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ANTWERPEN: OTELLO von Rossini

09.02.2014 | KRITIKEN, Oper

ANTWERPEN/VLAAMSE OPERA: OTELLO ( ROSSINI ) am 7.2.2014

Unbenannt 
Gregory Kunde, Carmen Romeu. Foto: Vlaamse Opera Antwerpen

Manche halten Rossinis “ Otello “ für eine der höchsten Hervorbringungen der Opernliteratur. Da das Werk aber gleich drei Spitzentenöre erfordert, hat man naturgemäß wenig Gelegenheit, diese Behauptung nachvollziehen zu können.

Umso höher ist es der Vlaamse Opera in Antwerpen und ihrem Intendanten Avriel Cahn anzurechnen, dass man das jetzt (nach Pesaro, Brüssel, Martina Franca und Zürich) wieder einmal tun konnte.

Und man fand diese hohe Meinung erneut bestätigt. Allerdings nur, wenn man sich vorher von jedem Vergleich mit Verdi, aber auch mit Shakespeare freimachen konnte.

Denn Rossinis “ Otello “ ist ein Oeuvre für sich, das dramaturgisch mehr mit “ Tancredi “ ( und anderen vom Meister vertonten Libretti ) zu tun hat, als mit seiner elisabethanischen Vorlage.

Gelingen konnte das gewagte Antwerpener Vorhaben wohl nur dank tatkräftiger “ technischer “ Unterstützung aus der “ Rossini-Fabrik “ Pesaro : Alberto Zedda, “ Erfinder “ der Rossini- Renaissance stand am Pult, und der beim dortigen Festival grossgewordene  Gregory Kunde sang die Hauptrolle.

Wobei der sympathische amerikanische Tenor ein doppeltes Phänomen ist : nicht nur ist seine “ zweite “ Karriere ( nach einer Stimmkrise ) größer und noch strahlender als die erste, nein, er ist auch noch der einzige Tenor weltweit, der in e i n e r Saison nicht nur den Rossinischen, sondern auch den Verdischen Otello erfolgreichst singt. Bewunderungswürdig.

Nach der Absage von Jessica Pratt gab Carmen Romeu (ein Produkt der Zeddaschen Talenteschmiede “ Accademia Rossiniana „) ihr vielbejubeltes Rollendebut als Desdemona.Ihre Stimme ist vielleicht nicht die schönste aller Zeiten, dafür aber ungemein angenehm dunkel timbriert und zu großer Expressivität fähig.

Maxim Mironov glänzte, höhensicher und agil, als Desdemonas Verlobter Rodrigo ( mit so vielen schönen, langen und schwierigen Arien ausgestattet, dass die Oper auch nach ihm benannt sein könnte), auch wenn man manchmal vielleicht den metallischen Glanz einiger seiner Rollenvorgänger vermisste.

Der dritte Tenor im Bunde, Robert McPherson als listiger und heimtückisch beobachtender Jago, vermochte dank seiner Gesangsleistung fast so etwas wie Sympathie für diesen miesen  Intriganten zu erwecken.

Auf höchstem Niveau auch die Darsteller der „kleineren Rollen“ : Josef Wagner als Elmiro, Maarten Heirman als Doge und Raffaella Lupinacci als Emilia.

Die beiden Regisseure Moshe Leiser und Patrice Caurier verlegten als gewiefte Modernisierungs-Arrangeure die Handlung irgendwie irgendwohin irgendwann ins 20.Jahrhundert ( auch wenn der Doge dann doch wieder mit seiner Dogen-Mütze auftrat) und spielten heftig die Rassismus-Karte aus.

Das mag zwar von einigen Textpassagen, aber mitnichten von der Musik beglaubigt sein, führte aber gelegentlich doch zu berührenden Momenten – vor allem auch durch eine exzellente Personenregie.

Unbestrittener Star des Abends war jedoch Zedda. Er, der freimütig gesteht, in seiner Jugend auch erst mühsam den Weg von der Verdischen zur Rossinischen Ästhetik gefunden zu haben, hat seinen Schwan von Pesaro mittlerweile im kleinen Finger, und bescherte dem Publikum dank seines umsichtigen und souveränen Dirigats drei Stunden ungetrübten Belcanto- Glücks.

Standing Ovations für den 86jährigen Maestro waren die verdiente Folge.

 ( Die aus Zürich stammende Produktion wird in anderer Besetzung – Bartoli, Osborn – auch  bei den Salzburger Pfingstfestpielen zu sehen sein.)

 Robert Quitta, Antwerpen

 

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