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9. OKTOBER 2019 – Mittwoch

09.10.2019 | Tageskommentar

Wien/ das ROH im Kino – schwach besuchter „Don Giovanni“

Bedenkt man, wie voll die Übertragungen aus der New Yorker Metropolitan Opera sind, dann haben Wiens Opernfreunde den Auftakt der Übertragungen aus der Royal Opera in London weitgehend ausgelassen. Das war schade, kann aber erklärt werden. Denn außer Erwin Schrott kennt man die übrige Besetzung des Abends hierzulande bestenfalls vage, aber in den meisten Fällen gar nicht. Und Schrott hat live erst vor kurzer Zeit mit einem semi-szenischen Don Giovanni im Theater an der Wien Triumphe gefeiert und damit seine Fans offenbar ausreichend beglückt.

Das Fähnlein der Aufrechten, die sich im früheren UCI-Kino am Handelskai, das nun Millennium Kinowelt heißt, eingefunden hat, bekam allerdings einen interessanten, spannenden Abend geboten, den Kasper Holten inszeniert hat, als er noch Direktor des Hauses war. Auffallend ist, wie bis ins Detail geprobt diese Wiederaufnahme war – das ist nicht nur nötig, weil sie für die Sänger darstellerisch-technisch kompliziert ist, sondern weil man auch aus der Interaktion der Darsteller wirklich viel Neues zum Thema „Don Giovanni“ erfahren konnte…

Zum Bericht von Renate Wagner

Ich habe für den schwachen Besuch eine andere Erklärung: es ist die „Marke Met“, die zieht! Das Royal Opera House kann „markenmäßig“ nicht ganz mit. Die Met hat mit den Kinoübertragungen begonnen – und dieser Vorsprung ist nicht leicht aufzuholen.

Besetzungsänderung in „Die Frau ohne Schatten“ an der Wiener Staatsoper

KS Stephen Gould, der bereits in der Premierenserie im Mai 2019 in dieser Partie zu erleben war, singt am Donnerstag, 10. Oktober 2019 den Kaiser in „Die Frau ohne Schatten“ anstelle des erkrankten Andreas Schager. KS Stephen Gould verkörpert derzeit den Tenor/Bacchus in „Ariadne auf Naxos“ im Haus am Ring (Vorstellung noch am Freitag, 11. Oktober 2019).

Reprisen: 14. und 18. Oktober

Dass Andreas Schager absagt, kommt selten vor.

Stefan Tanzer (Volksoper) hat recherchiert:

 

Schlechte Nachricht: Hat Piotr Beczala zu früh wieder gesungen?

In der Kölner Philharmonie muss er soeben absagen

Kölner Philharmonie

Musikverein Graz: Der für 13. Oktober 2019 geplante Liederabend mit Piotr Beczała muss wegen einer Erkrankung des Künstlers leider verschoben werden.

Ein Ersatztermin wird schnellstmöglich bekannt gegeben.

Bereits gekaufte Karten behalten ihre Gültigkeit. Weitere Informationen erhalten Sie an der Konzertkasse unter 0316/82 24 55.

Vielen Dank für Ihr Verständnis!

Stephane Lissner übernimmt Teatro di San Carlo in Neapel
Der Pariser Opernintendant Stephane Lissner, der 2021 sein Amt an den deutschen Musikmanager Alexander Neef abgibt, ist als künftiger künstlerischer Leiter des Teatro di San Carlo, des größten Opernhauses von Neapel, designiert worden. Das bestätigte Neapels Bürgermeister Luigi De Magistris am Dienstag auf Facebook. Ausständig sei nur noch die Zustimmung von Kulturminister Dario Franceschini.
Salzburger Nachrichten

Pereira in Florenz, Lissner dann in Neapel – also zwei Ex-Scala-Intendanten und mit Meyer in Mailand dann noch ein dritter Oldie in Italien.
Vielleicht gar nicht so schlecht…
Anderseits, haben die Italiener nicht selbst Intendanten vom Schlag eines Stephane Lissner. Gar so ein Kapazunder ist das nämlich nicht!

Leserin Waltraud B. widerspricht meiner Einschätzung: Da irren Sie aber, Paris steht glänzend da, hat interessante neue Produktionen und auch an der Scala hat er in die Zukunft geblickt. Weit dynamischer als der jetzt vor den Toren stehende Intendant in Mailand… (Zitat Ende)

Meine Wahrnehmung bezieht sich auf Wien. Seine Leistung für die Wiener Festwochen war sehr bescheiden, grenzt an Arbeitsverweigerung – so meine subjektive Meinung

MINDEN – Der Ring in Minden

 

Wenig vergleichbare Erlebnisse kann Theater bieten, als wenn innerhalb kurzer Frist hintereinander aufgeführt wird das Bühnenfestspiel  „Der Ring des Nibelungen“ von Richard Wagner mit seinem Vorabend Das Rheingold und den drei Tagen Die Walküre, Siegfried und Götterdämmerung.

Dies wurde jetzt wieder nachvollziehbar sogar im kleinen Stadttheater Minden (Intendantin Andrea Krauledat). Als das Riesenprojekt dort vor vier Jahren mit der Aufführung des Rheingold begann, waren doch leise Zweifel zu hören, ob es bis zur Götterdämmerung weitergeführt werden könne. Nicht nur gelang dies grandios, sondern als gewaltiger  krönender Abschluß konnte in diesem Jahr zweimal das gesamte Werk zyklisch aufgeführt werden.

Mehr als bei Aufführung der einzelnen Teile wurde deutlich, daß die stimmige Inszenierung von Gerd Heinz  eben nicht nur für den jeweiligen Abend, sondern von Beginn an auf die gesamte Handlung konzipiert war. Der das Bühnenbild von Frank Philipp Schlössmann beherrschende jeweils in verschiedenen Farben leuchtende Ring  im grossen Viereck  (Licht Michael Kohlhagen)  paßte als Rahmen für alle vier Abende, ergänzt durch zahlreiche, den szenischen Erfordernissen und der verhältnismässig kleinen Spielfläche angepaßte Einbauten, über Treppen zu erreichende Anbauten und Unterbauten. Den größten Teil der Bühne nahm wie bei allen bisherigen Wagner-Aufführungen das hinter einem Gazevorhang sichtbare Orchester ein…

Zum Bericht von Sigi Brockmann/Münster

LYON: GUILLAUME TELL in der Inszenierung von Tobias Kratzer

Foto: Bernard Stofleth

Der deutsche Regisseur Tobias Kratzer hat in den letzten Jahren die drei großen Meyerbeer-Opern inszeniert („Les Huguenots“ in Nürnberg und Nizza, „Le prophète“ in Karlsruhe und „L’Africaine“ in Frankfurt). Es lag also nahe, dass er sich auch einmal Rossinis „Guillaume Tell“ widmen wird. Nun konnte man seine Sichtweise auf diese Oper in der Eröffnungspremiere der neuen Spielzeit der Opéra de Lyon erleben. Das Werk tritt vehement für das Selbstbestimmungsrecht der Völker ein und schließt mit einem mitreißenden Ruf nach Freiheit. Kratzer war somit nicht an den historischen Gegebenheiten interessiert. Es geht ihm vielmehr darum – losgelöst von zeitlichen oder örtlichen Vorgaben – aufzuzeigen, wie ein Kulturvolk um seine Selbstbehauptung kämpft und sich gegen Angriffe von außen durch Barbaren verteidigen muss…

Zum Bericht von Walter Nowotny

Lyon: Der Einbruch der Barbarei
Regisseur Tobias Kratzer hat dieses Jahr in Bayreuth triumphiert. Jetzt inszeniert er Rossinis „Tell“ in Lyon.
Sueddeutsche Zeitung

Kaffeehaus und Haxen
Der Start in die kalte Jahreszeit wird kein Spaziergang für Jonas Kaufmann. Nicht mal den neuesten seiner vielen Preise kann er selbst entgegennehmen: Der Opus Klassik, Nachfolger des eingestampften Echo Klassik, wird am Sonntag (13. Oktober) in Abwesenheit an den Tenor verliehen. Kaufmann, der den Preis in der Bestseller-Kategorie für „Eine italienische Nacht“ bekommt, ist dann schon in Wien, um sein neues, gleichnamiges Album vorzustellen.
https://www.giessener-allgemeine.de/kultur/kaffeehaus-haxen-13081662.html

Wiener Staatsoper: Théo Touvet. Wer kann ihn bei Vorstellungen nach der Premierenserie ersetzen? Oder steht er auch weiterhin zur Verfügung?

Tischreservierung für Théo Touvet bei der Premierenfeier im Mahler-Saal der Wiener Staatsoper. Foto: Esther Hatzi

Es gibt Premierenfeiern unterschiedlichster Art. In Wien sind die Premierenfeiern für die an der Premiere teilnehmenden Künstler und „Stützen der Gesellschaft“ – im Volksmund auch „Adabeis“ genannt – vorgesehen. Ich war nur einmal bei solch einer Feier und habe gleich gemerkt, dass ich dort nicht hingehöre! Ein „Adabei“ will ich nicht sein!

Es gibt aber auch Opernhäuser (wie zum Beispiel Linz), die beziehen das Premierenpublikum mit ein. Dort bin ich gerne dabei (nur leider äußerst selten bis nie in Linz).

Théo Touvet in Aktion. Foto: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Sollte die Produktion Teil des Repertoires werden, erhebt sich die Frage, wer Théo Touvet als Puck ersetzen soll.  Wird er immer Zeit haben? Der größte Applaus war ihm am Premierenabend sicher. A.C.

Théo Touvet
Der Schauspieler, Musiker, Tänzer, Akrobat und Zirkuskünstler Théo Touvet verschrieb sich schon als Kind der Gymnastik, dem Voltigieren, Tanz, Bergsteigen, der Malerei, Close-up-Zauberei und dem Posaunespiel, wobei er 12 Jahre an einem Konservatorium für klassische Musik studierte. Seine Studien führten ihn danach von der Ecole Normale Supérieure über das Massachusetts Institute of Technology, der Canada bzw. Indian Institute of Science, der Ecole Polytechnique bis zur NASA. Später vervollkommnete er sich im Cyr Wheel am Centre National des Arts du Cirque bevor er Schauspiel am Conservatoire National Supérieur d’Art Dramatique in Paris studierte. Mittlerweile wirkte er in mitentworfenen Aufführungen von by Les Glaciers grondants / The Thundering glaciers, La Nuit où le jour s’est levé ; Rêv’errance, L’Infiniment dedans, Embrase-moi / Fire me up am Théâtre National de Chaillot, dem Théâtre de la Ville-Paris und beim Wuzhen Theater-Festival in China sowie in seinem Solo Existe en ciel am La Chartreuse und im Pantheon in Paris. Aktuell arbeitet er am Film Panthéon und den live Aufführungen Poussière d’étoile / Stardust.

Wer von unseren Lesern ist Max Lorenz noch begegnet und bereit für ein Interview?

Max Lorenz. Foto: Archiv Bayreuther Festspiele

Für eine Diplomarbeit. Eine Dame schreibt an die Redaktion: Ich recherchiere gerade über den Opersänger Max Lorenz und bin auf der Suche nach noch lebenden Menschen, die ihm noch persönlich begegnet sind und bereit wären für ein Interview.

Antwort zwecks Weiterleitung an info@der-neue-merker.at

OPER FRANKFURT: KURZFILM ZU „MANON LESCAUT IST FREIGESCHALTET

Foto: Barbara Aumüller

Der Kurzfilm von Thiemo Hehl zur Premiere von Giacomo Puccinis Manon Lescaut (Musikalische Leitung: Lorenzo Viotti; Regie: Àlex Ollé) im Internetauftritt der Oper Frankfurt ist freigeschaltet: 

https://oper-frankfurt.de/de/mediathek/?id_media=183

Tipps für Tricks mit der Auslastung – oder das Drama Wiener Volkstheater

Wenn ein Theater mit einem Fassungsraum von – sagen wir – 800 Plätzen nur 400 Karten auflegt – und 399 von denen verkauft, beträgt die Auslastung nicht 49 %, sondern „meyerische“ 99 %. Die Wiener Staatsoper hat Zahlenspielereien dieses Ausmaßes nicht nötig – das Wiener Volkstheater freilich schon. Frau Badora ist mit ihrem Belehrungstheater ganz kräftig „baden gegangen“ – und wir können nur hoffen, dass der Nachfolger nicht auch das Publikum umerziehen will, sondern dem das bietet, wonach es verlangt! Ganz unumstritten ist der Herr aus deutschen Landen auch nicht, aber er hat eine faire Chance verdient.

Wien/ Volkstheater
Volkstheater Wien in „prekärer finanzieller Lage“
Bericht des Stadtrechnungshofes: Tiefergehende Maßnahmen notwendig.
Kurier
Finanzielle Lage des Volkstheaters ein Drama
Wiener Zeitung

EU-Politik: Brexit-Krise: Johnson schiebt Merkel den Schwarzen Peter zu
Nach einem Telefonat des Premierministers mit der Bundeskanzlerin lässt die britische Regierung verbreiten, eine Einigung im Brexit-Streit sei nun unmöglich geworden. Nigel Farage bringt gar ein „neu militarisiertes Empire“ ins Spiel.
Die Welt.de

In Österreich können wir uns bis nach der Steiermark-Wahl zurücklehnen, da passiert aus wahltaktischen Gründen nicht viel. Spannender ist, wie „Fuchs Boris Johnson“ den Brexit anlegt. Wer wird wen ausbremsen?

Ich wünsche einen schönen Tag!

A.C.

 

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