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ANNABERG/ BUCHHOLZ: GÖTZ VON BERLICHINGEN vom Karl Goldmark

19.11.2012 | KRITIKEN, Oper

Opernrarität in Annaberg-Buchholz: „Götz von Berlichingen“ von Karl Goldmark (Vorstellung: 18. 11. 2012)


Die Titelrolle war mit dem jungen Bariton Jason-Nandor Tomory gut besetzt (Foto: Dieter Knoblauch)

 Im schmucken Eduard-von-Winterstein-Theater in Annaberg-Buchholz kam es Ende April 2012 zu einer echten Opernausgrabung: „Götz von Berlichingen“ von Karl Goldmark. Das Werk wurde 1902 in Budapest uraufgeführt, erlebte 1910 in Wien eine Neufassung und geriet danach in Vergessenheit.

 Karl Goldmark – 1830 in Keszthely geboren, 1915 in Wien gestorben – erhielt seinen ersten Musikunterricht in Ödenburg und ab 1844 in Wien. Ab 1848 spielte er als Geiger in Ödenburg, Pest und Wien, wo er sich 1860 niederließ und bald erste Erfolge mit Kammermusik verzeichnete. Mit seiner 1875 uraufgeführten Oper Königin von Saba, die weltweit Anerkennung fand, wurde er über Nacht berühmt. Sie stand noch 1936 an der Wiener Staatsoper auf dem Spielplan, ehe sie von den Nazis verboten wurde. Weitere Opern, die alle in Wien uraufgeführt wurden, waren Merlin (1886), Die Kriegsgefangene (1889), Das Heimchen am Herd (1896) und Ein Wintermärchen (1907), das damals zu den bedeutendsten Märchenopern gezählt wurde.

 Das Libretto der Oper Götz von Berlichingen verfasste Alfred Maria Willner nach Goethes Drama. Die Handlung spielt zu Beginn des 16. Jahrhunderts, das von Bauernkriegen, politischen Wirren und Reformationsbestrebungen geprägt ist, und führt nach Bayern, Franken und Württemberg. Ihr Inhalt in einer Kurzfassung: Götz von Berlichingen kämpft – mit Aufrichtigkeit und dem Gefühl, im Recht zu sein – gegen Verrat, Intrigen, Lügen und Knechtschaft. Als er sich ungerecht behandelt fühlt, setzt er sich zur Wehr, ohne auf Gesetze und Regeln zu achten. An die Spitze aufständischer Bauern gezwungen, entgleitet ihm jedoch das Heft des Handelns. Er kann die brutalen Übergriffe und Ausschreitungen der Bauern nicht mehr verhindern.

 Ingolf Huhn gelang es, die neun Szenen der Oper in der Art einer romantischen Ballade recht schwungvoll auf die schmale Bühne des Theaters zu bannen, wobei er in Annabel von Berlichingen, die für die Ausstattung verantwortlich zeichnete, eine kongeniale Partnerin hatte. Die Nachfahrin von Götz zeigte bemalte Landkarten und Symbole und schuf ein Bühnenbild in der Art einer Folterkammer mit eisernen Stacheln. Auch nützten beide geschickt die Drehbühne für eine flotte Abfolge der Szenen. Die vorwiegend erdfarbenen Kostüme entsprachen der Zeit des 16. Jahrhunderts im Süden Deutschlands. Das rote Kleid für Adelheid symbolisierte trefflich deren erotischen Lebenswandel.

 In seiner Geschlossenheit bot das Ensemble des kleinen Theaters eine bemerkenswerte Leistung. In der Titelrolle schaffte es der junge Bariton Jason-Nandor Tomory, die Gefühle des umstrittenen „Ritters mit der eisernen Hand“ stimmlich, aber auch darstellerisch eindrucksvoll wiederzugeben. Ebenso überzeugend der Bass László Varga, der seine insgesamt vier Rollen sehr wortdeutlich sang als und besonders als Bischof von Bamberg und als Bauernführer Metzler zu gefallen wusste. Darüber hinaus war er noch als Erster Ratsherr und Erster „Vehmrichter“ im Einsatz.

 Mit erfrischender Freude am Spiel gestaltete die Sopranistin Madelaine Vogt ihre Hosenrolle des Georg, des Lieblingsknappen von Götz, der von den Bauern erstochen wird. Der Bariton Michael Junge als Adalbert von Weislingen wirkte anfangs unsicher, konnte sich aber im Verlauf der Handlung steigern. Als seine Ehefrau Adelheid von Walldorf war die attraktive Sopranistin Bettina Grothkopf in der Darstellung der Verführerin diverser Männer exzellent, hätte aber ihren dramatischen Sopran in diesem kleinen Haus ein wenig zurücknehmen sollen. Weniger wäre mehr gewesen! Weislingens Diener Franz, den Adelheid zum Giftmord an ihren Gatten anstiftet und deshalb vom Laiengericht der Feme zum Tod verurteilt wird, spielte der Tenor Frank Unger recht überzeugend.

 Aus dem großen Ensemble sind noch der Bariton Leander de Marel und der Tenor Marcus Sandmann, die beide je drei Rollen darzustellen hatten, sowie die Mezzosopranistin Nadine Dobbriner als Götzens Gemahlin Elisabeth und die Sopranistin Bettina Corthy-Hildebrandt als Adelheids Zofe Irmgard zu erwähnen, die allesamt zum Erfolg dieser Produktion beitrugen. Große theatralische Wirkung erzeugte auch der von Uwe Hanke gut einstudierte Chor.

 Dem von Naoshi Takahashi geleiteten Orchester „Erzgebirgische Philharmonie Aue“ gelang es, die farbenprächtige Partitur des Komponisten, die hörbar von Wagner und Strauss beeinflusst und teils von wunderbar lyrischer, teils von hochdramatischer Musik geprägt ist, dem Publikum eindrucksvoll zu vermitteln, das schon nach der brillanten Ouvertüre begeistert applaudierte. Am Schluss nicht enden wollender Beifall!

 Udo Pacolt, Wien – München

 

 

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