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ATHEN/ Megaro Mousikis: STAATSORCHESTER (Rossini, Beethoven, Mendelssohn). Phaedra Giannelou, Theodosia Dokou (Klavier)

24.10.2020 | Konzert/Liederabende

Megaro Mousikis, Athen
Staatsorchester Athen

Konzert am 23. Oktober 2020

Die Revolution findet nicht statt

Covid-19 beschert uns allen ein schwieriges Jahr, ganz besonders aber den Kulturschaffenden und -institutionen. Das Athener Staatsorchester konnte sein Konzert zur Saisoneröffnung am 9. Oktober nur online präsentieren, das zweite geplante Konzert eine Woche später musste abgesagt werden. Nun fand die erste Veranstaltung im Grossen Saal des Megaro Mousikis statt. Erlaubt ist derzeit 30% Sitzbelegung. Tatsächlich dürfte der Saal mit seinen 2000 Plätzen zu 15-20% belegt gewesen sein. Das eingeforderte Distanzhalten war unter diesen Umständen kein Problem. Man wünscht sich gleichwohl mehr Zuhörer für die kommenden Konzerte.

Das Konzert eröffnete einen Zyklus mit dem Titel „Revolutionen und Aufstände“, der in Zusammenhang mit den nächstjährigen 200 Jahr-Feierlichkeiten zum Beginn der Griechischen Revolution im Jahr 1821 steht. Was unter der Leitung von Phaedra Giannelou vom Staatsorchester Athen dargeboten wurde, klang allerdings alles andere als revolutionär. Der jungen Dirigentin mangelt es hörbar an Gestaltungswillen – was sicherlich (auch) der fehlenden Praxis geschuldet ist. Schon die Rossini-Ouvertüre zur Oper „Die Belagerung von Korinth“, welche das pausenlose Programm eröffnete, schleppte sich recht zäh dahin und liess jeglichen Drive vermissen. Das dritte Klavierkonzert von Ludwig van Beethoven gewann zwar mehr ordnende Struktur, Orchester und Klavier fanden jedoch nicht zu einem intensiven, tiefere Einsichten befördernden Dialog. Dies wurde insbesondere im langsamen Satz deutlich. Die Pianistin Theodosia Dokou zeigte mit bisweilen zu hartem Anschlag eine ordentliche Leistung, vermochte aber kaum eine Klangrede zu entwickeln. Felix Mendelssohn Bartholdys vierte Sinfonie, die Italienische, machte gleich im ersten Satz deutlich, woran es dem Abend grundsätzlich mangelte: an Details in Klang und Tempo, an Abstufungen und Nuancen. Die dargebotenen Werke kamen reichlich monoton daher. Das Orchester hätte das Potential für überzeugendere Auftritte, was wieder einmal die Bläsersektion schön veranschaulichte.

Die Freude über die Rückkehr in den Konzertsaal war jedoch gross und das Publikum darum besonders dankbar für das Dargebotene – das schliesst den Rezensenten durchaus ein. Wie momentan üblich, trat das Orchester wegen des nötigen Distanzhaltens in kleiner Besetzung auf. Für das Beethoven-Konzert waren es 32 Musiker. Dass man die unterschiedlichen Instrumentalisten besser auf dem ansteigenden Podium ausmachen und klanglich wahrnehmen konnte, war eine interessante Erfahrung. Optimal gerieten die akustischen Verhältnisse durch diese Anordnung und den Mangel an Publikum freilich nicht. Immerhin, ein Anfang ist getan und man kann nur hoffen, das die Konzertsaison einigermassen reibungungslos vonstatten gehen wird.

Das Publkum spendete kurzen, aber starken Beifall.

Ingo Starz (Athen)

 

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