Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

BAD CANNSTADT: KONZERTE ZUM 300. GEBURTSTAG VON CARL PHILIPP EMANUEL BACH

Zum 300.Geburtstag von Carl Philipp Emanuel Bach in der Stadtkirche Bad Cannstatt: MIT VIELEN ÜBERRASCHUNGSEFFEKTEN

Konzerte für Carl Philipp Emanuel Bach in der spätgotischen Stadtkirche – 13. und 14. Januar 2014/BAD CANNSTATT

Der Organist Jörg-Hannes Hahn stellte in der spätgotischen Stadtkirche Bad Cannstatt Orgelsonaten und freie Werke für Orgel solo von Carl Philipp Emanuel Bach vor. Olaf Cress begleitete ihn dazu einfühlsam mit Lesungen beispielsweise aus den Psamen 84 „Wie lieblich sind mir deine Wohnungen“ und Psalm 96 „Singet dem Herrn ein neues Lied“. Gerade weil die Kompositionen der Bach-Söhne immer noch viel zu wenig Anerkennung finden, waren diese Konzerte zum 300. Geburtstag Carl Philipp Emanuel Bachs wichtig. Auch er wird als Komponist des Übergangs zwischen Barock und Wiener Klassik betrachtet – nicht ganz zu Recht, wie dieses Konzert eindrucksvoll unter Beweis stellte.

Die stilistischen Besonderheiten der Zeit des Sturm und Drangs arbeitete Jörg-Hannes Hahn jedenfalls einfühlsam heraus. Bei der facettenreichen Sonate g-Moll Wq 70/6 kam dies sehr deutlich zum Vorschein, wobei Jörg-Hannes Hahn die thematischen Verbindungen minuziös offenlegte. Noch besser gelangen ihm die Cantus-firmus-Effekte der drei Choräle „Ich bin ja, Herr in deiner Macht“, „Jesus meine Zuversicht“ und „O Gott, du frommer Gott“. Hier ließ er auch die reizvollen klangfarblichen Effekte nicht zu kurz kommen. Außerdem wurde die Verfeinerung und logische Durchbildung der Thematik präzis getroffen. Intensivierung des Ausdrucks und Dramatisierung der Harmonik ließen in ihrer starken dynamischen Kraft bei dieser effektvollen Wiedergabe nicht nach. Die poetische Idee erinnerte zuweilen sogar an Ludwig van Beethoven. Weniger die spielerisch-galanten als die expressiven Tendenzen zeigten dabei ihre enorme Spannungskraft. Auch bei der Sonate B-Dur kam dies mit zarten Stimmungsschilderungen zum Vorschein. Aufrührende Leidenschaften paarten sich dabei noch mehr wie bei den Werken Johann Sebastian Bachs mit einem eigentümlichen Humor. Die Sonatenform schien dabei mit zahlreichen Überraschungseffekten aufgelockert zu werden. Feine Ästhetik und frei-improvisatorische Fantasie prägten zudem die „Stücke für Flöten- und Spieluhren“. Die barocke Verzierungstechnik feierte dabei immer wieder Triumphe. Unter diesen Stücken ragten Sätze wie Allegro oder Presto wiederholt hervor. Das alles gipfelte in eindringlichen Variationen. Einfache lyrische Motive führten zu erstaunlichen Gefühlshöhepunkten.

Der zweite Teil des Konzerts brachte nochmals einen machtvollen dynamischen Wechsel, vor allem beim kontrapunktisch reich komponierten Präludium in D-Dur Wq 70/7, wo Jörg-Hannes Hahn aus dem Vollen schöpfte. Und die Fuge in d-Moll H 372 zeigte Carl Philipp Emanuel wiederum in der Tradition seines Vaters Johann Sebastian, obwohl bei ihm die Orgelkompositionen eigentlich nur nebensächlich waren. Olaf Cress las den Psalm 2 „Warum toben die Heiden“, außerdem die Psalmen 72 „Gott gib dein Gericht dem König“ sowie den Psalm 46 „Gott ist unsre Zuversicht“. Mit großer chromatischer Raffinesse imponierte zuletzt die stürmische Wiedergabe der Sonate in a-Moll Wq 70/4. Jörg-Hannes Hahn ist seit 2007 Professor an der Stuttgarter Musikhochschule – und Olaf Cress ist seit 2000 Pfarrer an der Wicherngemeinde Bad Cannstatt.

Herzlicher Schlussapplaus.

 Alexander Walther
______________________________________________________________________

 

Diese Seite drucken