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ANTONÍN DVOŘÁK – STABAT MATER – BRSO – Jansons

25.01.2016 | cd, CD/DVD/BUCH/Apps

4035719  ANTONÍN DVOŘÁK – STABAT MATER – Chor und Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter Mariss Jansons – BR Classics CD

Man nehme einen der besten Chöre der Welt, ein ebensolches Orchester und einen herausragenden Dirigenten mit einen genuinen musikalischen slawischen Gen, der bei präzis-empfindsamer Anleitung alle zusammenschweißt, aber gleichzeitig auch Raum lässt zu tun, „wie ihnen der Schnabel gewachsen ist“. Mit der herausragenden Aufnahmetechnik des Bayerischen Rundfunks ergibt das bei einem so komplexen sakralen Werk wie dem Dvorakschen Stabat Mater ein echtes akustisches Wunderding. Aber auch die religiöse Komponente kommt unmittelbar und bewegend zum Ausdruck, sodass die CD wie ein klingendes Gebet zum Innehalten und ruhigen Betrachten einlädt.

Mariss Jansons hat das Stabat Mater 2015 öfter aufgeführt. Die vorliegende CD ist eine Live-Aufnahme aus der Konzertserie aus München, Herkulessaal der Residenz, vom 24.- bis 26. März. Die CD ist nicht zu verwechseln mit der auf DVD/Blu-ray erscheinenden Aufnahme desselben Werks mit identer Besetzung. Jansons hatte nämlich auch im Rahmen des Lucerne Festivals 2015 Antonín Dvořáks großes geistliches Werk aufgeführt. Es musizieren auf all diesen Tonträger-Varianten das Symphonieorchester und der Chor des Bayerischen Rundfunks. Die Solisten sind Erin Wall (Sopran), Mihoko Fujimura (Mezzosopran), Christian Elsner (Tenor) und Liang Li (Bass).

Das mittelalterliche Gedicht des Stabat Mater besingt bekanntlich den Schmerz Marias unter dem Kreuz Jesu. Die rasche Fertigstellung/Orchestrierung des Werks 1877 war von dramatischen privaten Umständen des Komponsten begleitet: Am 13. August starb seine einjährige Tochter Ruzena (sie hatte aus Versehen Phosphorlösung getrunken) und nur wenige Wochen später, am 8. September, erlag der drei Jahre alte Sohn Otakar den Pocken. Die Nachwelt kann nur staunen, mit welchen musikalischen Mitteln Dvorak diesem Werk bei großer symphonisch-romantischer Anlage eine tiefe Frömmigkeit und Würde verleihen konnte. Den Schmerz des Verlusts hat Dvorak in pure vokale Schönheit gießen können und damit eines der bedeutendsten sakralen Meisterwerke des 19. Jahrhunderts geschaffen. Die Hauptrolle in diesem 10-sätzigen Stabat Mater trägt der Chor, der Trauer und Klage besingt, aber auch Klänge des Trosts und der Hoffnung kontemplativ in dem Raum stellt. Der Chor des Bayerischen Rundfunks (Einstudierung Michael Gläser) singt klangschön und machtvoll, lupenrein intonierend und mit homogen ausgewogenen Stimmgruppen. In den harmonischen und dynamischen Steigerungen verfügt er über schier endlose Reserven. Die metaphysische Dimension der Komposition kommt durch diese chorische Sonderleistung besonders  zum Ausdruck. Überwältigend die Schlussfuge „Jesu, wann mein Leib wird sterben, Lass dann meine Seele erben Deines Himmels Seligkeit.“

Die Solisten fügen sich mit Anstand ins Geschehen, für das Altsolo im 9. Satz hätte ich mir allerdings eine Sängerin mit weniger Tremolo gewünscht. 

Vergleichseinspielungen: Vaclav Talich, Rafael Kubelik, Guiseppe Sinopoli, Jiri Belohlahvek.

Dr. Ingobert Waltenberger

 

 

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