Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

A ROYAL NIGHT – EIN KÖNIGLICHES VERGNÜGEN

28.09.2015 | FILM/TV, KRITIKEN

FilmPoster Royal Night Out~1

Ab 2. Oktober 2015 in den österreichischen Kinos
A ROYAL NIGHT – EIN KÖNIGLICHES VERGNÜGEN
A Royal Night Out / GB /   2015
Regie: Julian Jarrold
Mit: Sarah Gadon, Bel Powley, Emily Watson, Rupert Everett, Jack Reynor u.a.

Die britische Queen kann einem leid tun – wenn die bald 90jährige noch immer durch Repräsentationsauftritte geschoben wird und wie ihr eigenes erstarrtes Denkmal wirkt. Dabei war die Chefin der „Firma“, wie sie selbst das Königshaus nennt, doch auch einmal jung. Wenn man sie nun in einem Film als Neunzehnjährige erlebt, dann ist das zwar auch eine sentimentale Geschichte, aber sie will doch mehr als all die Schnulzen, die das Fernsehen einst über die tragische Diana ausgespuckt hat. Es geht auch um ein Zeitbild von jenem 8. Mai 1945, als ganz England auf den Straßen war, um den gewonnenen Zweiten Weltkrieg zu feiern…

Angeblich ist es den Prinzessinnen Elizabeth und Margaret, damals 19 und 15 Jahre alt, am Abend des Kriegsendes gelungen, aus dem Buckingham Palast auszubrechen. Wer weiß schon, was wirklich geschehen ist? Ob sie die Offiziere, die sie begleiten sollten, abgeschüttelt haben, ob Margaret verschwunden ist und sogar bei Drogendealern in einem Bordell landete, und Elizabeth, auf der Suche nach ihr, einen jungen Soldaten „rekrutierte“, der erst am Ende erfährt, wer sie ist – die Prinzessin, die Thronfolgerin, die künftige Königin! Und sie nimmt ihn zum Dank für seine Hilfe sogar zum Frühstück in den Buckingham Palast mit…

Nein, das muss man nicht ernst nehmen, das ist nur ein sehr hübscher Film ausgezeichneter Machart, denn Regisseur Julian Jarrold – kein Viel-Filmer, eher ein Mann des Fernsehens – hat sich schon mit „Wiedersehen in Brideshead“ als hervorragender Beschwörer britischer Nostalgie bewährt. Und dabei soll es in dieser Nacht, da die Briten ihren Durchhalte-Sieg gegen die Nazis feiern, ja gar nicht so schön zugehen: Prinzessin Elizabeth gerät ja vom noblen Nobelclub, in den man sie schickt, auf die Straße, unter die einfachen Leute, „ihr Volk“, von dem sie nichts weiß, das aber im Pub ganz brav die Rede ihres stotternden Vaters anhört und „Hoch lebe der König“ sagt.

Dann führt die Reise auf der Suche nach der übermütigen und flott verschwundenen Margaret in die Tiefen von Soho und die echte Unterwelt, was allerdings wiederum mit einiger leichter Beschwingtheit absolviert wird – es ist ein Unterhaltungsfilm, auch wenn sich die Romanze des Prinzesschens mit dem Soldaten natürlich nicht realisiert. Schön die Szene, wo sie zu dessen einfacher Mutter kommt: Eine Welt, die ihr vermutlich nicht mehr untergekommen ist… Hoffen wir, dass die echte Queen ihrem Volk je so real ins Gesicht gesehen hat wie in diesem Film.

Eine Komödie also, deren historisches Milieu liebevoll ausgemalt wird, ohne den Prinzessinnen-Bonus zu vergessen. Dabei zeigt Sarah Gadon als Elizabeth sehr viel sympathische Bodenhaftung und ähnelt dem Original (die ja in ihrer Jugend nicht unhübsch war) sogar vage. Dass sie meist mit weit aufgerissenen Augen erstaunt in die Welt blickt – was soll eine Prinzessin, die keine Ahnung von der Wirklichkeit des täglichen Lebens hat, schon anderes tun?

Royal Night die zwei x

Bel Powley als Prinzessin Margaret ist eher originell als hübsch und darf die Komikerinnenrolle übernehmen, Jack Reynor als nicht eben royalistisch angehauchter Soldat Jack, der sich einfach von einem hübschen Mädel abschleppen lässt, strahlt geradezu wunderbare Normalität aus. Mit „denen da oben“ hat er nichts am Hut.

Bekannte Namen finden sich nur bei der Besetzung des Königspaars: Emily Watson ist hinreißend als „Queen Mum“, als diese noch weniger alt und lustig und Gin-selig, sondern eine sicher nicht ganz angenehme Königin war. Rupert Everett strahlt auch als König George VI noch jene Hilflosigkeit aus, die er wohl als Prinz Bertie hatte („Oscar“ für Colin Firth als Stotterer in „The King’s Speech“, wie erinnerlich). Zwei entschlossenen Töchtern steht so ein Vater hilflos gegenüber, da muss schon die Mama her…

Also, der klassische Prinzessinnen-Film ist es nicht, wenn auch Audrey Hepburns „Ein Herz und eine Krone“ von ganz, ganz ferne grüßen lässt, das bisschen Zeitkolorit vom Kriegsende schön eingefangen, das Märchen gerade noch in Grenzen gehalten. Wer dergleichen mag, wird sich gut unterhalten.

Renate Wagner

 

Diese Seite drucken