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ATHEN/ Greek National Opera: DAS SCHLAUE FÜCHSLEIN. Premiere

29.03.2015 | Oper

Greek National Opera, Athen: Leoš Janáček: Das schlaue Füchslein

Premiere vom 28. März. Weitere Vorstellungen bis 5. April

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Copyright: Griechische Nationaloper Athen

Im Reich der Tiere

 Im Januar kam Richard Wagners „Tristan und Isolde“ zur griechischen Erstaufführung, nun brachte die Griechische Nationaloper in Athen erstmals Leoš Janáčeks Oper „Das schlaue Füchslein“ auf die Bühne des Olympia Theaters. Zu erleben war das Werk hier bereits einmal: Im Rahmen des Athens Festivals 2002 brachte das Nationaltheater aus Brünn die Oper im Odeion des Herodes Attikus zur Aufführung. Die aktuelle Produktion stellt eine Übernahme von der Welsh National Opera und der Scottish Opera dar. Die Inszenierung liegt in den bewährten Händen von David Pountney, der zu den meistbeschäftigten Opernregisseuren unserer Tage gehört.

 Pountneys Regie bringt die lyrischen Naturstimmungen und die komischen Momente des Werk bestens zur Geltung. Mit Maria Björnson hat er eine phantasievolle Bühnen- und Kostümbildnerin zur Seite, deren Natur- und Tierwelt das Publikum entzückt. Die Wechsel von Aussen- und Innenszenen sind geschickt mittels verschiebbarer Bühnenelemente gelöst: So öffnet sich im Boden der Landschaft ein variabel bespielbarer Raum. Der mit Blätterwerk oder schirmähnlichen Blumen angedeutete Wechsel der Jahreszeiten, die auf Stühlen vom Bühnenhimmel heruntergelassenen Vogelfiguren, die von Tänzern in den Raum gesetzten Insekten resp. Kleintiere: all das schafft eine bildstarke Szenerie, in welcher der Regisseur die Geschichte vom schlauen Füchslein, das in die Fänge des Försters gerät, entfliehen kann und schliesslich vom Landstreicher Harašta erlegt wird, ungebrochen erzählt. Man kann sich schon fragen, ob der naiv-heitere Ton dieser Inszenierung den Konflikt zwischen Mensch und Natur ausreichend befragt. Zugestehen muss man dem Briten jedoch, dass das Ganze schlüssig daherkommt. Am Schluss gab es für den Regisseur denn auch nur Zustimmung vom Publikum.

 Mit der musikalischen Leitung der Janáček-Oper ist Jaroslav Kyzlink betraut, der die Musik stilgerecht und überzeugend zur Aufführung bringt. Insbesondere die Fuchsszenen des 2. und 3. Akts gelingen sehr klangschön. Das Orchester der Nationaloper, das sich im 1. Akt noch zusammenfinden muss, läuft im Laufe des Abends zu beachtlicher Form auf. Was an Sattheit des Klangs fehlt, kann durch Plastizität und gute Intonation weitgehend wettgemacht werden. Die impressionistisch anmutenden Naturbeschreibungen des Komponisten kommen in dieser Interpretation sehr gut zur Geltung.

 Das grosse Sängerensemble sowie Chor und Solisten des Balletts bieten durchwegs erfreuliche Leistungen. Randall Jakobsh als Förster mit seinem sonoren, sicher geführten Bass, Mina Polychronou als Füchslein mit ihrem hellen, strahlenden Sopran und Elena Kelessidi mit ihrem dramatischen, dunklen Sopran sorgen für die besten Leistungen und das auch in darstellerischer Hinsicht. Erwähnt werden sollen auch die überzeugenden, teils recht kurzen Auftritte von Ines Zikou als Försterin, Charalambos Alexandropoulos als Schulmeister, Dimitris Kassioumis als Priester und Haris Andrianos als Landstreicher. Alle wissen sie, ihren Rollen viel Leben einzuhauchen. Szenisches Spiel, Gesang und Orchester fügen sich in bemerkenswerter Weise zu einem Ganzen. Das Publikum dankt mir starkem Beifall und einzelnen Bravo-Rufen.

 Ingo Starz

 

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