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Angelika Kirchschlager: ICH ERFINDE MICH JEDEN TAG NEU

25.11.2013 | buch

BuchCover Kirchschlager, Ich erfinde mich

Angelika Kirchschlager: 
ICH ERFINDE MICH JEDEN TAG NEU
Meine Lebenswege.
Aufgezeichnet von Achim Schneyder
265 Seiten, Amalthea Verlag 2013

Das ging aber schnell. Hat man nicht eben über Angelika Kirchschlagers so besondere Lieder-Tournee durch österreichische Kleinstädte ein ganzes Buch gelesen? Offenbar ist die Sängerin auf den Geschmack des Erzählens gekommen, denn schon liegt das nächste Buch vor. Das möglicherweise auch auf dem Fleiß und dem Nachdruck ihres Salzburg-Landsmannes Achim Schneyder beruht, eigentlich Journalist mit Spezialgebiet Kulinarik, der diese Lebensgeschichte aufgezeichnet hat und sich am Ende des Buchs in freundschaftlicher Umarmung mit Angelika präsentiert…

Angelika Kirchschlager ist 48, und dafür, dass sie nach eigener Aussage eine Chaotin ist, hat sie ihre Karriere mit einigem Bedacht gemacht. Erzählt werden die „Lebenswege“ chronologisch in Kleinkapiteln, die ihre Jugend in Salzburg umfassen, die Studienjahre in Wien, den Karrierebeginn („Puppi, willst du an die Staatsoper?“ fragte Robert Herzl im Auftrag von Ioan Holender) und den weiteren Karriere-Verlauf, Privates mit Ehe und Kind, worüber sie sich ganz offen äußert (von Hans Peter Kammerer ist sie getrennt, nicht geschieden, er ist noch immer ihr bester Freund, und Sohn Felix ist überhaupt ihr Ein und Alles).

Die Wende, die sie vornahm, als sie die erfolgreichen Hosenrollen satt hatte und Melisande, Sophie (in „Sophie’s Choice“) und Brittens Lucretia wurde, die Liederabende, die Tourneen, die Freunde… ihr neuester Partner für ungewöhnliche Projekte ist Konstantin Wecker, der das Vorwort schrieb und Angelika offenbar anbetet.

Alles da, und mit einer Lockerheit und Offenheit erzählt, wie man sie selten findet, etwa, was ein Agent vermag (Jack Mastroianni), wie gnadenlos er sein kann, wenn eine Sängerin nicht „funktioniert“…  Ebenso ohne Schnickschnack berichtet die Kirchschlager (obwohl sie absolut keine Kritiken liest, weiß sie selbst, wenn etwas nicht gut ist) von ihrer „Carmen“-Niederlage in Berlin (glaubt aber, die Kirchschlager-Fans haben noch Hoffnung, dass es eine wunderbare Rolle für sie wäre!).

Und wenn man liest, wie sie die Rolle der Clairon in „Capriccio“, die schließlich eine Schauspielerin ist, mit ihrer Freundin Maria Happel Wort für Wort durchging, dann weiß man auch, dass Angelika Kirchschlager meint, Sprechen sei ja doch weit mehr als Singen ohne Musik. Und es ist ungemein reizvoll, sinniert sie. Vielleicht versucht sie das einmal? Unternehmungslustig genug ist sie. Sonst nennt man ja ein Buch nicht „Ich erfinde mich jeden Tag neu“. Nach den offenen und ungeschminkten Einblicken in dieses schlechtweg unternehmungslustige Leben glaubt man ihr das gern.

Renate Wagner

 

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