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BAD ELSTER/ Chursächsischer Kultursommer: MIT JAZZIGEN KLÄNGEN AUCH OPERNFREUNDE BEGEISTERN

Mit jazzigen Klängen auch die Opernbesucher begeistern – 17. 8. 2014

Bad Elster ist ein renommierte Kurort in Mitteldeutschland und hat auch im Kunstbetrieb inzwischen manche Wenden erlebt. Im Zentrum des Chursächsischen Musiksommers steht das König Albert Theater. Neben sehenswerten Opernproduktionen versucht sich GMD Florian Merz als Intendant auch seit einigen Jahren mit jazzigen Angeboten und Klängen und lockt neben jungem Publikum auch eingefleischte Opernbesucher. Die Jazztage in Bad Elster haben sich mittlerweile zu einer festen Größe im Zuge des sächsisch-böhmischen Sommerfestivals etabliert. Während der Internationalen Jazztage vom 15. bis 17. August entfalteten sich sommerliche Jazz-Farben inmitten des Sächsischen Staatsbades.

 Der Freitag begann mit einem musikalischen Zauberausflug. Da hatte das umjubelte Ensemble Quadro Nuevo eingeladen, mit dem Fliegenden Teppich zum sagenumwobenen Ende des Regenbogens zu schweben. Im traumhaften Reisegepäck waren Tangos und Melodien aus dem alten Europa. Längst verklungen geglaubte Lieder präsentierten sie in ungewöhnlich funkelndem Klanggewand. Oft gab es spontan Beifall der knapp 500 Zuhörer für Evelyn Huber (Harfe, Salterio), D.D. Lowka (Kontrabass, Percussion), Mulo Francel (Saxofone, Klarinetten) und Andreas Hinterseher (Akkordeon, Vibrandoneon, Bandoneon). Improvisationen und mediterrane Leichtigkeit verdichteten sich zu märchenhaften Klangerzählungen. Sie berichten von Erfahrungen und Begegnungen auf der großen Reise des Lebens, den kleinen Zufällen und den großen Momenten, von Zartheit und wildem Temperament. Den Musikern gelang es eine musikalische Fabelweltatmosphäre zu schaffen, die alle Zuhörer in ihren Bann schlug und nicht mehr losließ. Bezaubernde Kleinode, wie Charles Trenets „Que reste-t-il de nos amours“ oder der tiefgründige „Tango del Mare“ umwoben das Publikum und das verlangte davon mehr und mehr, so dass die Vier immer wieder Zugaben geben mussten. Stehende Ovationen konnten dann nur noch durch musikalisch-pädagogisch klug mit einfühlsame Schlaflieder beruhigt werden und mit humorvoll abgestellten Instrumenten und der kindlich-komischen Moderation von Mulo Francel. Mit dauerhaft heiter gestimmter Laune entschwand das Publikum in eine lauschige Kur-Nacht.

 Am Samstag begeisterte das Cristin Claas Trio mit einem Konzertabend, der sicher auch lange nachhallen wird. Cristin Claas hat mit ihrem Trio in den letzten Jahren einen unverwechselbaren Sound erschaffen. Im Mittelpunkt stand die fantasievolle Sängerin Cristin Claas und ihre ganz eigene Art zu singen. Vorwiegend auf Deutsch, aber auch in ihrer persönlichen Fantasiesprache spielte und sang sie mit dem Gitarristen Stephan Bormann und dem Pianisten Christoph Reuter zusammen. Auch diese Band zeigte sich mit prägenden musikalischen Ideen und beeindruckte damit das Publikum.

 Zum guten Schluss ertönte das Saxofon des Erfolgsmusikers und Komponisten Klaus Doldinger und Band. Vor rund 60 Jahren begann er seine beispiellose Bühnenkarriere und er steht nach wie vor in der Gunst der Zuhörer. Er plauderte locker aus seinem Leben und ließ seinen musikalischen Atem schweifen durch die brasilianischen Großstädte und afrikanischen Basare, die er gesehen und bespielt hatte.

 Musikalisch konnten die Zuhörer eine Reise von den Anfängen bis zu den Filmmusiken wie „Das Boot“ oder „Tatort“ machen. Davon gab es allerdings immer sehr eigenständige Konzertversionen mit Gänsehautgarantie. Klaus Doldinger präsentierte auch Originaltöne, auf die er improvisierte. Doldinger und seine Band verabschiedeten sich mit einem Mitsumm-Blues. Ein pegel-gedimmtes Ende, denn ansonsten war die Tonabmischung für das eher klein dimensionierte König Albert Theater zu dick aufgetragen und die Schallwellen-Orkane schüchterten die sensibleren Höher ein, diese Phonstärke war ein bisschen Schade, aber sonst konnte man den Abend als gelungene Begegnung mit dem Jazz-Urgestein Klaus Doldinger betrachten.

 Der Chursächsische Musiksommer war eine Reise wert.

 Thomas Janda

 

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