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ANCHORMAN 2

28.01.2014 | FILM/TV

FilmPlakat Anchorman 2

Ab 31. Jänner 2014 in den österreichischen Kinos
ANCHORMAN 2
Anchorman: The Legend Continues  /  USA  /   2013
Regie: Adam McKay
Mit: Will Ferrell, Steve Carell, Paul Rudd, Vince Vaughn, Christina Applegate u.a.

Dieser Film – eine Fortsetzung des ersten „Anchorman“ von 2004 –  ist, wenn man den ersten Teil nicht kennt oder sich nicht daran erinnert, auf weite Strecken irritierend. Man wird den Verdacht nicht los, dass hier auf der Leinwand ein paar Trottel sich wie Trottel benehmen, auf der Suche nach einem vertrottelten Publikum, das dergleichen Trottelei lustig findet. Es geht um amerikanisches Fernsehen, um eitle Fernsehmoderatoren und um die Frage, wie tief kann man gehen, bis es unmöglich wird – oder sind den Tiefen dessen, was ein amerikanisches Publikum zu fressen bereit ist, keine Grenzen nach unten gesetzt?

Doch der Begriff „Anchorman“ im Zusammenhang mit dem ersten Film, der gleichfalls mit der Kombination Will Ferrell und Regisseur Adam McKay arbeitete, hätte nicht diesen Beiklang in der Filmwelt, wenn es nicht um mehr ginge – nämlich um schonungslose Entlarvung. Kurz gesagt, um Realität. Man soll eigentlich nicht lachen, man soll – sogar in Verzweiflung – den Kopf darüber schütteln, was alles möglich ist…

Das begann in Film 1, der in den siebziger Jahren spielte und Ron Burgundy (in Gestalt von Will Ferrell-Töricht-Gesicht mit Töricht-Schnauzbart) vorstellte, der Mann, der die „News“ präsentiert, wobei er selbst und die Art, wie es gemacht ist, weit wichtiger ist als das, worum es geht. In Film 2 ist man in den Achtziger Jahren (und gleich hinzugefügt: in Zehn-Jahres-Sprüngen will man Burgundy wirklich nicht begegnen) und da gibt es den neuen Sender GNN mit seinen „rund um die Uhr“-Nachrichten (das gibt es doch wirklich…!?), und unser Mann soll das einem Publikum verkaufen. Ihm zur Seite wie schon im ersten Film Brick Tamland fürs Wetter (Steve Carell, der viele Gags an sich zieht), Brian Fantana für Reportagen (Paul Rudd) und Champ Kind, der Mann für den Sport (David Koechner). Ein Blödelquartett, bei dem man in die Knie geht.

Anchorman die 4

Und was diese Herren sich jetzt unter Fernsehen vorstellen, was sie privat an Idiotischem von sich geben (fürchterlicherweise könnte man meinen, sie meinten es auch noch ernst), wie sie (das ist ja ganz witzig) von einem „politisch unkorrekten“ Verhalten ins nächste stolpern – und welche Fernseh-Philosophie sie entwickeln, das tut weh. Nachrichten nicht von ihrer tatsächlichen Wertigkeit her betrachten, sondern als pure, blanke Unterhaltung – die Leute wollen es (angeblich), die Leute sollen es bekommen…

Aber am Ende werden amerikanische Filme, wenn sie nicht eisern „independent“ sind (und wer kann sich das schon leisten, wenn er an der Kasse prunken will), ja doch moralisch. Am Ende sehen sie alle ein, dass das, was sie da getrieben haben, total falsch war. Kriegt das Publikum auch diese Botschaft mit?

Im übrigen hat Regisseur Adam McKay, der viel von Rasanz versteht, auch noch jede Menge Stars und Nebenhandlungen ins Geschehen gefüttert: Christina Applegate als Gattin des Helden (und weil er macho-artig eifersüchtig ist, zerbricht die Beziehung, als sie auch als Anchorfrau vor die Kamera geht – und er möchte ihren neuen Freund, einen Psychiater, immer nur verprügeln), man sieht – kurz und kürzest – die Gesichter von Harrison Ford, Will Smith, Sacha Baron Cohen oder Jim Carrey und vielen anderen. Aber das macht das Kraut nicht fett.

Man muss, will man aus diesem Film einen Sinn herausholen, tief hineinsteigen. Vielleicht findet man dann eine wirklich mörderische Satire über das, was als „Infotainment“ unser Fernsehen heruntergebracht hat.

Renate Wagner  

 

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