen voran der russische Tenor Maxim Mironov, der in der Rolle des Ermano, des Sohnes des Grafen von Moor, mit seiner lyrischen und höhensicheren Stimme das Publikum begeisterte. Auch schauspielerisch überzeugte er in jeder Szene. Ihm ebenbürtig der italienische Bariton Vittorio Prato als sein Bruder Corrado. Auch er bewältigte seine „mörderischen“ Koloraturen blendend.

Die von beiden Brüdern geliebte Amelia wurde von der bulgarischen Sopranistin Petya Ivanova exzellent gesungen. Sie bewältigte nicht nur ihre zahlreichen Koloraturen glockenrein, sondern stellte auch glaubhaft jene begehrenswerte junge Frau dar, die zum tragischen Schicksal der Männer wird. Großartig auch Bruno Praticò als Graf Massimiliano.

Der italienische Bass bewies einmal mehr, dass er ein Großer seines Fachs ist. Eindrucksvoll schaffte er es, alle seine Gefühle stimmlich wie auch darstellerisch ausdrucksstark wiederzugeben. Eine Meisterleistung!

Dieses hervorragende Ensemble ergänzten gut die italienische Mezzosopranistin Rosa Fiocco als Amelias Freundin Teresa, der bulgarische Bass Atanas Mladenov in der Rolle des Eremiten und der spanische Tenor Jesús Ayllón als Räuber Rollero. Atmosphärische Wirkung erreichte auch der Camerata Bach Chor Posen (Einstudierung: Tomasz Potkowski), der nicht nur die Räuber. Partisanen und Soldaten darzustellen hatte, sondern auch die Höflinge, Hofdamen, Zofen und Diener.

Das stark besetzte Brünner Orchester Virtuosi Brunenses, dessen künstlerischer Leiter Karel Mitáš ist, wurde von Antonino Fogliani – er wurde im Vorjahr zum musikalischen Leiter des Festivals in Wildbad ernannt – sehr sängerfreundlich geleitet. Es gelang ihm, alle Feinheiten dieser meisterhaften Partitur des Komponisten herauszuarbeiten und so für einen musikalisch erstklassigen Opernabend zu sorgen.

Das begeisterte Publikum feierte am Schluss mit Jubelrufen das Sängerensemble, den Dirigenten und das Orchester, applaudierte aber auch dem Regieteam minutenlang.

Udo Pacolt

PS: „I briganti“ von Saverio Mercadante steht in Bad Wildbad noch am 18. und 21. Juli auf dem Programm.

 

 

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