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BAD ISCHL/Kongress und Theaterhaus: DIE JUXHEIRAT von Franz Lehár

15.08.2016 | Operette/Musical

Operetten-Rarität in Bad Ischl:

„Die Juxheirat“ von Franz Lehár (Vorstellung: 14. 8. 2016)

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Den stärksten Eindruck hinterließen Christoph Filler und Maya Boog (Foto: Hofer, Bad Ischl)

Mit einer Besonderheit wartete das heurige „Lehár-Festival Bad Ischl“ auf: Die Operette „Die Juxheirat“ von Franz Lehár, im Jahr 1904 am Theater an der Wien uraufgeführt, wurde in einer halb-szenischen Aufführung im Kongress- und Theaterhaus von Bad Ischl gezeigt.

Die Handlung der Operette in drei Akten, deren Libretto Julius Bauer verfasste, in Kurzfassung: Selma, die Tochter des amerikanischen Millionärs Thomas Brockwiller, ist eine junge Witwe und Männerfeindin. Um an seine Angebetete heranzukommen, schleust ihr neuer Verehrer Harold von Reckenburg seine Schwester Juliane als Gesellschafterin bei Selma ein. Sie behauptet, eine durchgeknallte Schwester zu haben, die sich als Mann verkleidet. So begegnen sich Selma und Harold – und Selma macht sich den Jux, „ihn“ zu heiraten. Nach der Hochzeit fällt es ihr wie Schuppen von den Augen, dass sie selbst an der Nase herumgeführt worden ist. Schließlich großes Happyend, da auch alle Freundinnen Selmas, die sich ihrem Frauenbund mit dem Motto „L. v. M. – Los vom Mann“ angeschlossen hatten, glücklich unter die Haube kamen.

In einem Interview erklärte Prof. Dr. Michael Lakner, der Intendant des Festivals: „Die Operette, deren Geschichte uns nach Amerika in die Zeit um 1900 führt, liegt mir besonders am Herzen. Mit dem Namen Franz Lehár ist vor allem sein großer Welterfolg ‚Die lustige Witwe‘ verbunden, ein Jahr davor hatte er schon ‚Die Juxheirat‘ geschrieben. Zu Lebzeiten wurde das Stück nur vierzig Male aufgeführt. Und wir bringen diese Konversations-Operette in einer halb-szenischen Aufführung heraus.“

 Zur Freude des Publikums war die Aufführung mehr als halb-szenisch, denn das gesamte Sängerensemble agierte mit enormer Spielfreude und kostümiert, wobei die Sängerinnen und Sänger ihre Kostüme zum Großteil privat zur Verfügung stellten. Für die Bühnenausstattung (mit Videosequenzen auf der Rückwand der Bühne) und für die Dialogregie zeichnete Leonard Prinsloo verantwortlich, dessen choreographische Handschrift auch beim Chor (Einstudierung: Gerald Krammer) zu sehen war, der die Spielfläche zwischen Orchester und Publikum des Öfteren „bevölkerte“.

Den Milliardär Brockwiller gab Gerhard Ernst mit starker Bühnenpräsenz und sonorer Baritonstimme. Seine Tochter Selma, Baronin von Wilfort, die er unbedingt mit Harold von Reckenburg verheiraten will, wurde von der Schweizer Sopranistin Maya Boog dargestellt, die ihre Rolle als „Männerhasserin“ mit großem Augenzwinkern und brillanter Stimme spielte.

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Ilia Vierlinger als Miss Edith mit dem in sie verliebten Gerhard Ernst als Milliardär Brockwiller (Foto: Hofer, Bad Ischl)

Ihre Freundinnen in dem von ihr gegründeten Frauenbund verkörperten die Sopranistin Sieglinde Feldhofer als Miss Phoebe und die Mezzosopranistin Rita Peterl als Miss Euphrasia. Beide spielten ihre Rollen sehr humorvoll, wurden aber noch übertroffen von der Sopranistin Ilia Vierlinger. Als Miss Edith heiratete sie den Sohn Bob des Milliardärs Brockwiller, den ungeliebten Opernkomponisten der Familie, und gaukelte danach seinem Vater auf raffinierte Weise Liebe vor, um von ihm einen Scheck zu erschwindeln. Ihr köstliches Spiel, gespickt mit verführerischer Erotik, war von besonderer Augenweide.   

Exzellent der Bariton Christoph Filler als Harolds Chauffeur, der mit seinem furiosen Spiel das Publikum begeisterte. Mit seinem Charme wirbelte er die Gefühlswelt von Euphrasia und Phoebe sosehr durcheinander, dass sie ihn zwischenzeitlich wegen gebrochenen Eheversprechens von der Polizei verhaften ließen. Harold von Reckenburg, um den sich eigentlich die Handlung der Operette dreht, wurde vom ukrainischen Tenor Jevgenij Taruntsov ein wenig zu statisch dargestellt. Da der Sänger an diesem Tag Geburtstag hatte, wurde er am Schluss der Vorstellung vom gesamten Ensemble musikalisch gefeiert.     

Juliane von Reckenburg, die sich in den Frauenbund unter dem Namen Miss Grant einschlich, um sich an Selma zu rächen, da sie ihr den Baron Wilfort vor der Nase weggeschnappt hatte, wurde von der Sopranistin Anna-Sophie Kostal mit vornehmer Zurückhaltung gespielt.  Sie findet schließlich ihr Liebesglück bei Selmas Bruder Arthur, der vom Tenor Alexander Kaimbacher dargestellt wurde. Als Haushofmeister konnte der Schweizer Bariton Matthias Schuppli sein komisches Talent unter Beweis stellen.    

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Das Ensemble in der Lehár-Operette „Die Juxheirat“ (Foto: Hofer, Bad Ischl)

Nach der Uraufführung im Theater an der Wien lobte die Neue Freie Presse Franz Lehár für die „künstlerisch reichste und eigenartigste seiner bisherigen Schöpfungen. Wienerischer Klangreichtum und musikalische Farbenfroheit haben sich mit slawisch schwärmerischer Lyrik vermählt“. Diesen musikalischen Klangreichtum brachte das Franz Lehár-Orchester unter der Leitung von Marius Burkert voll zum Erblühen.

Das begeisterte Publikum, das immer wieder mit „Zwischenapplaus“ reagierte, dankte allen Mitwirkenden sowie dem „Regieteam“ Leonard Prinsloo und Christiane Silberhumer mit nicht enden wollendem Beifall, wobei es viele Bravorufe für Christoph Filler, Maya Boog und den Dirigenten Marius Burkert gab.

Udo Pacolt

 PS: Auch für das Lehár-Festival 2017, in dem „Die lustige Witwe“ von Lehár und „Saison in Salzburg“ von Raymond zur Aufführung kommen werden, ist die halb-szenische Aufführung einer Operettenrarität geplant: „Kaiserin Josefine“ von Kálmán (12. und 13. August 2017).

 

 

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