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AM HANG

17.06.2014 | FILM/TV

FilmPlakat Am Hang~1

Ab 19. Juni 2014 in den österreichischen Kinos
AM HANG
Schweiz / 2013 
Regie: Markus Imboden
Mit: Martina Gedeck, Henry Hübchen, Maximilian Simonischek i.a.

Ein Haus am Hang, in den Schweizer Bergen, romantisch über einem See gelegen – da muss man schon ein reicher Scheidungsanwalt sein, um sich so etwas leisten zu können. Als sich die Handlung hierher verlagert, wird sie auch schon ganz schön dramatisch – dem Psychothriller droht Mord. Aber wir sind nicht bei den Amerikanern, wir sind in Mitteleuropa, in der auch emotional eher gemäßigten Zone. „Am Hang“ von Regisseur Markus Imboden begnügt sich letztlich damit, Gefühle auszuloten. Da kann es allerdings auch eher grausam zugehen.

Es ist, ein paar Nebenfiguren ausgenommen, die am Rande laufen, eine Drei-Personen-Geschichte, also eine Dreiecksgeschichte, wobei klassischerweise Eine/r zwischen Zweien steht. In diesem Fall eine Frau zwischen Ehemann und Geliebtem. Man kann es ohne weiteres verraten, weil selbst der unschuldigste Kinobesucher in kürzester Zeit vermutet, dass zwei Männer hier einander nicht zufällig im Tessin begegnen und in einem Restaurant gemeinsam essen. Und dass die Ehefrau, von der der eine erzählt, und die Geliebte, von der der andere berichtet, trotz verschiedener Namen ein- und dieselbe Frau ist (außerdem sieht man es ja bei Rückblicken).

Es wird so viel geredet und analysiert, gefragt und hinterfragt, dass kein Zweifel besteht: Die Grundlage für diesen Film st eindeutig ein Stück Literatur, ein Roman des Schweizer Autors Markus Werner, ein Bestseller immerhin. Bei Imboden wird ein Kammerspiel daraus, das seine Wirkung weniger aus der etwas gedrehten und gewendeten und solcherart etwas verquälten Handlung gewinnt, sondern von den Darstellern.

Imboden-Gefährtin Martina Gedeck spielt die ungetreue Ehefrau und die schattenhafte Geliebte, und für rätselhafte Frauen ist sie ideal – auch wenn man eigentlich nicht begreift, warum sie mit ihrem so entsetzlich leidenden Ehemann so schreckliche Spielchen spielt… Manche Frauen können „gute“ Männer einfach nicht vertragen, sie sind ihnen zu langweilig. Und die Liebhaber? Die sind zu oberflächlich… Schwer, es den Damen recht zu machen. Das Ganze bleibt ein bisschen blutleer, ein bisschen Literatur in ihrem Fall.

Der Ehemann ist Henry Hübchen, sicher einer der derzeit interessantesten deutschen Schauspieler, und bei ihm ist von Leblosigkeit keine Rede. Er leidet sich die Seele aus dem Leib, ist die Hingabe an die Gattin selbst, macht alles falsch, indem er krampfhaft versucht, alles richtig zu machen und der Gattin zu Füßen liegt, er möchte in seiner Verzweiflung auch noch Haltung bewahren und bekämpft im jugendlichen Rivalen auch die Jugend mit ihrer schaurigen Unbekümmertheit selbst.

Maximilian Simonischek, Sohn des berühmten Burgschauspielers, hat noch nicht dessen Differenzierungskunst, aber die braucht er hier nicht – dieser selbstgefällige, fast affige junge Scheidungsanwalt, der von Beziehungen noch nichts begriffen hat, liegt ihm sehr gut, ein Yuppie-Schnösel, der in seiner Naivität dann auch wieder interessant ist.

Am Ende hat man inmitten der schönen Schweizer Berg- und Seenlandschaft des Tessins wieder einmal ein Stück über die Rätselhaftigkeit menschlicher Beziehungen gesehen. Für alle, die es im Kino etwas stiller lieben und für die sich die (hier zweifellos auch vorhandene) Action sich nicht in sinnlosen Knallereien ergießen muss.

Renate Wagner

 

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