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9. SEPTEMBER 2018

09.09.2018 | Tageskommentar

Besetzungsänderungen in „Ariadne auf Naxos“ und „Carmen“ an der Wiener Staatsoper : Hila Fahima singt die Zerbinetta. Sophie Koch (Komponist), Hila Fahima (Zerbinetta). Copyright: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Hila Fahima singt anstelle der erkrankten Daniela Fally die Zerbinetta in „Ariadne auf Naxos“ am 10. und 13. September 2018.

Dafür verkörpert Ileana Tonca anstelle von Hila Fahima die Frasquita in „Carmen“ am 9. und 12. September 2018.

Wir beginnen unseren Tageskommentar mit einer der beliebten Umbesetzungsmeldungen aus der Wiener Staatsoper. Daniela Fally hat sich bei der ersten Vorstellung zwar wacker geschlagen, aber die Stimme – immerhin das Kapital von Sängerinnen und Sängern – soll man nicht überstrapazieren. Also singt in den verbleibenden Vorstellungen Hila Fahima, die wiederum eine Leihgabe aus „Carmen“ ist (Frasquita). Deswegen muss/darf die Frasqita mit Ileana Tonca besetzt werden.

In diesem Zusammenhang sei auf geradezu prophetische Fähigkeiten eines unserer „Carmen“-Rezensenten verwiesen, der sich bei der Erwähnung von Hila Fahima deren Zerbinetta gewünscht hat.

„Sie wünschen, wir spielen“ – diesmal sogar in  der Wiener Staatsoper.

Während sich bei der Eröffnungsvorstellung („Carmen“) die Journalisten drängten (na ja, relativ, die Theaterberichte sind in den allermeisten Zeitungen sehr gut versteckt), habe ich von der „Ariadne“ am zweiten Saisontag bisher nur den Bericht im Online-Merker gefunden.

Wiener Staatsoper: „Der Freischütz“ – die Neu-Besetzungen haben der Produktion insgesamt gut getan!

Christopher Ventris und Tomasz Konieczny. Copyright: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Maria und Johann Jahnas berichten aus der Staatsoper: Die nicht unumstrittene Produktion des Freischütz vom heurigen Juni wurde mit überwiegend frischem Personal besetzt und trug zum erfolgreichen Saisonstart bei. Einerseits haben wir uns inzwischen an die etwas schräge Sichtweise von Christian Räth und seinem Team gewöhnt – manche Regieeinfälle wie das brennende Klavier, der überkopf agierende Samiel und der Eremit aus dem Kristalllüster – schmerzen zwar noch immer, der Gesamteindruck vermittelt aber durchaus eine leidenschaftliche Geschichte, die zu recht als Ursprung der Deutschen Romantik gilt. Andererseits erweist sich wieder einmal, dass eine gelungene musikalische Interpretation die Akzeptanz für eigenartige Inszenierungen erhöht – es bleibt allerdings die Frage, wer diese Umdeutungen, die bis zu Eingriffen ins Libretto führen, wirklich braucht. Wie man in Wien sagt: „za wos !“

Basis des Erfolgs war das konzentriert spielende Staatsopernorchester, das uns gleich zu Beginn ein Hornsolo – ohne Kickser – bescherte. Der bewährte Kapellmeister Sebastian Weigle gestaltete die Ouvertüre als eindrucksvolle symphonische Tondichtung…

Zum Bericht von Maria und Johann Jahnas

Mailand: Alexander Pereira wirbt um Mandatsverlängerung an der Scala
„Pereira hat seinen Willen ausgedrückt, seine Arbeit fortzusetzen und ist einer der Kandidaten im Rennen um die Scala-Führung“, berichtete der Mailänder Bürgermeister und Präsident des Theaters, Giuseppe Sala. Die Scala will eine Head Hunter-Gesellschaft beauftragen, die Kandidaten für den Posten des Scala-Intendanten zu prüfen. Diese wird vor Weihnachten dem Scala-Aufsichtsrat dann eine Liste vorlegen, teilte Sala nach Angaben der Mailänder Tageszeitung „Corriere della Sera“ (Freitagsausgabe) mit.
Interessant ist, dass diese „Liste der engeren Wahl“ auch den Namen Serge Dorny enthalten soll, der in München angeheuert hat. Trotzdem: Pereira ist der logische Favorit. Aber wer weiß, vielleicht hat er sich auch in Mailand Feinde wie in Salzburg gemacht.

Laut „Corriere della Sera“ muss sich Pereira mit Konkurrenz auseinandersetzen. Als möglicher neuer Scala-Intendant sei Carlo Fuortes im Rennen, der die Opera di Roma leitet und das Opernhaus saniert hat. Als Alternative gilt der Intendant des Fenice-Theaters in Venedig, Fortunato Ortombina, der bereits als Koordinator für die künstlerische Leitung an der Scala im Einsatz war. Als ausländischer Kandidat wird Serge Dorny, seit 2003 Leiter der Opera National de Lyon, gehandelt.

Schlafen die Italiener? Dorny ist in München! Hat sich Dorny trotzdem für Mailand beworben?

Ich glaube es nicht! Bevor ein Intendant zu den eher unberechenbaren Italienern wechselt, bleibt er doch lieber in München. Ich zumindest würde nicht tauschen!

„DER RING“ IN MINDEN: BERICHT VON DER PREMIERE „GÖTTERDÄMMERUNG“

Copyright: Friedrich Luchterhandt

Stadttheater Minden – Götterdämmerung  – „geraten ist .. der Ring“!. Premiere 6. September 2018

 Zweifel daran gab es auch früher nicht, aber nun haben wir es erlebt: Mit einer fulminanten Aufführung des dritten Tags , der „Götterdämmerung“, wurde  im Theater des  ostwestfälischen Minden  unter der Intendanz von Andrea Krauledat  die Aufführung des gesamten „Bühnenfestspiels“  „Der Ring des Nibelungen“ von Richard Wagner vollendet, wieder unterstützt von mehr als 100 Sponsoren. Wie bisher muß wieder der grosse persönliche und organisatorische Einsatz des dortigen Wagner-Verbandes und vor allem seiner Vorsitzenden, Frau Dr, Jutta Hering- Winckler hervorgehoben werden. Größte Anerkennung gilt vor allem  der musikalischen Leitung des gesamten „Rings“  durch Frank Beermann, der die Nordwestdeutsche Philharmonie zu einem großartigen Wagner-Orchester formte, das  hinter der Spielfläche  auf der Bühne platziert war…

Zum Bericht von Sigi Brockmann

Wagner-Wunder in der Provinz – „Götterdämmerung“ in Minden
Neue Musikzeitung/nmz.de

BURGRUINE AGGSTEIN/Rittersaal: „JULIA UND ROMEO“ (GIULIETTA E ROMEO) von Nicola Vaccai

Das berühmteste Liebespaar der Opernliteratur einmal anders

Gesangsschüler kennen seine „metodo practico di canto italiano“ (Praktische Schule des italienischen Gesangs) noch heute; die Übungen sind für sie so tonangebend wie einst Karl Czernys Etüden für heranwachsende Pianisten. Dass deren Verfasser, der Sänger und Gesangslehrer Nicola Vaccai, in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in der Publikumsgunst als der führende Opernkomponist des italienischen Belcanto galt, ist durch den Umstand, dass er in der weiteren Rezeptionsgeschichte durch den Glanz Vincenzo Bellinis weit überstrahlt wurde, inzwischen ebenso der Vergessenheit anheimgefallen wie sein musikdramatisches Schaffen. Erst in letzter Zeit ist man wieder auf ihn aufmerksam geworden. So gibt es etwa Einspielungen seiner Arie „Ah! se tu dormi“ von Marilyn Horne und Elina Garanca, und auf youtube kann man eine Live-Aufzeichnung der gesamten Oper aus einer Mailänder Produktion erleben.

In Österreich ist es das Verdienst der stets um Raritäten abseits der herkömmlichen Repertoires bemühten Sommeroper Amthof in Feldkirchen/Kärnten, den Komponisten Vaccai auf die Bühne zu bringen – mit seinem seinerzeit berühmtesten Werk, der Oper Giulietta e Romeo respektive Julia und Romeo, denn bei dieser Wiederentdeckung wird auf Deutsch gesungen. Die Umstellung der Namen im Titel verweist darauf, dass für das Libretto nicht Shakespeares Liebestragödie als Vorlage diente, sondern die bereits 1530 entstandene Novelle „Neu geschriebene Geschichte von zwei noblen Liebenden“, derer sich wohl auch Shakespeare bedient hatte. Vaccais Oper weicht in einigen zentralen Aspekten vom gewohnten Handlungsverlauf ab…

Zum Bericht von Manfred A. Schmid

OPER FRANKFURT: HEUTE PREMIERE „TRI SESTRI“ VON PETER EÖTVÖS

Inszenierung: Dorothea Kirschbaum

Ray Chenez (Irina), David DQ Lee (Mascha; sitzend) und Dmitry Egorov (Olga: stehend). Copyright: Oper Frankfurt/ Monika Rittershaus

Gipfeltreffen der Counter. Die drei Schwestern sind mit Männern besetzt!

Auch in Graz beginnt langsam – Hermann Beckes  Bericht ist online:
https://www.deropernfreund.de/graz-12.html

Hamburgische Staatsoper: „RING UND WRESTLING“ (es gibt noch weitere Vorstellungen auf der Studiobühne/ „opera stabile“)

Der „Ring hat diesmal sogar 5 Teile, jeder Teil ist anders (wohl auch anders als bei Wagner). Zumindest drei Vorstellungen können Sie also noch besuchen

St. Pauli trifft auf Bayreuth: „Ring & Wrestling“ in der Hamburgischen Staatsoper – RTL Nord

Link untenstehend

http://www.rtlnord.de/nachrichten/st-pauli-trifft-auf-bayreuth-ring-wrestling-in-der-hamburgischen-staatsoper.html

Ab vergangenem Freitag trafen in der Hamburgischen Staatsoper die Klänge von Richard Wagner auf Amateur-Wrestler aus dem Hamburger Stadtteil St. Pauli. Bei „Ring & Wrestling“ gibt es nicht nur Musik aus „Der Ring des Nibelungen“, sondern auch Hiphop und Rock-Songs.

„Ring & Wrestling“ ist der Versuch, Bayreuth mit St. Pauli zu vereinigen. Für ordentlich Kiez-Geruch sorgen unter anderem „Eddy The Iceman“, „ The Green Bastard“ oder „Sailor Boy“. Sie alle sind Hobby-Wrestler, die sonst nur in einer kleinen Hafenkneipe auftreten. Jetzt treffen sie in der opera stabile, einer kleinen Bühne der Staatsoper, auf echte Opernprofis

Die Musik des Abends stammt vor allem aus Richard Wagners „Der Ring des Nibelungen“. Der Ring ist ein aus vier Teilen bestehender Opernzyklus von Wagner, zu dem er den Text schrieb, die Musik komponierte und auch szenische Anweisungen vorgab. Wagner arbeitete an diesem Werk mit Unterbrechungen von 1848 bis 1874.

Unser Reporter Karsten Krönke hat sich die Generalprobe von „Ring & Wrestling“ mal angesehen.
Ring und Wrestling in der Hamburgischen Staatsoper

Schräg, wenngleich nicht so schräg, geht es im Wiener Volkstheater zu

WIEN / Volkstheater:
DER KAUFMANN VON VENEDIG von William Shakespeare
Premiere: 8. September 2018

Copyright/ Volkstheater/lupispuma.com

Das Volkstheater der Anna Badora hat dringend etwas positive mediale Betrachtung benötigt, am besten im Zusammenhang mit der ersten Premiere der Spielzeit, auf die neugierig gemacht werden sollte: So erklärt sich die Ankündigung, das Publikum könne zwischen drei Darstellern des Sherlock wählen. Seltsame Idee, die auf Anhieb nicht wirklich sinnvoll erschien.

Aber dann geht es bei der Aufführung von „Der Kaufmann von Venedig“, inszeniert von der Chefin selbst, umweglos zur Sache. Wir sind in einem Show-Ambiente, Jan Thümer tänzelt – halb auf Deutsch, halb Italienisch radebrechend – als Conferencier vor uns herum. Ja, meine Damen und Herren, das Event findet statt – und Sie dürfen entscheiden! Man ist voll in der Welt der „interaktiven“ Fernsehshows. Wie prickelnd für ein Theaterpublikum? Nun, es sei.

Frau Shylock Anja Herden. Copyright/ lupispuma/Volkstheater

Wir bekommen drei Möglichkeiten. Shylock als seriöser Kapitalist? Shylock als typischer Jude mit Schläfenlocken? Oder Shylock gar als Frau, noch dazu mit Migrationshintergrund? Das ist natürlich die zeitgemäße und politisch korrekte Lösung. Also – Frau Shylock, bitte vortreten! Wie sehr das Volkstheater an dieser Lösung, die per Applausmessung getroffen wird, tricksen kann, sei dahingestellt, ganz überzeugt ist man nicht, dass das mit rechten Dingen zugeht – aber warum nicht einmal eine Frau? Wir steigen also ins Geschehen ein.

Die Aufführung wird übrigens, wir lesen es im Internet, „freundlich unterstützt“ von „Casinos Austria“. Wie auch nicht, sie spielt ja im Casino, mit viel Musik und Tanz und Heckmeck, und wieder hat man – wie bei der letzten Shakespeare-Aufführung des Hauses, „Viel Lärm um nichts“ vor einem halben Jahr  –  das Gefühl, das Ganze sei nur auf die Smartphone-Generation und ihre Entertainment-Bedürfnisse  zugeschnitten. Viel Lärm, viel Bewegung, viel Chichi und Tralala. Shylock fährt mit einem Kabüffchen aus dem Untergrund, als besäße er nur ein schäbiges Geldwechsel-Hüttchen am Rialto. Und wenn man bei Portia anlangt…

Zum Premierenbericht von Renate Wagner

Wir erinnern uns der Aufregung, wie die Grünen-Chefin Eva Glawischnig bei Novomatic, einem Glücksspielkonzern, angeheuert hat. Zumindest ich erinnere mich noch an die Aufregung beim „Heft-Merker“ (mit Rücktritten aus Protest), weil die Wiener Staatsoper vor 25 Jahren für eine Gala der Tabakregie vermietet wurde. Gut, Rauchen ist schädlich! Aber Glücksspiel ist auch schädlich – für die Brieftasche! Aber die Volkstheaterchefin nimmt Geld auch von „Schädlingen“!

Wien/ Burgtheater: „Alle schreien nach Veränderung“
Burg-Schauspieler Nicholas Ofczarek über Klaus Manns „Mephisto“, den Rechtsruck und was er in der Politik vermisst.
Wiener Zeitung

Apropos Rechtsruck! Heute wählt Schweden. Den „Schweden-Demokraten“ werden enorme Zugewinne prognostiziert.

Standard-Lehrstoff an jeder Politik-Akademie: „Lass den Gegner von den Medien in unerreichbare Höhen jubeln – und sprich dann von einer Niederlage!“ In Österreich wissen das selbst die Polit-Lehrlinge (Azubis in Deutschland).

So wird es wohl auch heute sein!

Song-Contest – Boykottaufruf: Dutzende Künstler gegen Eurovision Song Contest in Israel
Israel verletze die Menschenrechte der Palästinenser – mit dieser Begründung fordern prominente Künstler den Boykott des Eurovision Song Contest in einem offenen Brief. Sechs Unterzeichner stammen aus Israel selbst.
Der Spiegel

Als ich im Zusammenhang mit dem diesjährigen Song-Contest von einer „politischen Entscheidung“ geschrieben habe, wurde ich scharf kritisiert.

Heute schreibe ich von einer „unglücklichen Entscheidung“ . In immer kürzer werdenden Abständen  wird von irgendwelchen Unstimmigkeiten und Problemen berichtet. Österreich als einer der Austragungsorte in den kommenden Jahren? Der Kelch möge an uns vorübergehen, notfalls singe ich selbst!

Ich wünsche einen schönen Tag!

A.C.

 

 

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