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ATHEN/ Megaro Mousikis: MAHLERS „FÜNFTE“/ Staatsorchester Athen/Foremny

Mit Mahler lernen

21.04.2018 | Konzert/Liederabende

Megaro Mousikis, Athen/ Staatsorchester Athen: MAHLER 5
Besuchtes Konzert am 20. April 2018

Mit Mahler lernen

Das Staatsorchester Athen setzte seinen Gustav Mahler-Zyklus mit der 5. Sinfonie des österreichischen Komponisten fort. Dem Zuhörer vermittelte sich ein ähnlicher Eindruck wie bei den vorangegangenen Konzerten, der sich pointiert etwa so formulieren liesse: Das Orchester lernt viel von Mahler und wird dies auch in Zukunft tun. In der Tat benötigen solche umfangreichen und komplexen Werke neben musikalischer Exzellenz auch Erfahrung. Da es dem Athener Staatsorchester noch an Erfahrung mit Mahlers Werk mangelt, ist es umso erfreulicher, dass Stefanos Tsialis, dessen Chefdirigent, eine zyklische Aufführung der Sinfonien initiiert und nun am Laufen hat. Wie man erleben kann, führt dieses Projekt auch zu einem grösseren Publikumsaufkommen.

Bei Mahlers 5. Sinfonie stand Matthias Foremny am Pult. Er hat einen reichen Erfahrungsschatz im Opernfach, war als Kapellmeister an der Komischen Oper Berlin und als GMD und Operndirektor in Schwerin tätig. Aktuell binden ihn Verpflichtungen an die Opernhäuser von Leipzig und Köln. Zudem bekleidet er seit 2014/15 eine Professur für Dirigieren an der Hochschule für Musik und Theater in Leipzig. Seine didaktischen Fähigkeiten waren nun wohl auch in Athen besonders gefragt. Der gestalterische Wille des Dirigenten war dabei mehr in Details als im grossen Ganzen zu erkennen. Es war, wenn man so sagen darf, eine Wiedergabe von Mahlers 5. Sinfonie ohne durchdringende Interpretation.

Die besten Momente gehörten an diesem Abend den Bläsergruppen. Im ersten Satz war es die Trompete oder im dritten das Horn, welche gelungene Momente setzten. Den Streichergruppen hingegen fehlte es doch etwas an klanglicher Homogenität und ebenso an zupackendem Gestus. Das berühmte Adagietto zeigte zwar ein deutliches Bemühen um eine fliessende, wellenartige Bewegung, eine wirklich schwebendes, gleichsam entrücktes Klangbild wollte sich jedoch nicht einstellen. Andererseits vermittelte sich der dissonanzreiche Ton des Werk in Ermanglung deutlicher Akzentsetzungen von Seiten des Dirigenten zu wenig. Der oft beschriebene groteske Humor des Scherzo stellte sich nur ansatzweise ein. Es mag sein, dass bei den Proben des Konzerts die blosse Bewältigung der Partitur im Vordergrund stand – und vielleicht hätte es ein Mehr an Proben gebraucht -, was man am Ende zu hören bekam, glich jedenfalls eher einer Addition von unterschiedlich gelungen präsentierten Teilen. Ein roter Faden wurde nicht erkennbar, so dass das Werk auch nicht die wünschenswerte Sogwirkung entfaltete.

Das Publikum im sehr gut gefüllten Konzertsaal des Megaro Mousikis folgte aufmerksam. Die Veranstalter konnten offensichtlich viele Schüler- und Studentengruppen für dieses Konzert gewinnen. Am Schluss gab es langanhaltenden, starken Beifall.

Ingo Starz (Athen)

 

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