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ARBITRAGE

11.02.2013 | FILM/TV

Ab 14. Februar 2013 in den österreichischen Kinos
ARBITRAGE
USA  /  2013 
Regie: Nicholas Jarecki
Mit: Richard Gere, Susan Sarandon, Tim Roth, Brit Marling, Laetitia Casta u.a.

Das könnte tatsächlich ein frontal kritischer Film sein, wenn er nicht diese gefällige Fassade hätte, die einlullende Welt der Reichen und Schönen, der man sich als nichtreicher, nichtschöner Durchschnittsmensch auf der Leinwand so gerne hingibt. Wer sieht sie nicht gerne, die Millionäre in ihren schönen Häusern, in den Luxusrestaurants, bei eleganter Unterhaltung, und dass es da neben der Familie wie aus dem Bilderbuch noch eine Freundin gibt, das muss man einem Mann, der aussieht wie Richard Gere, doch zugestehen…?

Aber man muss bei diesem Film des jungen und sehr geschickt agierenden Nicholas Jarecki (den er auch selbst geschrieben hat) genau hinsehen: Der überreiche Banker ist eine jener übergroßen Betrügerfiguren, wie sie in Gestalt von Bernard Madoff hinter Gittern sitzen, und das verdienterweise lebenslang – aber es wirkt (wie auch im Fall von Eisler) wie das eine Opfer, das für die Beruhigung der Öffentlichkeit gebracht wird, während Tausende, die dasselbe getan haben, unbeschädigt davon kommen. So wie jener Robert Miller, der für den reifen Richard Gere eine echte und hervorragend gemeisterte darstellerische Herausforderung darstellt: Er jongliert mit den Milliarden anderer – und kommt davon. Mehr noch, er verursacht den Tod eines Menschen – und kommt davon. Es ist eine auf umgekehrte Weise „moralische“ Geschichte, die der Regisseur erzählt, weil man das Kino nicht zufrieden verlässt (Richard Gere ist ja sooo sympathisch, dass man ihm nichts Böses will), sondern zutiefst verärgert über die Verhältnisse, die sind, wie sie sind. Das heißt, entsprechend dem alten Sprichwort, dass man die Kleinen hängt und die Großen laufen lässt…

Bei einer Familienfeier zu seinem 60er scherzt Robert Miller – der eben noch so gut aussehende Gere – mit einem Wort von Mark Twain: „Age is an issue of mind over matter. If you don’t mind, it doesn’t matter.“ Seine Gattin (erst später merkt man, wie falsch das herzliche Lächeln von Susan Sarandon ist) stimmt zu, die Familie mit Kindern und Enkeln präsentiert Idylle. Dass Papa später zu seiner Freundin geht (Laetitia Casta, herausfordernd attraktiv und selbstbewusst), erwartet ohnedies jeder. Sie ist nicht leicht zu behandeln, weil schwer zufrieden zu stellen – und als es im Auto zu einem Streit kommt, zu einem Unfall, bei dem er nur geringfügig verletzt, sie aber getötet wird, ist das ein unglücklicher Zufall und keineswegs ein Mord. Aber jedenfalls ein Ereignis, dem sich ein Mann wie Robert Miller absolut nicht zu stellen gedenkt. Da müssen Leute her, die aufräumen, Alibis verschaffen, nötigenfalls Schuld auf sich nehmen, man kann ja für alles zahlen…

„Arbitrage“ zeigt nun in der Folge, wie es für Miller knüppeldick kommt – nicht nur der zu vertuschende Unfall, auch das plötzliche Einbrechen seiner betrügerischen Spekulationsgeschäfte (wobei er seine ganz aufrichtige Tochter, die bei ihm in der Firma tätig ist und über gefälschte Bücher stolpert, über seine verbrecherischen Manipulationen frontal ins Gesicht hinein anlügt), die ärgerliche Beharrlichkeit der Polizei: Aber Tim Roth als Detective merkt schon zähneknirschend, dass es Leute gibt, an die man nicht herankommt. Und auch finanzielle Löcher kann man mit genügend Chuzpe stopfen – zumindest von einem zum anderen Mal.

Kurz, eine moralische Geschichte, und wenn dann eine Rechnung präsentiert wird, wo der aalglatte, nie wirklich verzweifelte White-Collar-Verbrecher es nicht erwarten würde (von Seiten der Gattin) – dann kann er auch damit umgehen. Einen (wie Madoff) hat man geopfert, die anderen kommen davon. Unterhaltungskino, das den Ärger über die  Welt reflektiert, wie sie ist.

Renate Wagner  

 

 

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