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ATHEN/ Greek National Opera: GIOCONDAS SMILE /MARSYAS – Balletturaufführungen

05.03.2015 | Allgemein, Ballett/Tanz

Greek National Opera, Athen: Premiere „Gioconda´s Smile / Marsyas“ (Uraufführungen), 4. März 2015

Weitere Vorstellungen: 5., 6., 7., 8., 10. und 11. März

 von Ingo Starz

Gioconda's Smile
Copyright: Greek National Opera

 Der Komponist Manos Hadjidakis (1925-1994) gehört nicht zu denen, die im deutschsprachigen Raum sehr bekannt sind. Zu großer Popularität gelangten hier jedoch zwei seiner Melodien: Die Schlager „Ein Schiff wird kommen“ und „Weiße Rosen aus Athen“ hat wohl mancher noch heute im Ohr. Hadjidakis wird in Griechenland bis heute viel gehört, wobei der Vielseitigkeit des Komponisten Rechnung getragen wird. Dieser war nämlich in der U- wie E-Musik tätig, schuf Film-, Ballett-und Theatermusik sowie als Höhepunkt seines Werks den Liedzyklus „Megalos erotikos“, worin er antike und neugriechische Gedichte mit mittelalterlichen Texten und einem Auszug aus dem Hohelied Salomos verband. In Anbetracht von Hadjidakis´ Bedeutung für die griechische Musik überrascht es nicht, dass nun ein Ballettabend an der Griechischen Nationaloper zwei seiner Werke aufgegriffen hat. Die in Athen bekannte Choreografin Angeliki Stellatou sorgte für deren tänzerische Umsetzung.

 Im ersten Teil des Abends war das Stück „Marsyas“ zu sehen, das auf den bekannten Stoff aus der griechischen Mythologie gründet. Erzählt wird die Geschichte des Satyrs Marsyas, der mit einer von Athene zurückgelassenen Doppelflöte Apoll zum Wettstreit herausfordert. Nach dem Kithara-Spiel des Gottes, neigen die Musen zunächst dazu, Marsyas zum Sieger zu erklären. Aufgrund seines Gesangs obsiegt aber schließlich Apoll. Der Satyr wird für seine Freveltat an einer Fichte aufgehängt und gehäutet. Hadjidakis komponierte seinen „Marsyas“ für kleines Orchester mit Klavier. Die Uraufführung des Balletts fand 1950 auf der Insel Ägina statt, wovon Fotografien im Programmheft zeugen.

 Angeliki Stellatou bringt den Mythos recht buchstabengetreu, aber auch etwas einfallslos auf die Bühne. Dort dienen als Bühnenbild (Eva Manidaki) eine Reihe von Sitzmöbeln, deren Bezüge grüne Natur zeigen. Nacheinander erblicken wir Athene, welche die Doppelflöte (aufgedruckt auf ein Tuch) zurücklässt, sehen den Satyr mit seinen Kumpanen herumalbern oder folgen dem gravitätischen Auftritt Apolls, dessen T-Shirt von einer Kithara geschmückt wird (Kostüme: Kenny MacLellan). Dies Musik ist über weite Strecken sparsam gehalten und mutet bewusst archaisch an. Weder ihr noch der in der Gegenwart angesiedelten Szene gelingt es aber, Spannung aufzubauen. Die Handlung schleppt sich dahin und der Tanz ist mal klassischer gehalten – so bei den Szenen Apolls -, mal stärker dem Modern Dance verpflichtet. Dass die Häutungsszene parallel geführt einen schmerzgekrümmten Marsyas zeigt und einen Apoll, der die Bezüge von den Polstern reißt, zeugt eher von einer gewissen Hilflosigkeit der Choreografin. Immerhin darf man festhalten, dass die anschließende Klage der Musen mit ihrer einem Trauermarsch gleichenden Musik in eindrückliche Bewegungsfolgen übersetzt ist. Die Solisten Stratos Papanoussis (Marsyas), Aleksandar Neskov (Apollon) und Maria Kousouni (Athene) zeigen sich den nicht eben besonders anspruchsvollen Aufgaben gewachsen. 

 In jeder Hinsicht interessanter ist der zweite Teil des Abend, der „Gioconda´s smile“ zur Aufführung bringt. Hadjidakis fasste unter diesem Titel ursprünglich zehn Lieder zusammen, die von Jacqueline Danaud 1962 in Paris gesungen wurden. Später schuf er eine süffige Orchesterfassung, die in Rhythmik und Besetzung – das Orchester ist um Gitarren, Mandoline, Cembalo und Saxophon ergänzt – griechische und amerikanische Musikkultur gekonnt zusammenführen. Angeregt wurde das Werk durch eine junge Frau, die der Komponist während einer Parade in New York scheinbar teilnahmslos und abwesend durch die Menschenmassen laufen sah. Verbunden mit dem Lächeln der „Mona Lisa“, das er kurz darauf auf einem Cover in der Auslage einer Buchhandlung entdeckte, konzipierte er eine Musikfolge, die von einer einsamen Frau im Getriebe der Großstadt erzählen will.

 Zu dieser Komposition gelingt Stellatou eine wesentlich konzisere und überzeugendere Choreografie. Die Gegenüberstellung von Individuum und Masse vermag sie in fließende Bewegungsfolgen, in wechselnde Gruppierungen zu übersetzen, in denen sich Maria Kousouni als Gioconda immer behaupten kann. Es ist das einzige Mal an diesem Abend, das sich tänzerisches Vermögen und persönliche Ausstrahlung zusammenfinden. Auf der leeren Bühne sorgen nur drei verschiebbare, graue Vorhänge für räumliche Momente. Zum Höhepunkt gerät ein Pas de deux zwischen Kousouni und Vangelis Bikos. Modern Dance und Hadjidakis´ Tanzrhythmen geben, so kann man zusammenfassen, ein gelungenes Großstadtbild, das weniger die Abgründe als den steten Wandel in den Fokus nimmt. Das Orchester unter der Leitung von Konstantia Gourzi fühlt sich bei dieser Musik hörbar wohler als bei der Marsyas-Komposition zuvor und sorgt für den nötigen Drive. Daran hätte auch Manos Hadjidakis seine Freude gehabt.

 Ingo Starz

 

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