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ATHEN/ Greek National Opera: REISE IN DIE EWIGKEIT. Ballett

08.10.2015 | Ballett/Tanz

Greek National Opera, Athen: Reise in die Ewigkeit

Wiederaufnahme vom 7. Oktober 2015

Variationen des Abschieds

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Copyright: Greek National Opera

Renato Zanella, der Ballettdirektor der Nationaloper, brachte in der vergangenen Spielzeit mit „Cinderella“ ein Märchen als eine Geschichte aus Alt-Wien auf die Bühne. Nun stellt er mit der Wiederaufnahme von „Reise in die Ewigkeit“ unter Beweis, dass ihm auch die griechische Seele nahe ist. Die Choreografie kam in einer kürzeren Version in der Saison 2012/13 heraus, in der darauf folgenden Spielzeit folgte die jetzige Fassung. Eine zentrale Rolle spielt für diese Arbeit die Musik, welche von der bekannten griechischen Komponistin Eleni Karaindrou stammt. Diese hat wiederholt mit dem verstorbenen Filmemacher Theo Angelopoulos zusammengearbeitet. So ist der Ausgangspunkt des Ballettabends die Musik zum Film „Die Ewigkeit und ein Tag“ (1998). Zanella hat sich spürbar mehr an der Komposition orientiert, erzählt aber gleichwohl wie Angelopoulos vom Sterben eines Mannes, den Erinnerungen und Begegnungen am letzten Tag.

Die Musik von Eleni Karaindrou entwirft Impressionen einer Landschaft am Meer, schafft eine Folge von Tänzen, die zugleich heiter und melancholisch gestimmt sind und das Leben feiern wie den Abschied zelebrieren. Ferner vergegenwärtigt sie gleich zu Beginn das Ticken und Ablaufen der Lebensuhr. Die atmosphärisch starke Komposition wird unter der musikalischen Leitung von Anastasios Simeonidis vom Streicherensemble des Opernorchester und den Solisten Aris Dimitriadis (Mandoline), Christos Zerbinos (Akkordeon) sowie Markos Kotzias (Piano) wunderbar zum Erklingen gebracht. Renato Zanella entwirft in neoklassischer Manier eine formschöne, sehr homogen wirkende Choreografie, die den Sterbenden als Wanderer gleich durch Szenerien des Lebens streifen lässt. Wie sich seine 17 Tänzerinnen und Tänzer zu Gruppen formen, sich voneinander lösen, in Solo und Pas de deux zu Intensität und Intimität finden, das alles ist eindrücklich und sehr gut getanzt. Dieser Welt des Abschiednehmens mangelt es nur etwas an Brüchigkeit und Widersprüchlichkeit. Gar zu schön und glatt ziehen die Szenen am Betrachter vorüber.

Das Ensemble löst seine Aufgaben tadellos. Besonders hervorzuheben ist die eindringliche Leistung von Maria Kousouni als Frau in weissem Gewand (womit sie schon einen besonderen Akzent auf der Bühne setzt). Ihr Partner Vangelis Bikos sowie das Paar Natasha Siouta und Aleksandar Neskov wissen ebenfalls starke Momente zu setzen. Stratos Papanoussis als vom Leben Abschiednehmender irrt gekonnt durch das Geschehen und verleiht der Hauptfigur grosse Präsenz. Auch alle an dieser Stelle ungenannten Beteiligten verdienen Lob. In der symbolhaften Ausstattung von Katerina Angelopoulou – zwischen Meereswogen und Lebensbaum – finden Tanz und Musik auf gelungene Weise zusammen. Das Publikum im sehenswerten, neoklassizistischen Stadttheater von Piräus, wo die Greek National Opera zu Gast war, reagierte mit Begeisterung auf die Darbietung.

Ingo Starz

 

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