Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

ATHEN/ Greek National Opera: RHÉA von Spyridon-Filiskos Samara. Halbszenische Aufführung

20.05.2017 | Oper

Greek National Opera, Athen: RHÉA von Spyridon-Filiskos Samara

Halbszenische Aufführung am 19. Mai 2017

 Abschiedsgesänge

 Die Griechische Nationaloper verabschiedet sich von ihrem langjährigen Domizil, dem Olympia Theater im Zentrum Athens, just mit der Oper, die den Beginn der selbständig geführten Institution im Jahr 1944 markiert: mit Spyridon-Filiskos Samaras‘ „Rhèa“. Der im Jahr 1861 auf Korfu geborene Komponist konnte um 1900 an italienischen Opernhäusern mit seinen dem Verismus nahestehenden Musikdramen reüssieren. Insbesondere seine 1908 in Florenz uraufgeführte Oper „Rhèa“ brachte es zu einigem Erfolg. Seine berühmten Kollegen Giacomo Puccini und Pietro Mascagni zollten ihm Anerkennung dafür. Das Werk wurde nun in einer sogenannten halb-szenischen Version auf die Bühne gebracht (Einrichtung: Nikos Diamantis), welche aber eher einer konzertanten Aufführung gleicht. Ausser dem wenig einfaltsreichen Kontrast der schwarzen und weissen Kostüme (Giorgos Patsas) bot sich dem Auge nichts Nennenswertes dar.

 Die Figurenkonstellation von „Rhèa“ spielt mit bewährten Mustern. Da ist die namensgebende Frau des Gouverneurs von Chios, welche den Athleten Lysias liebt. Der Kommandant Guarca, der Rhèa begehrt, verrät die Liebenden. Vor der geplanten Flucht tötet Guarca Lysias und die unglückliche Frau begeht mit Gift, das sich in einem von Guarca geschenkten Ring verbirgt, Selbstmord. Die Handlung lässt etwas an Verdis „Otello“ denken, die Musik zeigt deutliche Einflüsse der Zeit und dabei ein gewisses Gespür für musikalische Effekte und Orchesterfarben. Leider lässt Samaras‘ „Rhèa“ jedoch eine überzeugende musikdramatische Gestaltung resp. Durchführung vermissen. Alles bewegt sich im Rahmen der Konvention, was ertönt, klingt nicht schlecht, ist aber alles andere als aufregend. So ist dieses Werk eine musikalische Ausgrabung, die kaum im Ohr und Gedächtnis bleiben wird. Immerhin kommt die Aufführung gerade recht zum 100. Todestag des Komponisten.

 Der Samaras-Kenner Byron Fidetzis leistet sehr gute Arbeit am Pult des bestens präparierten Opernorchesters. Die Klangeffekte der Musik kommen voll zur Geltung. Der von Agathangelos Georgakatos einstudierte Chor bietet eine solide Qualität. Unter den Solisten sorgt der Tenor Yannis Christopoulos als Lysias mit seiner schlank gefûhrten, klangschönen Stimme für die beste Leistung. Julia Souglakou weiss die Partie der Rhèa differenziert zu gestalten, ihr Sopran weist aber einige Schärfen auf. Dem Bariton von Kyros Patsalides als Guarca fehlt es etwas an Farben und Wärme, während Dimitris Kassioumis in der Bassrolle als Gouverneur Spinola eher unauffällig und dabei solide agiert. In kleineren Rollen sind Maria Mitsopoulou als Daphne und Nikos Stefanou als Seemann mit guten Leistungen zu hören. Das Publikum verabschiedet sich mit kräftigem Applaus vom alten Stammhaus.

 Ingo Starz

 

Diese Seite drucken