- Online Merker - https://onlinemerker.com -

BACH&WEISS: Ein Gemeinschaftsprojekt, Johannes Pramsohler, Jadran Duncumb AUDAX Records CD

BACH&WEISS: Ein Gemeinschaftsprojekt, Johannes Pramsohler, Jadran Duncumb AUDAX Records CD

.

3770004137060

 

Manchmal ist Begeisterung und kompromisslose Qualität also doch der Anfang und auch das Ende von allem. Als Pramsohler (Barockvioline) und Duncumb (Barocklaute) privat in London die enigmatische Suite in A-Dur, BWV 1015, aufführten, überzeugten sie den Sponsor und Mäzen David Leppan dermaßen von ihrem Tun, dass dank dessen Unterstützung sowohl das Ensemble Diderot als auch die beiden Instrumentalisten so manche wertvolle Partitur aus „staubigen Dachböden“ befreien und zu neuem Leben erwecken konnten.

 

Die berühmte Suite in A-Dur ist höchstwahrscheinlich ein Gemeinschaftswerk des Dresdner Hoflautenisten Silvius Leopold Weiss und Johann Sebastian Bach. Es gibt keine Autographe, aber ein Manuskript von C.P.E. Bach eines „Trios für obligates Clavier und Violine“ von J.S. Bach. Die Cembalo-Partie ist identisch mit der Lautensuite „Suonata“ aus einem Dresdner Manuskriptband, der ausschließlich Musik von Weiss enthält. Logischerweise könnte also Bach zu einer von Weiss ausgesuchten/bzw. eigens dafür geschaffenen Lautensuite eine Violinstimme komponiert haben. Wichtig bei der Interpretation ist, dass ein Ausgleich zwischen dem Forte-Instrument Violine und dem Piano-Instrument Laute gefunden wird. Genau dafür hat sich das Duo Pramsohler-Duncumb eingesetzt, die einen intim gesungenen Geigenklang mit einer kräftig aufspielenden Laute kombinierten.

 

Die CD wartet neben der Suite in A-Dur noch mit der Suite in A-Moll für Laute solo von Silvius Leopold Weiss und der Partita II in D-Moll für Solovioline, BWV 1004, mit der fabulösen Chaconne auf. Während des 4-wöchigen Aufenthalts 1739 von Weiss in Leipzig sollen er und sein Freund Bach miteinander um die Wette improvisiert und komplexe Fugensätze dargeboten haben. Da Bach nicht nur Tasteninstrumente, sondern auch „bis ins hohe Alter die Violine rein und durchdringend“ gespielt hat, könnte nach Einschätzung der beiden Solisten ein Abend im Hause Bach während Weiss‘ Aufenthalt durchaus abgelaufen sein, wie dies auf der neuen CD zu hören ist. Johannes Pramsohler wurde in Südtirol geboren lebt derzeit in Paris wohnhaft, Jadran Duncumb mit englischen und kroatischen Wurzeln war Schüler des Lautenstars Rolf Lislevand.

 

Das im Gustav-Mahler Saal im Kulturzentrum Grand Hotel in Toblach aufgenommene Album ist auf natürlichste Weise musiziert, ausgewogen deklamiert, virtuos verziert, und bietet in der delikaten Abmischung der ungewohnten Instrumentenkombination beste Unterhaltung bei höchstem künstlerischen Anspruch. Das Hauptereignis der CD ist aber nicht das charmante Werk von Weiss-Bach, sondern die Art und Weise, wie Pramsohler auf seiner „Pietro Giacomo Rogeri“ 1713 (die er nach der Auflösung von Musica Antiqua Köln von Reinhard Goebel übernahm) der D-Moll Partita Bachs magische Flügel verleiht. Der dunkle, stets gefühlvoll ohne jegliche Romantik produzierte Klang der edlen Geige legt wirklich ein Stück glänzenden Himmels in den schnee- und eisumgürteten Sphären dieser Musik frei.

 

Dr. Ingobert Waltenberger