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Angelika Kirchschlager: LIEDERREISEBUCH

01.11.2012 | buch

Angelika Kirchschlager: 
LIEDERREISEBUCH
Aufgezeichnet von Ursula Magnes
280 Seiten, Styria Premium, 2012 

Angelika Kirchschlager, Jahrgang 1965, könnte in ihrem Alter und mit ihren Fähigkeiten inmitten einer strahlenden Opernweltkarriere stehen, wenn sie daran Interesse hätte. Aber sie war schon immer anders als die anderen – schon vor Jahren sah sie keinen Sinn darin, wochenlang in die USA zu fahren, um an der Met wieder einmal Rosina oder Cherubin zu singen. Ihre Opernkarriere ist gewiss nicht zu Ende, wenngleich sie das Fach für ihre Stimme ausgeschritten hat, was die populären Rollen betrifft. Einiges gab sie wieder auf, etwa die Carmen, weil sie bei der letzten Berliner Aufführung, wie hier formuliert wird, „neben den hohen eigenen künstlerischen Anforderungen gelandet“ ist. Zu Wagner und Verdi kann und will sie ihre Stimme nicht zwingen, und als Berufsjugendliche für Mozart und Strauss herumzureisen, interessiert sie offenbar nicht.

Kurz, das Buch von Ursula Magnes, der Musikchefin von „Radio Stefansdom“, zeigt, wo die Kirchschlager heute steht, indem es ihre „Liederreise“, die sie im Juni 2012 unternommen hat, dokumentiert. Dahinter steht ein ganz anderes Bewusstsein von Künstlerschaft, als es die meisten Kollegen pflegen, eine Ambition, die über Geld und Ruhm hinausgeht und die Hörer von Liedern überall sucht. Tatsächlich war Angelika Kirchschlager hier nicht nur in bekannten Orten wie Kitzbühel, sondern etwa auch in Schlüßlberg im Hausruckviertel, ein Ort, von dem selbst die meisten Oberösterreicher nicht wissen, dass es ihn im eigenen Bundesland gibt…

Zu Beginn gibt es einen biographischen Überblick, um sehr bald auf die Kunstform des Liedes zu kommen, die der Kirchschlager so besonders viel bedeutet – und ihr glaubt man es, obwohl man diese Versicherung ja von jedem zweiten Künstler im Interview hört. Es wird von Komponisten berichtet (Schuberts „Ave Maria“ als „Emotionsknaller“ bezeichnet), und schließlich die Liederreise Ort für Ort nacherzählt, mit vielen Details, journalistisch und akribisch zugleich aufgezeichnet, wobei auch viel Organisatorisches dazukommt – und Privates (eines der zahlreichen Fotos zeigt die Sängerin dabei, wie sie Tomatensalat anmacht).

Ursula Manges erzählt, aber Angelika Kirchschlager kommt oft selbst zu Wort, mit ihrem gänzlich unverbogenen Denken und Sprechen („Diese Lieder sind einfach ein Hit!“). Sie erzählt, wie wichtig es sei, immer ein Ziel zu haben –  die „Liederreise“ war ein solches. Auch ihr Klavierbegleiter bei diesem Unternehmen, Robert Lehrbaumer, kommt in einem ausführlichen Interview zu Wort, und es erweist sich, dass seine „Herzensideen“ und die der Sängerin zusammen fielen. Im Detail gewinnbringend nachzulesen in diesem Buch.

Renate Wagner

Auf der dem Buch beigegebenen DVD finden sich elf Lieder verschiedener Komponisten.

 

 

 

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