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ATHEN/ Greek National Opera: MACBETH von G. Verdi. Hexen an der Macht. Wiederaufnahme

25.04.2017 | Oper

Greek National Opera, Athen: MACBETH von Giuseppe Verdi. Hexen an der Macht

Wiederaufnahme am 23. April 2017 : Hexen an der Macht

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 Nachdem im neuen Athener Opernhaus vor Ostern die ersten Ballettaufführungen stattfanden, kam nun die Oper zum Zug. Aufgrund des knappen Planungszeitraums griff man auf eine Produktion von Verdis „Macbeth“ zurück, die im Januar 2014 in der Alexandra Trianti Hall des Megaro Mousikis Premiere gefeiert hatte. Diese basiert auf der italienischen Fassung der Oper aus dem Jahr 1874. Um es gleich vorweg zu sagen: Die Akustik des Hauses wusste – mindestens im hinteren Parkett – zu überzeugen.

 Die Inszenierung von Lorenzo Mariani – mit dem Bühnenbild von Maurizio Balò und den Kostümen von Silvia Aymonino – versetzt die Handlung ins kriegerische 20. Jahrhundert und lässt die Hexen gleich Nornen die Schicksalsfäden ziehen. So ist das Hexentrio auch ständig und schon während des Vorspiels präsent, ohne dass sich daraus tiefere Einsichten in die Psyche von Macbeth und dessen Gattin vermitteln würden. Der Metallkasten auf der Bühne mutet wohl wie eine Festung an und ist in seiner brutalistischen Architektur durchaus eine brauchbare Metapher für das Geschehen. Allein von Personenführung ist auf der Bühne nicht allzu viel zu spüren. Die Solisten wie der Chor verharren gar zu gerne in Stillstand und an der Rampe. Macbeth erscheint dabei als schwache Persönlichkeit, während sich Lady Macbeth – wenig überraschend – als hemmungslos machthungrig präsentiert. Man könnte sich tatsächlich eine interessantere Interpretation vorstellen.

 Das Orchester unter der Leitung von Lukas Karytinos zeigt sich in guter Form. Die bisweilen schleppenden Tempi in den beiden ersten Akten (z.B. in der ersten Arie der Lady Macbeth) sorgen allerdings für Spannungsunterbrüche vor der Pause. Der verstärkte Chor der Nationaloper (Einstudierung: Agathangelos Georgakatos) erweist sich – insbesondere in den Frauenstimmen – seiner Aufgabe gewachsen. Mitglieder des Balletts tanzen von Renato Zanella choreografierte Einlagen, die unauffällig bis nichtssagend bleiben.

 Tassis Christoyannis als Macbeth überzeugt weniger durch Fülle und Klangfarbe seiner Stimme, als durch seine intensive Rollengestaltung. Im 3. und 4. Akt wächst er zur bestimmenden Bühnenfigur empor. Das ist hörens- und sehenswert. Nicht zu überzeugen vermag hingegen Dimitra Theodossiou als Lady Macbeth. Ihr Sopran weist erhebliche technische Mängel auf, da fehlen exponierte Töne, reissen andere vorzeitig ab, gelingen Verzierungen nur ansatzweise. Zudem sind die gestalterischen Mittel der Sängerin, szenisch und stimmlich, sehr beschränkt. Das Potential der grossartigen Sopranpartie bleibt so leider weitgehend ungenutzt. Petros Magoulas als Banco und Dimitris Paksoglou als Macduff bieten gute Leistungen. In den kleineren Partien macht Antonia Kalogirou positiv auf sich aufmerksam. Das Publikum dankte allen Beteiligten mit herzlichem, anhaltendem Beifall.

 Ingo Starz

 

 

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