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ASYA FATEYEVA – Eine Frau erobert das ALTSAXOPHON

05.12.2015 | cd, CD/DVD/BUCH/Apps

 71O7W+k0dzL._SL1418_ (1) ASYA FATEYEVA – Eine Frau erobert das ALTSAXOPHON – Debüt-CD mit Werken von Fernande Decruck, William Albright, Jean-Denis Michat und Jacques Ibert – GENUIN – VÖ Jänner 2016

Das klassische Repertoire für Altsaxophon ist alles andere als groß und die wenigen meist zeitgenössischen Werke des Mitte des 19. Jahrhunderts von Adolphe Sax erfundenen Instruments sind einem breiteren Publikum auch nicht bekannt. Das könnte sich ändern. Denn die erst 25-jährige auf der Krim geborene und nun in Hamburg lebende Künstlerin Asya Fateyeva stellt gerade alles auf den Kopf, was bisher in der Branche galt. Als erste Frau kam sie 2014 in die Finalrunde des alle vier Jahre stattfindenden „Concours International Adolphe Sax“. Aber noch viel wichtiger ist ihr umfassendes Engagement für das Instrument auf allen Ebenen: Unterricht, Kammermusik (Mitglied des Alliage Quintetts), Konzerte mit Orchester sowie als berufene Anwältin eigener Bearbeitungen.

Was beim Anhören der CD sofort gefällt, ist der runde warme sangliche Ton, mit dem Asya Fateyeva den „Marathon“ an technisch und musikalisch durchwegs höchst anspruchsvollen Werken absolviert. Gemeinsam mit der kasachischen Pianistin Valeriya Myrosh musiziert sie die Sonate in Cis der französischen Komponistin Fernande Decruck aus dem Jahr 1943 und die 1984 geschriebene Sonata für Altsaxophon und Klavier von William Albright. Decruck benutzt nach den Worten der Solistin das Altsaxophon „wie ein Streichinstrument“ (es gibt auch eine Version für Viola und Klavier). Das ergibt besondere Klanglandschaften, in der pentatonische Skalen und Polytonalität zu ausdrucksintensiven farbenreichen Hörerlebnissen führen. Der amerikanische Komponist William Albright hat sein Stück dem Komponisten und Freund George Cacioppo gewidmet und „La Follia“ genannt. Fateyeva und Myrosh lassen sich von der neobarocken strengen Struktur des Werks (Chaconne, Passacaglia) nicht davon abhalten, den gebetartigen spirituellen Charakter des 2. Satzes Werks bewegend Ton werden zu lassen. Die Sonate endet mit einer wild kakophonen Sequenz eines in Wahnsinn mündenden Tanzes.

Bei den beiden konzertierenden Orchesterwerken „Shams“ von Fateyevas frz. Lehrer Jean-Denis Michat bzw. dem wunderbaren Concertino da Camera für Altsaxophon und elf Instrumente von Jaques Ibert wird die Saxophonistin von den Brandenburger Symphonikern unter dem Dirigenten Michael Helmrath begleitet. Sowohl beim an orientalische Musik angelehnten Shams als auch dem neoklassizistischen Kammerkonzert Iberts kann Fateyeva ihre volle stilistische Bandbreite eindrucksvoll unter Beweis stellen und gleichzeitig die französischen Wurzeln der Kompositionen in impressionistischer Klangpracht offenbaren. Das Orchester ist ein Klasse für sich. Eine beeindruckende innovative CD abseits ausgetretener Pfade. 

Dr. Ingobert Waltenberger 

 

 

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