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ANTWERPEN/Opera Vlaanderen: AKHNATEN von Philip Glass

24.02.2015 | Allgemein, Oper

ANTWERPEN/OPERA VLAANDEREN : AKHNATEN von Philip Glass am 22. 2.2015

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Opulenz. Foto Vlaanderen Opera

 Sven Hartberger vom Klangforum Wien beklagt ja immer wieder beredt den Mangel eines vierten Opernhauses in Wien, in dem die wichtigsten zeitgenössischen Opern der letzten Jahrzehnte wieder-aufgeführt werden könnten.

Die Vlaamse Opera in Antwerpen hat sich jetzt so eines Klassikers angenommen und Philip Glass‘ “ Akhnaten “ aufs Programm gesetzt. Dieser war in den 80er Jahren sehr populär und wurde oft gespielt, verschwand aber dann (gemeinsam mit den beiden anderen Teilen der Trilogie -„Einstein on the beach“ und „Satyagraha“) relativ bald wieder von den Spielplänen.

“ Akhnaten “ nimmt die historische Person des ägyptischen Pharaos Echnaton – der den ersten Monotheismus der Religionsgeschichte eingeführt hat (und daran gescheitert ist) als Ausgangspunkt. Eine linear erzählte dramatische Handlung darf man sich allerdings nicht erwarten.

Es wird (für eine Oper) auch relativ wenig gesungen, und wenn gesungen wird, dann in Altägyptisch, Akkadianisch und biblischem Hebräisch (nur dem Erzähler ist die Landessprache gestattet, was aber hier – da es Niederländisch ist – dem ausländischen Besucher verständigungsmäßig auch nicht weiterhilft).

An Glass‘ Musik haben sich die Geister ja schon immer geschieden: manche finden seine repetitive Serialität langweilig und nervtötend, andere meditativ und in Trance versetzend. Wie immer man dazu stehen mag, eins steht außer Streit: die Oper von Antwerpen hat diesem sperrigen Etwas eine phantastische, augenbetäubende, nahezu schon bombastisch zu nennende Inszenierung angedeihen lassen.

Der britische Regisseur Nigel Lowery lässt gemeinsam mit seinem iranischstämmigen Cheoreographen Amir Hosseinpur nichts unversucht, um dieses handlungsarme, undramatische Fast-Oratorium zumindest optisch attraktiv zu machen – und rücken den antiken Sonnengottdiskurs mehr in Richtung Künstlerdrama. Was ihnen hervorragend gelingt.

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Foto: Vlaanderen Opera

Den größten Anteil am „Upgrading“ des Stoffes hat allerdings der belgische Modedesigner Walter Van Beirendonck. Er schafft phantastische und groteske Zusatzfiguren wie die Maus, die Zwillinge mit einer einzigen großen Hand, die spastische Süchtlerin, den Liliputaner mit Zylinder, den Militär mit einem goldenen Suppenschüsselhelm etc.etc. Diese Kreationen erwecken unser Interesse und halten(trotz vielleicht zu häufigen Einsatzes) unsere Aufmerksamkeit wach. Großartig.

 Auch das  Orchester und der Chor der Flämischen Oper unter dem mit einem extrem buntgeschecktes Jacket bekleideten Dirigenten Titus Engel machen ihre Arbeit exzellent.

Unter den Sängern sticht natürlich der Countertenor Tim Mead als Akhnaten hervor, aber auch Kai Rüütel (Nefertiti), Mari Moriya (Tye), Andrew Schroeder (Horemhab), Adam Smith (Amon) und James Homann (Aye) vermitteln den Gestus der Musik allesamt brilliant.

Es war letztlich ein schöner, langer (dreistündiger), mutiger, hochinteressanter Opernabend, an dessen Ende man ins Sinnieren kommt : ob Sven Hartberger mit seiner „fixen Idee“ nicht vielleicht doch recht hat ?

 Robert Quitta, Antwerpen

 

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