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ATHEN/ Greek National-Opera: ELEKTRA – Mord und Ekstase

18.10.2017 | Oper

Greek National Opera, Athen: Elektra
Premiere am 15. Oktober 2017

Mord und Ekstase

Ηλέκτρα Ζαμπίνε Χογκρέφε_8824-φωτό Ανδρέας Σιμόπουλος
Copyright: Greek National Opera

Richard Strauss‘ Oper „Elektra“ ist ein Meilenstein der Operngeschichte. Das auf einen Text von Hugo von Hofmannsthal komponierte Werk blickt aus der Perspektive der Wiener Jahrhundertwende auf die griechische Antike. Der sensualistische und tiefenpsychologische Aspekt des Librettos kommt auch in der Musik auf eindringliche Weise zum Leben. „Elektra“ wurde bislang noch nie von der griechischen Nationaloper zur Aufführung gebracht, es gab allerdings eine Inszenierung während der deutschen Besatzungszeit im Zweiten Weltkrieg in Athen, welcher sich ein interessanter Beitrag im Programmbuch widmet, und weiterhin eine konzertante Darbietung 1992 im damals neueröffneten Musikzentrum Megaro Mousikis. Nun wurde mit der Strauss-Oper die offizielle Eröffnung des neuen Opernhauses (Stavros Niarchos Cultural Centre) zelebriert. Die Bewährungsprobe, die so ein Werk für das hiesige Haus darstellt, wurde sehr gut gemeistert.

Für die Inszenierung und das Bühnenbild hatte man den erfahrenen Regisseur und Designer Yannis Kokkos eingeladen. Seine Sicht auf die Tragödie, die von Lili Kendaka (Kostüme), Vinicio Cheli (Licht) und Sergio Metalli (Projektionen) unterstützt wird, ist um Werktreue wie mythische Überzeitlichkeit bemüht. Er folgt den Akzenten der Handlung, schält das Tanzmotiv etwa deutlich heraus, bleibt aber mit seiner Personenführung ganz konventionellen Spielweisen verhaftet. Überraschungen tun sich da keine auf, ebenso wenig im monumentalen Bühnenaufbau, der in durchaus üblicher Weise den mykenischen Palast darstellt. Auffällig ist da nur das Grabmal Agamemnons auf der Bühnenlinken, das den ermordeten Herrscher monumental als fallenden Krieger zeigt.

Mehr als die Szene sorgt das Orchester für Spannung. Vassilis Christopoulos hat den Klangkörper der Nationaloper sehr gut auf seine anspruchsvolle Aufgabe vorbereitet. Der Farbenreichtum der Partitur kommt bestens zur Geltung, die leisen Momente gelingen eindringlich, nur dort, wo sich der Klang ballt und dramatische Wendepunkte anzeigt, würde man sich ein mehr an Zuspitzung resp. Signifikanz wünschen. Alles in allem hört man eine sehr erfreuliche Orchesterleistung. Auf gutem Niveau singt der von Agathangelos Georgakatos einstudierte Chor.

Gesanglich bewegt sich die Aufführung auf hohem, internationalen Niveau. Agnes Baltsa als Klytämnestra, die erstmals (und gagenfrei) an der Nationaloper auftritt, überzeugt noch immer mit einem eindringlichen Rollenporträt und markanter Tongebung, auch wenn ihre Stimme an Farben eingebüsst hat. Sabine Hogrefe gibt der Verzweiflung und dem Rachegefühl Elektras ein Stimmbild, das frei von Schärfen als kraftvolles und wohltönendes Psychogramm daherkommt. Dimitris Tiliakos verleiht dem Orest mit seiner geschmeidigen Stimme und sehr guter Diktion heldische Würde. Die Szene zwischen Elektra und Orest gehört zu den besten des Abends. Gun-Brit Barkmin singt eine in jeder Hinsicht wunderbare Chrysothemis. Ihr dunkler, warmer Ton harmoniert bestens mit Hogrefes hellerer Stimme, dabei singt sie äusserst textverständlich. Tadellos und intensiv gibt schliesslich Franz van Aken den Ägisth.

In den zahlreichen kleineren Rollen finden sich ebenfalls erfreuliche, sängerische Leistungen – erwähnt seien nur Christos Kechris als junger Diener oder Artemis Bogri als Aufseherin.

Die vokale Seite der Athener Aufführung, das darf man summierend festhalten, ist fraglos ihre beste. Am Schluss gibt es starken Beifall und Jubel für Sänger und Musiker, etwas weniger davon für das Inszenierungsteam.

Ingo Starz

 

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