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ALESSANDRO SCARLATTI – „Con eco d‘amore“ Arien aus Opern u. a. – Elizabeth Watts

25.10.2015 | cd, CD/DVD/BUCH/Apps

scarlatti ALESSANDRO SCARLATTI – „Con eco d‘amore“ Arien aus Opern, Serenaden und Kantaten – Elizabeth Watts mit dem English Concert unter Laurence Cummings – harmonia mundi SACD

Sie hat es einfach. Eine Stimme mit enormer Expansion über mehrere Oktaven, ausdrucksstark, bestens fokussiert, strahlend, innig bis dramatisch, zu Koloratur genauso befähigt wie zu langgesponnenen beseelten Legatophrasen, traumwandlerische Musikalität, lupenreine Intonation, großer Farb- und Obetonreichtum, unverwechselbares Timbre. Eine Stimme von der Qualität einer Dorothea Röschmann. Die Rede ist von Elizabeth Watts, einer jungen hochbegabten britischen Sängerin, die ihr neues Soloalbum dem neapolitanischen Großmeister der Vokalmusik Alessandro Scarlatti gewidmet hat.

Alessandro, der Vater des mit seinen 555 oder mehr Cembalosonaten heute bekannteren Domenico Scarlatti, hat über hundert Opern komponiert. Erhalten sind auch mehrere hundert Motetten, sechshundert Kantaten und dreißig Oratorien. Damit übertrifft er an Produktivität noch Vivaldi. Auf der vorliegenden CD haben Elizabeth Watts und der Dirigent Laurence Cummings eine exquisite Auswahl an Arien aller Affektlagen aus Opern (Griselda, Eraclea, Scipione nella Spagne, Tigrane, La Statira, Mitridate Eupatore,  Serenaden (Endimione e Cinta, Erminia; Venere, Amore e Ragione), Kantaten (Correa nel sento amato, A battaglia pensieri, Non so qual piu m‘ingombra) und Oratorien (La Santissima Vergine del Rosario) zusammengetragen. 

Diese Arien bieten Gelegenheit zu allen Stückeln vokaler Kunstfertigkeit. Von dramatischer Koloratur, stimmlichen Parforceritten und trillerreichen Wettstreitigkeiten mit der Trompete („Se geloso è il mio core“, „A battaglia“), virtuosesten Läufen („Torbido, irato e nero“, D‘amor l‘accesa face“) bis hin zu wunderbar kontemplativen Nummern mit lautmalerischem Säuseln des Windes („Sussurrando il venticello“), Pastoral-Weihnachtlichem („Nacque, col Gran Messia) onoamtopoetischen  Plätschern des Wassers („Mentrio godo“) und bewegenden Liebesklagen („Ombre opache“). Elizabeth Watts erfreut den Hörer mit Vollblut-Interpretationen. Das glatte Gegenteil von anämisch, manieriert oder gesäuselt. Die vielfältigen Emotionen kann sie mit den Mitteln barocker Gesangskunst, von stilistisch perfekten Verzierungen voller Raffinesse bis hin zu affektgeladenen Momenti der Trauer, Resignation und Melancholie in aller Natürlichkeit kreieren, als wäre Singen das ureigenste Element der Kommunikation.

The English Concert unter der sensiblen Leitung des Laurence Cummings ist als der historischen Aufführungspraxis verpflichtetes Ensemble ein kompetenter Begleiter. Die wie bei harmonia mundi üblich herausragende Aufnahmetechnik trägt das ihrige zum Hörvergnügen bei.

Dr. Ingobert Waltenberger

 

 

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