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A WORLD BEYOND

19.05.2015 | FILM/TV, KRITIKEN

FilmPlakat Tomorrowland

Ab 21. Mai 2015 in den österreichischen Kinos
A WORLD BEYOND
Tomorrowland  /  USA  /  2015 
Drehbuch und Regie: Brad Bird
Mit: George Clooney, Britt Robertson, Hugh Laurie, Raffey Cassidy u.a.

In der Ankündigung des Films liest man etwas über „Science Fiction“, aber nachdem man kurz George Clooney erlebt hat, der (mit ein bisschen Grauhaar und ein paar Falten, wie er halt heute aussieht) dem Kinobesucher etwas erzählen will, aber immer wieder unterbrochen wird, sind wir flugs – nein, nicht in der Zukunft, sondern erst einmal in nostalgischer Vergangenheit. Bei der New Yorker Weltausstellung von 1964, wo es offenbar einen riesigen Disney-Themenpark namens „Tomorrowland“ gab – ja, es ist ein Disney-Film. Und er heißt auch im Original so: Dass man ihm für den deutschen Markt einen anderen englischen (!) Titel, „A World Beyond“, gibt – das erkläre, wer mag.

Und es wird klar, dass man den erwachsenen Clooney nun als kleinen Jungen erlebt, der damals ganz stolz im „Erfinder-Pavillon“ ein Fluggerät präsentiert (wie man es gerne heute auch hätte – auf den Körper geschnallt, erhebt man sich in die Lüfte! Schnell, kein Verkehr, keine Parkplatzprobleme! Das wär’s doch!). Da ist zwar ein unfreundlicher Herr, der ihn wegschickt, aber ein kleines Mädchen, das diesen Frank ins Herz schließt… und schon fliegt er in undefinierbare Welten, die dann offenbar wirklich in der Zukunft liegen.

Was dann folgt, ist sicher eines der konfusesten Drehbücher, eine der albernsten Geschichten, die man seit langem auf der Leinwand erlebt hat. Zuständig dafür ist „Brad Bird“ (nicht Brad Pitt, aber vielleicht legt er es auf Verwechslung an), ein Filmemacher, der außer „Mission Impossible 4“ bisher nur mit Animationsfilmen befasst war und die dort gepflegte schlichte Geisteshaltung hierher transportiert. Die Mischung aus Fantasy und Weltverbesserungs-Moral, aus kindischer Action und Primitv-Utopia ist schwer verdaulich.

Der nun wieder zu George Clooney gewordene Frank von heute, der aus seiner Kindheitsphantasie in die Realwelt zurückgekehrt ist und als einsamer, grimmiger Wissenschaftler in einem abgeschiedenen Haus lebt, wird durch verrückte Aktionen mit der jungen Casey Newton konfrontiert (Britt Robertson ist zwar schon Mitte 20, wirkt aber einigermaßen glaubwürdig als Teenager – und vor allem als kluges Mädchen). Sie wurde mit Hilfe eines seltsamen Ansteckers (woher er kam? Das wissen die Drehbuchautoren vielleicht, sie verraten es nicht) einerseits in Phantasiewelten versetzt, andererseits wird sie von dem kleinen Mädchen, das schon den kleinen Frank begleitete, nun auf eine seltsame Reise mitgenommen. Die kleine Raffey Cassidy strahlt übrigens einen ganz besonderen Zauber aus – wenigstens etwas. Sie ist übrigens eigentlich ein Roboter, hat aber höchst menschliche Gefühle – wir sind wieder einmal bei diesem Thema, das die Filmemacher heute so beschäftigt…

Das Chaos der Welten, in denen man sich bewegt und wo Hugh Laurie (ja, ja Doktor House!) ein eleganter Bösewicht agiert, ist wirklich nicht aufzudröseln: Dass gerade Filme dieser Art eine ganz stringente innere Logik aufweisen müssen, hat sich noch nicht herumgesprochen. Da kann sich dann auch der Eiffelturm zweiteilen (!) und heraus kommt eine Rakete (!), nachdem man im Inneren die Wachsfiguren von Jules Verne oder Edison betrachten durfte. Ja?

So bleibt am Ende nur die knüppeldicke Botschaft, verkündet in wogenden Kornfeldern: Wenn alle Menschen sich zusammen tun, kann die Welt, die ja eigentlich schon vor ihrem Untergang steht, doch noch gerettet werden!

Welch schöne Aussage. If you have a message, call Western Union. Hier hat man einen zutiefst nutzlosen Film daraus gemacht. Was George Clooney da sucht, weiß man allerdings nicht. Sicher, er hat immer wieder äußerst „politisch korrekte“ Filme gedreht, aber er kann wohl auch Drehbücher lesen. Er hätte doch merken müssen, worauf er sich hier einlässt…

Renate Wagner

 

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