Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

ANT-MAN

21.07.2015 | FILM/TV, KRITIKEN

FilmPlakat Ant Man~1

Ab 24. Juli 2015 in den österreichischen Kinos
ANT-MAN
USA  /  2015 
Regie: Peyton Reed
Mit: Paul Rudd, Michael Douglas, Evangeline Lilly, Corey Stoll u.a.

Gehen wir davon aus, dass es Leute gibt, die nicht mit Comics aufgewachsen sind, also geistige Nackerpatzerln in Bezug auf Marvel- und sonstige Helden, und die sich alles Wissen nun anhand der nicht endenden Flut von Filmen erarbeiten müssen. Die finden es natürlich auf Anhieb nicht so grandios, dass Menschen auf Ameisengröße geschrumpft werden können – und sich solcherart noch in lebensgefährliche Soldaten und Kampfmaschinen verwandeln…? Sei’s drum, „Ant-Man“ stellt dieses Szenario vor. Glücklicherweise lässt der Film merken, dass er es nicht ganz so ernst damit meint.

Im übrigen kommen Story und Machart tatsächlich als Mini-Version der sonstigen Comic-Filme daher. Denn da wird erst einmal eine lange und eher fade Menschenhandlung ausgebreitet. Paul Rudd als Scott Lang glaubt man zwar, dass er ein ambitionierter Vater seiner Tochter ist, die von der Ex-Frau möglichst von ihm ferngehalten wird, den Meisterdieb glaubt man ihm schon weniger. Und dass ausgerechnet er die „Ausbildung“ zum Ant-Man erfahren soll, im roten Kampfanzug und mit (ameisigen?)Heldenqualitäten… nun er stellt sich ja mit seinem braven Gesicht auch nicht super-geschickt dabei an.

Der Mann hinter dem Geschehen ist der Forscher Hank Pym, mittlerweile offenbar aus seinem Konzern ausgeschieden, nur noch der „Old Man“, vor dem sich alle verbeugen, den aber keiner mehr da haben will. Immerhin ist Michael Douglas, mit weißem Haar und Bart nicht nur würdig, sondern seltsamerweise auch noch sehr gut aussehend, fast sexy, die prägende Persönlichkeit des Films. Der gute Mann spielt die Geschichte, als nähme er sie ernst, als könne ein großer Wissenschaftler wie er tatsächlich die Methode gefunden haben, Menschen auf Ameisengröße zu schrumpfen… (Das „Warum“ wird eher mühselig erklärt.)

Da ist, um die weiteren Protagonisten zu erklären, als Bösewicht (am Ende verwandelt er sich als Yellowjacket-Kampfinsekt zum Gegenspieler des Ant-Man) jener Darren Cross, der nun Pyms Firma führt, seinerseits einen „Schrumpfprozeß“ entwickelt hat, seine Kampfmaschinen losschicken will und der Mann ist, den es zu bekämpfen gilt: Glatzkopf Corey Stoll wirkt allerdings wie ein höchst uninteressantes Leichtgewicht.

Und auch Pyms Tochter Hope van Dyne, die anfangs den Eindruck erweckt, auf der Seite von Cross gegen den Papa zu stehen, ist mit „Lost“-Star Evangeline Lilly nicht eben hochkarätig besetzt: Sie sieht nur dermaßen wie die junge Catherine Zeta-Jones aus, dass man annehmen möchte, Michael Douglas habe bei ihrer Besetzung ein Wörtchen mitzureden gehabt…

Die Story entwickelt sich äußerst gewunden und mühsam – dass Pym ausgerechnet Scott Lang, der aus dem Gefängnis kam und „brav“ werden möchte, mit einem Trick (er wird in einen neuen Einbruch gelockt) dazu bekommt, das Ant-Man-Gewand zu finden und seine Wirkung zu erproben, dass Scott dann höchst widerwillig zum Kämpfer ausgebildet wird und dass erst am Ende etwas Action anfällt, wenn Darren Cross am Missbrauch der Mini-Männchen gehindert werden soll – ach, Du meine Güte.

Der Film hat nur dann wirklich amüsante Momente, wenn er die alte Situation von „Gullivers Reisen“, sprich: Gulliver unter den Riesen beschwört: Dann ist man mit Ant-Man winzig und sieht sich von einer Riesenwelt bedroht und verfolgt. Ja, Ameisen kann man schwer abschießen, sie können auch, wenn sie Ant-Men sind, gut davonlaufen, aber was soll’s? Am Ende gibt’s eine Art von Showdown zwischen Ant-Man und Yellowjacket in der Spielzeug-Eisenbahn von Scotts Tochter – ja, das ist sogar lustig. Oder gibt der Film hier nur zu, schlechtweg kindisch zu sein?

Jedenfalls findet man hier nichts Besseres als das Kinderzimmer-Ende, denn im übrigen legt Regisseur Peyton Reed keine besondere Ehre mit dem Ganzen ein, an dessen Drehbuch Paul Rudd nicht erfolgreich genug mitgearbeitet hat, um sich selbst eine Rolle zu schaffen, die man sich merken würde. Da kehrt man reuig zu Iron Man (alias Tony Stark alias Robert Downey Jr.) zurück. Bei dem geht’s doch anders zu.

Renate Wagner

 

Diese Seite drucken