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ATHEN/ Megaro Mousikis: HELLENIC ENSEMBLE OF CONTEMPORARY MUSIC

21.02.2016 | Konzert/Liederabende

Megaro Mousikis, Athen: Hellenic Ensemble of Contemporary Music

Konzert und Veranstaltungsprogramm vom 20. Februar 2016

 Neue Musik und die anderen Künste

 Neue Musik mag in Athen nicht denselben Stellenwert haben wie in einigen anderen europäischen Metropolen, das hindert die hiesige Szene aber keineswegs daran, regelmässig beeindruckende und innovative Veranstaltungen auf die Beine zu stellen. Ein Konzert des Hellenic Ensemble of Contemporary Music bot mit einem üppigen und vielseitigen Begleitprogramm versehen dem Publikum die Möglichkeit, für einen Tag ins Reich der Neutöner einzutauchen. Der Tag begann mit der Probe zum abendlichen Konzert, an welcher anwesende griechische Komponisten zu ihren Werken und denen moderner Klassiker sprachen. Am späteren Nachmittag gab es vier Vorträge bzw. Präsentationen zur Geschichte der modernen Musik, zu den Wechselbeziehungen der Musik zu Malerei, Film und Tanz. Erfreulicherweise war dieses Programm alles andere als eine akademische Trockenübung. Da bekam das zahlreich erschienene Publikum vielmehr vor Augen und Ohren geführt, wie ein Maler live auf einige Beispiele moderner Musik reagiert, wie sich eine Szene aus dem Stummfilmklassiker „Das Cabinet des Dr. Caligari“ mit unterschiedlichen Kompositionen resp. Improvisationen begleiten lässt und über welches choreographische Potential zeitgenössische Musik verfügt. Was die Künstler dabei in Tat und Wort leisteten, war grossartig und wurde mit Begeisterung aufgenommen.

 Im abendlichen Konzert kam ein reichhaltiges Programm zur Darbietung, das zeitgenössische Musik aus Griechenland mit internationalen Klassikern verband. Auch dabei verfolgten die Macher das Ziel, Zusammenhänge mit anderen Künsten aufzuzeigen. John Cages „Theatre Piece“ von 1960 und Steve Reichs „Clapping music“ von 1972 erreichen bis heute unmittelbare Wirkung: Zum einen ist da der Klangraum des theatralen, auf existenzielle Erfahrung zielenden Spiels von Körpern, Sprache und Lauten – zum anderen das durch Händeklatschen erzeugte Spektrum an Rhythmus und Melodie. Gunther Schullers „Conversations“ (1959) führen Jazz und Neue Musik zusammen, wobei Streicher, Klavier und Perkussion zu einem reizvollen Sound finden. Der Dirigent und Komponist Theodore Antoniou, der das Konzert mit einer kurzen Improvisation eröffnet, stellt im zweiten Teil Werke griechischer Kollegen vor. Die qualitätvollen Beispiele zeigen wiederum unterschiedliche Aspekte von Interaktionen. Bei Leontios Hatzileontiadis‘ „Brainswarm opus 88“ von 2013 wird die Hirnaktivität des Dirigenten ergänzend zur Musik visualisiert. Anestis Logothetis‘ Komposition „Odyssey“ (1963) basiert auf einer grafisch gehaltenen Partitur; Janni Christous „Anaparastasis I – The barytone“ schafft mit Stimmen und Instrumentalklang eine surreal anmutende Stimmung.

Die Musiker des Hellenic Ensemble of Contemporary Music und der von Alexandros Kalogeras einstudierte Chor meistern ihre Aufgaben mit Bravour. Nach diesem langen und anregenden Tag mit Neuer Musik wünscht man sich eine baldige Fortsetzung.

 Ingo Starz

 

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