Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

ATHEN/ Megaro Mousikis: KONZERT ISRAEL PHILHARMONIC ORCHESTRA. Zwischen Wiener Moderne und Wildem Westen

20.10.2015 | Konzert/Liederabende

Megaro Mousikis, Athen

Israel Philharmonic Orchestra: Zwischen Wiener Moderne und Wildem Westen

Konzert vom 19. Oktober

 Im akustisch ausgezeichneten Athener Konzertsaal gastieren regelmässig bedeutende Orchester aus der ganzen Welt. Nun war das Israel Philharmonic Orchestra an der Reihe. Unter seinem langjährigen Chefdirigenten resp. Music Director auf Lebenszeit Zubin Mehta präsentierte es erst ein reines Beethoven-Programm, dann ein solches mit Werken von Schönberg, Mahler und Dvořák. Letzteres Konzert, das vom Publikum mit Begeisterung aufgenommen wurde, steht hier zur Besprechung an.

 Der Abend begann mit Arnold Schönbergs Kammersinfonie Nr. 1, Opus 9, die der Komponist selber als Höhepunkt seiner frühen tonalen Phase betrachtete. In der Tat verbinden sich in diesem Werk Tradition und Aufbruch in beeindruckender Weise. Mehta hielt seine 16 Musiker zu einem bewegten und klangschönen Spiel an, welches von grosser Transparenz gekennzeichnet war. Das war Kammermusik im besten Sinne und auf hohem Niveau. Auf Schönberg folgte Gustav Mahler. Das Orchester brachte zusammen mit dem jungen griechischen Bariton Aris Argiris die Kindertotenlieder zur Aufführung. Der Sänger bot die fünf Lieder differenziert und einfühlsam dar, was etwa dem dritten Lied „Wenn dein Mütterlein tritt zur Tür herein“ zum Vorteil gereichte. Mit dramatischem Gestus gelang ihm auch ein schöner Abschluss mit „In diesem Wetter, in diesem Braus“. Metha und das Orchester waren zuverlässige Begleiter. Insgesamt ist festzuhalten, dass die Koordination mit den Musikern und die Diktion des Sängers noch nicht auf der Höhe anderer Interpretationen waren. Auf weitere Begegnungen mit dem Griechen darf man freilich gespannt sein.

 Nach der Pause stand Antonin Dvořáks 9. Symphonie „Aus der Neuen Welt“ auf dem Programm. Mehta führte das Israel Philharmonic Orchestra tempo- und spannungsreich durch die Partitur. Die Qualitäten der Musiker konnten sich so bestens entfalten. Schon die langsame Einleitung des 1. Satzes brachte den warmen Klang der Streicher zum Ausdruck, das Englischhorn-Solo im 2. Satz geriet zu einem Höhepunkt. Und die Blechbläser hatten nicht erst im letzten Satz, wo sie markant das Thema der Neuen Welt vorstellen, einen grossen Auftritt. Das Publikum durfte einer glutvollen, beeindruckenden Interpretation beiwohnen. Zum Kehraus gab es einen Ungarischen Tanz von Johannes Brahms.

 Ingo Starz

 

Diese Seite drucken