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ANTONII BARYSHEVSKYI – Mussorgsky & Scriabin / Magie der Persönlichkeit

02.09.2015 | cd, CD/DVD/BUCH/Apps

 

CAvi8553332_Baryshevskyi-300x270 ANTONII BARYSHEVSKYI – Mussorgsky & Scriabin   

CAvi-music – VÖ: 11.09.2015

Antonii Baryshevskyi – Magie der Persönlichkeit  

Nicht schon wieder Mussorgskys berühmten Programmmusikzyklus, denkt man. Bitte im Museum lassen. Doch nichts ist so, wie man glauben könnte bei Antonii Baryshevskyi. Auf dem Cover ist ein junger ukrainischer Pianist ins Halbdunkel getaucht, dessen Silhouette ein wenig an Wolverine aus X-Man erinnert. Den Kopf zurückgeworfen, die Mähne reflektiert das Licht von oben. Vom ersten Ton an taucht der Hörer in eine neue klangsinnliche Welt. Jedes Vorurteil vom jungen narzisstischen Wilden sind zerstreut. Sofort erschließt sich eine vollkommen neuartige Sicht und Spielweise, die fesselt und in ihren Bann zieht. Wie Fischer-Dieskau beim Liedgesang legt Baryshevskkyi unendlich viel Aufmerksamkeit auf dynamische Abschattierungen und Farben, jeder Ton ist präzise gearbeitet und reiflich überlegt, ohne dass man das Gefühl von Kopflastigkeit hätte. Im Gegenteil: Das nach eigenen Angaben des Pianisten in der Tradition von Heinrich Neuhaus dem Klang verpflichtete Klavierspiel wirkt spontan, fast wie improvisiert. Der kristalline Anschlag schärft die Konturen der Töne, nichts verschwimmt in einem Zuviel an Pedal, nichts wirkt selbstverliebt (ab)gedroschen. Höchste Virtuosität verbindet sich mit einem somnambulen Instinkt für Musik und deren Interpretationsoffenheit zu einem wohl einmaligen Hörerlebnis. Man könnte auch einwenden, Baryshevskyis Art, Musik so ausdrucksstark und hochpersönlich zu servieren, wäre ein wenig manieriert. Ich hingegen sehe darin den echten Künstler, der abseits des Epithetons des „Tastentigers“ die Musik verstehen will und dem Zuhörer wirklich was aus Eigenem zu scheinbar Altbekanntem zu sagen hat. Und Mut hat zu Emotion und auch Pathos, wenn es sein muss. 

 Bei Scriabin führt uns Baryshevskyi von frühen Werken der Preludes Op. 11 bis zum Poème Op. 71 Nr. 1 auf eine Zeitreise der kompositorischen Entwicklung dieses eigensinnigen Klangmagiers, dessen enigmatische Sonate Nummer 5 den Höhepunkt der CD bildet. Alle Tugenden kommen auch bei Scriabin voll zum Tragen. Ein kleiner Kobold sorgt dafür, dass dem hochromantischen Gestus jede Erdenschwere fehlt. Baryshevskyi hat mit dieser sehr individuellen, hochprofessionellen Art des Spiels auch schon viele Jurys für sich eingenommen. Zuletzt gewann der den ersten Preis des 14. Arthur Rubinstein Klavierwettbewerbs in Tel Aviv 2014. 

Diese für mich erste Begegnung hat Freude gemacht und für eine große Überraschung gesorgt. Auf weitere Aufnahmen darf man gespannt sein.  

Die Klangqualität der 2015 in Leverkusen entstandenen CD ist herausragend, dem Booklet hingegen hätte ein bisschen weniger PR und dafür mehr Information über die  Musik gut getan.  

Dr. Ingobert Waltenberger

 

 

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