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ATHEN / Megaro Mousikis: ISRAEL PHILHARMONIC ORCHESTRA/ Zubin Mehta

01.02.2016 | Konzert/Liederabende

Megaro Mousikis, Athen / Israel Philharmonic Orchestra. Konzert vom 31. Januar 2016

 Französische Rhythmen


Zubin Mehta. Copyright: Tkhunt.com

 Erst im vergangenen Oktober war das Israel Philharmonic Orchestra zu Gast im Megaro Mousikis, nun kehrte es mit zwei Konzerten unter der Leitung von Zubin Mehta zurück nach Athen. Wiederum war die Begeisterung für Orchester und Dirigenten gross. Am ersten der beiden Abende wurde ein rein französisches Programm dargeboten, das Musik der Spätromantik und des Impressionismus miteinander verband.

 Der erste Teil brachte zwei berühmte Kompositionen von Maurice Ravel. Es begann mit seiner Apotheose des Wiener Walzers, „La Valse“. Sergei Djagilew hatte dem Komponisten 1919 den Auftrag für eine Ballettmusik erteilt, das fertige Musikstück aber im Folgejahr mit der Begründung zurückgewiesen, dass es das „Porträt eines Balletts“ sei. Im Konzertsaal erfreut sich Ravels „Poème choréographique pour orchestre“ bis heute grosser Beliebtheit. Tatsächlich kann man darin auch ein Zeitdokument sehen, eine Art Abgesang auf eine soeben untergegangene Epoche. Zubin Mehta gelang es eindrücklich, das Orchester von der gleichsam in Erinnerung gerufenen Walzerseligkeit zu beinahe gewaltsam tönendem Chaos zu führen. Der rhythmische Ablauf stimmte, in der strukturellen Erschliessung der Musik, der Darstellung impressionistischer Harmonik, blieben jedoch Wünsche offen. Dasselbe Problem zeigte sich auch bei der zweiten Orchestersuite „Daphnis et Chloé“, die Teile der 1912 uraufgeführten Ballettmusik verwendet. Straffe Tempi und klar herausgearbeitete Rhythmen bestimmten das Klangbild, die Struktur der Komposition trat demgegenüber zu sehr in den Hintergrund. Der Zugriff Mehtas auf Ravels Musik geriet etwas zu deftig und konnte wenig von der duftig-flimmernden Atmosphäre des Werks vermitteln. Tadellos waren, das muss erwähnt werden, die Soli der Bläser.

 Camille Saint-Saëns‘ 3. Sinfonie, die im deutschsprachigen Raum als Orgelsinfonie bekannt ist, kam dem Dirigenten mehr entgegen. Der spätromantische Gestus des Werks formte sich unter Mehtas Leitung zu einem spannungsvollen, farbenreichen Höreindruck. Das Orchester, welches um Orgel und vierhändiges Klavierspiel ergänzt ist, lief in allen Gruppen zu Hochform auf. Es war eine stimmige Dramaturgie, die das Pathos unter Kontrolle hielt und den melodischen und harmonischen Reichtum der Sinfonie gekonnt in Szene setzte. Die sehr gute Akustik des Hauses liess zudem Orgel und Klavier vorteilhaft zur Wirkung kommen. Das Finale der zweisätzigen Sinfonie erreichte im besten Sinn triumphale Grösse.

 Ingo Starz

 

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