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BACK IN THE GAME

28.11.2012 | FILM/TV

Ab 30. November 2012 in den österreichischen Kinos
BACK IN THE GAME
Trouble with the Curve  /  USA  /  2012
Regie: Robert Lorenz
Mit: Clint Eastwood, Amy Adams, Justin Timberlake, John Goodman u.a.

Man hat, und das mit Recht, in der Filmwelt gewaltigen Respekt vor Clint Eastwood: Der alte Mann – er ist mittlerweile 82 -, der sich das Filmemachen nicht nehmen lässt. Der Meilensteine Hollywoods gesetzt hat (nicht nur mit seinem Oscar-gekrönten Western „Erbarmungslos“). Der so gut wie jedes Jahr für einen neuen Streifen verantwortlich zeichnet. Bewundernswert.

Nichtsdestotrotz kann man nicht leugnen, dass dieser Clint Eastwood als Regisseur wie als Darsteller auch eine Menge Mittelmäßiges zu verantworten hat und dass er neben Meisterstückchen (sein Film über J. Edgar Hoover war zuletzt beinahe ein solches) auch Beiläufiges abliefert. „Back in the Game“ ist ein Beispiel dafür, und dergleichen ist umso ärgerlicher, wenn es um echte Probleme geht, die dann verwässert werden.

Denn anfangs scheint es, als würde an dem alten Gus Lobel wirklich gezeigt, wie es um einen recht alten, allein lebenden Mann bestellt ist, der immer hinfälliger wird – in diesem Fall verliert er sukzessive sein Augenlicht, würde es aber um nichts in der Welt zugeben – und sich nur an seine Arbeit klammert. Was macht ein Baseball-Scout, der nur von einem alten Freund (John Goodmann in einer seiner süffigen Nebenrollen) gnadenhalber im Geschäft gehalten wird, wenn er nicht mehr sehen kann, was die Jungs am Spielfeld da treiben?

Aber die echte Tragödie ist es nicht, denn die täte ja wirklich weh. Vielmehr wird schnell eine problembehaftete Vater-Tochter-Geschichte daraus, die dann nach knapp zwei Stunden in den erwarteten bittersüßen Kitsch aufgeht. Amy Adams, auch sie eine glänzende Schauspielerin, spielt das entfremdete Töchterchen Mickey, das sich eine Karriere in einer Anwaltskanzlei erkämpft hat, aber wie der Papa ganz die Fachfrau für das Spiel ist, mit dem der europäische Zuschauer im allgemeinen nichts anfangen kann – die meisten von uns hierzulande werden ja doch nicht kapieren, was die da genau auf dem Spielfeld tun. Das macht Sportfilme, die dann ja auch immer auf ein kenntnisreiches Fachpublikum zielen (das in den USA leicht zu finden ist), hierzulande oft so mühsam.

Aber, wie gesagt, es ist die (natürlich schön gespielte) Geschichte der Annäherung von zwei Menschen, die an sich eher verschlossen sind, an sich beide gleich störrisch und verborgen liebevoll, aber dann nach amerikanischer Art ihre Probleme letztlich doch tremolierend aufarbeiten (sprich: einander an den Kopf werfen) müssen. Und wenn es dann für Mickey um Bürokarriere oder um die (wohl prickelnd gemeinte) Atmosphäre am Spielfeld geht – kaum eine Frage, wozu Töchterchen sich entscheidet und Papa ihre gesunden Augen leiht. Zumal, wenn jemand wie Justin Timberlake im Hintergrund noch als privater Preis winkt…

Nein, das ist im Grunde nicht mehr als der übliche Hollywood-Kitsch, den Eastwood hier liefert, einmal nicht als eigener Regisseur (das übernimmt Robert Lorenz) und natürlich darstellerisch auf gutem Niveau – aber doch einigermaßen unter dem, was er, wie man weiß, im besten Fall leisten kann.

Allerdings, wem kann man verübeln, wenn er eine spannungsvolle Familienbeziehung auf die Leinwand bringt? Schließlich sind diese es, die das Leben bestimmen.

Renate Wagner  

 

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