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ATTILIO ARIOSTI – Der italienische Countertenor FILIPPO MINECCIA …

15.12.2015 | cd, CD/DVD/BUCH/Apps

ariost ATTILIO ARIOSTI – Der italienische Countertenor FILIPPO MINECCIA singt 14 Arien für Alt – GLOSSA CD 

Das war ja wohl ein „wilder Hund“, dieser Attilio Ariosti, der obwohl unter dem Namen Frater Ottavio als Mönch des Servitenordens angelobt, sein Leben als reisender Diplomat an verschiedenen europäischen Höfen (Mantua, Berlin, Wien, Paris, London) verbrachte. Historiker sagen ihm verschiedene Intrigen und Komplotte nach, im Jahr 1703 musste er wegen einer handgreiflichen Auseinandersetzung mit dem Oberhofkapellmeister Schloss Lietzenburg und damit die Dienste bei Sophie Charlotte verlassen. Danach war er kurzzeitig am Hof von Anjou angestellt. Zwischen 1703 und 1709 war er für Kaiser Joseph I. der österreichische Generalagent für Italien. Nebstbei war er auch noch als Komponist, Organist, Dichter, Sänger und Spieler der Viola d’amore tätig. Er hat 22 Opern und 5 Oratorien verfasst. 

Die auf der neuen CD aufgenommenen Arien entstammen Opern, Oratorien oder sind Arien mit obligaten Soloinstrumenten, die in London (Vespasiano, Caio Marzio Coriolano, Aquilio Concolo, Dario, Tito Manlio) oder Wien (I gloriosi presagi di Scipione Africano, La profezia d’Eliseo nell’assedio di Samaria, La madre de‘ Maccabei) verfasst wurden. Andrea Friggi begleitet mit seinem Ensemble Odyssee, wobei besonders die Ober- und Bassstimme herausgearbeitet wurden. Ein basslastiger Sound also, der den erhaltenen Lohnlisten Londoner Orchestermusiker dieser Jahre entsprechend wahrscheinlich im frühen 18. Jahrhundert gang und gäbe war.  

Filippo Mineccia verfügt über einen eher kleinkalibrierten Countertenor, der in der oberen Mittellage farbig aufblüht und für manch schillernden Klang sorgt. Im unteren „Register“ ist die Stimme allerdings unruhig und lässt einen fokussierten Kern vermissen. Geläufigkeit und Verzierungen gelingen einwandfrei, allerdings vermag er nicht über die beinahe 74 Minuten (abzüglich dreier rein instrumentaler Nummern) die Spannung zu halten. Das gelingt aber bei Arien CDs ohnedies nur in Ausnahmefällen.  

Das Repertoire ist geschickt gewählt, weil von diesem Komponisten außer den Stockholm-Sonaten und einer Kantate bei NAXOS kaum etwas im Katalog zu finden ist. Außerdem bewegt sich die Qualität der Kompositionen auf einem beachtlichen Niveau und erweitert das Verständnis der Hochblüte der italienischen Oper im London des frühen 18. Jahrhunderts eines Händel und Bononcini. Alle drei Komponisten gehörten übrigens der Royal Academy of Music an. 

Für entdeckungsfreudige Geister und Freunde der barocken Opera seria eine interessante Sache. 

Dr. Ingobert Waltenberger

 

 

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