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ATHEN/ Megaro Mousikis; MAHLERS 3. SYMPHONIE mit dem Staatsorchester Athen (Lajovic, Paasikivi)

11.01.2020 | Konzert/Liederabende

Megaro Mousikis, Athen

Staatsorchester Athen: Gustav Mahler Symphonie Nr. 3

Konzert am 10. Januar 2020

Von der tiefen Ewigkeit

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Uros Lajovic. Foto: Agentur

Im Rahmen eines Mahler-Zyklus brachte das Staatsorchester Athen nun das laengste Werk des Komponisten zur Auffuehrung, die dritte Symphonie. Die Veranstalter hatten mit der Verpflichtung des Dirigenten Uros Lajovic eine wirklich gute Wahl getroffen. Der Slowene, der lange Jahre in Wien angehende Dirigenten unterrichtete, erwies sich als der richtige, um dem mit Mahlers Werk noch wenig vertrauten Orchester den Weg zu weisen. Lajovic sorgte denn auch fuer eine hochkonzentrierte und gut gestaltete Auffuehrung des imposanten symphonischen Stuecks.

Die gestalterischen Faehigkeiten des Dirigenten zeigten sich schon im ersten Satz, wo er die gleich einer Collage zusammengefuegten musikalischen Teile spannungsvoll zu verbinden wusste. Dass Lajovic dabei Kontraste und Schaerfen – etwa im Hinblick auf den Marsch – nicht voll ausgekostet hat, duerfte in Ruecksicht auf die (beschraenkten) Moeglichkeiten des Orchesters geschehen sein. Mit sicherer Hand fuehrte er die Musiker durch das Werk, legte ebenso den pastoralen Klang des zweiten wie die groteske Anmutung des dritten Satzes ueberzeugend frei. Bemerkenswert geriet dabei das Hornsolo des Scherzos. Im anschliessenden vierten Satz brachte Lajovic das Orchester dazu, mit der Stimme der Mezzosopranistin Lilli Paasikivi zu atmen. Eindringlich erklang so die Vertonung von Friedrich Nietzsches Nachtwandlerlied aus „Also sprach Zarathustra“. Gelungen war auch die Ausfuehrung des nachfolgenden Chorsatzes, wobei wiederum auffiel, wie gut der Maestro die Singstimmen in den Gesamtklang einzubinden wusste. Das Adagio, der letzte Satz klang wie ein hymnischer Gesang. Gerade im Schlussteil wurde ersichtlich, wie die Gestaltungskraft eines Dirigenten auch ein eher mittelmaessiges Orchester zu einer sehr erfreulichen Leistung fuehren kann.

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Lilli Paasikivi. Foto: Agentur

 

Das Athener Staatsorchester zeigte sich an diesem Abend von seiner besten Seite. Die Blechblaeser liefen nach anfaenglichen Intonationsmaengeln zu Hochform auf. Die Streicher erreichten zwar nicht den intensiven und warmen Klang, den man sich wuenschen wuerde, agierten aber sicher und praezise. Lilli Paasikivi lieferte eine sehr gute Gesangsdarbietung ab. Sie trug das Nietsche-Lied mit warmem, fokussiertem Ton und sehr wortdeutlich vor. Der Chor des Nationalen Rundfunks ERT, der Chor der Stadt Athen und der Rosarte Kinderchor erbrachten sehr solide Leistungen. Alle Beteiligten trugen dazu bei, dass das erste Konzert des Staatsorchesters im Jahr 2020 zu einem eindruecklichen Erlebnis wurde.

Ingo Starz (Athen)

 

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