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ATHEN/ Greek National Opera/ Odeion des Herodes AttikusTOSCA

15.06.2015 | Allgemein, Oper

Greek National Opera, Odeion des Herodes Attikus: TOSCA Wiederaufnahme vom 14. Juni 2015

 Schillernde Räume der Macht

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Copyright: Greek National Opera

 Zum Saisonende verlässt die griechische Nationaloper jeweils das Olympia Theater und bespielt das gut erhaltene, aus römischer Zeit stammende Odeion des Herodes Attikus. Das eindrückliche Ambiente am Fusse der Akropolis lockt wie andere Openair-Events mehr Publikum als gewöhnlich an. Die erste der beiden dortigen Produktionen ist die Wiederaufnahme einer „Tosca“-Inszenierung aus dem Jahr 2012. Dazu ein Detail am Rande: Sieben Jahrzehnte zuvor wurde die Puccini-Oper zum ersten Mal von der 1939 gegründeten Nationaloper zur Aufführung gebracht. Die Titelpartie sang damals eine blutjunge Sopranistin, die als Maria Callas Weltruhm erlangen sollte.

 Für Inszenierung und Ausstattung zeichnet sich Hugo de Ana verantwortlich. Er versteht es, den breiten Bühnenraum und die antike Rückwand mittels Projektionen stadtrömischer Sakral- und Profanarchitektur geschickt zu einem Illusionsraum zu verschmelzen. Besonders wirkungsvoll ist die Szene im zweiten Akt, wo das Odeion in den berühmten Palazzo Farnese verwandelt wird. Hinzu kommt in den beiden ersten Akten ein momumentales Kruzifix, das als eine Art Vanitassymbol den Bühnenraum dominiert. So effektvoll solche Bilder sind, so bescheiden bleibt die Personenführung. Zugegeben, es ist nicht einfach  einen solchen Raum wie das Odeion mit Leben zu füllen. Mehr Detailarbeit hätte aber gut getan. Lukas Karytinos führt das Orchester sicher durch den Abend. Sicher heisst dabei nicht unbedingt spannungsvoll: Manches Mal hätte man sich etwas straffere Tempi und mehr Mut zur Akzentuierung gewünscht. Chor und Kinderchor der Oper (Einstudierung: Agathangelos Georgakatos) erledigen ihre Aufgabe auf gutem Niveau.

 Mit Dimitri Platanias steht ein Scarpia auf der Bühne, der Stimmkraft und Wohlklang zu bieten vermag. Sein Spektrum an Zwischentönen ist allerdings beschränkt, weshalb sein Gesang zuweilen etwas eintönig klingt. Roberto Aronica gibt einen feurigen, stimmlich tadellosen Cavaradossi. Sein „E lucevan le stelle“ setzt einen Höhepunkt des Abends. Der andere ist das „Vissi d´arte“ der Tosca. Dimitra Theodossiou gestaltet die berühmte Arie mit rundem Ton und schönen Piani eindrucksvoll. Im Ganzen bleibt sie ihrer Rolle aber doch einige dramatische Momente schuldig, was sich vor allem im 2. Akt in der Auseinandersetzung mit Scarpia bemerkbar macht. Ihr Stimme dürfte mehr bei Donizetti – sie hat u.a. die Titelpartien in „Norma“ und „Anna Bolena“ im Repertoire – als bei Puccini zuhause sein. Die sängerischen Leistungen in den kleineren Rollen sind weitgehend gut: Petros Magoulas als Cesare Angelotti und Christine Assimakopoulou seien stellvertretend erwähnt.

 Mit der Wiederaufnahme von „Tosca“ präsentiert die griechische Nationaloper eine musikalisch qualitätvolle und szenisch solide Aufführung. Dramatischer als das Geschehen im Odeion des Herodes Attikus ist in diesen Tagen aber fraglos dasjenige auf der politischen Bühne. Man darf gespannt sein auf die Premiere im Juli, die Georges Bizets Meisterwerk „Carmen“ gilt.

 Ingo Starz

 

 

 

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