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ARIE NAPOLETANE – das neue Solo-Album von MAX EMANUEL CENCIC

03.10.2015 | cd, CD/DVD/BUCH/Apps

cencic ARIE NAPOLETANE – das neue Solo-Album von MAX EMANUEL CENCIC mit zehn Weltpremieren – DECCA – 

Il Pomo d’oro unter Max Emelyanychev sind die richtigen Partner auf der barocken Entdeckungsreise 

Diesmal ist es die neapolitanische Opera Seria, die den neben Bartoli wohl bekanntesten DECCA-Star für Alte Musik zu einer klingenden Studienfahrt zur überreichen „neapolitanischen Schule“ inspiriert hat. Der Begründer dieser Schule, Alessandro Scarlatti, kommt gleich mit vier Ersteinspielungen aus den Opern „Il prigioniero fortunato“, „Il Cambise“, „Il Tigrane“ sowie „Massimo Puppieno“ zu vollen Ehren. Scarlatti setzte als sein historisches Verdienst durch, dass die Arien vorwiegend vom Orchester statt wie damals vielfach üblich nur vom Continuo begleitet werden. Später übernahmen Komponisten wie Leonardo Vinci, Nicola Porpora und Giovanni Battista Pergolesi das „Heft“ und schufen in ihrer spätbarocken Aneignung farbig-heroische Ausdrucksmusik, aber auch lyrische elegante Kleinode neapolitanischer Opernkunst. Mir gefallen besonders gut die zwei auf der CD enthaltenen Kostproben von Nicola Porpora aus den Opern „Polifemo“ und „Germanico in Germania“. Da zeigt Cencic alles an virtuoser Kunstfertigkeit und Raffinement mit einer gleichzeitig wunderbar ruhig und kontrolliert sul fiato strömenden Stimme. Wie überhaupt auffällt, dass das Timbre seines Countertenors über die Jahrzehnte hinweg dunkel-golden geworden ist, die Höhen besser eingebunden sind in den vokalen Fluss und die obertonreiche Farbpalette noch an Valeurs zulegen konnte. Das kommt dann epischeren Arien, wo eine hohe Legatokultur gefragt ist, wie etwa Leonardo Leos „Dal suo gentil sembiante“ aus der Oper „Demetrio“ besonders zugute.

Als Besonderheit enthält die CD die Weltpremiere eines Cembalokonzertes in D-Dur von Domenico Auletta, wo das Orchester il Pomo d’oro unter dem Dirigenten und Cembalosolisten Maxim Emelyanychev zeigen kann, was es abseits bester instrumentaler Begleitung noch so drauf hat.

Cencic schreitet mit der neuen CD in prominente Fußstapfen illuster Kastraten wie Nicola Grimaldi, Francesco Bernardi („Senesino“), des Contraalto Domenico Annibali oder Giovanni Carestini. Ob die das damals wirklich besser gesungen haben? Kaum vorstellbar. 

Dr. Ingobert Waltenberger

 

 

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