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9. MAI 2020 – Samstag

09.05.2020 | Tageskommentar

Ist Chorsingen lebensgefährlich?  Blödsinn – wie so vieles derzeit!

Ich habe überhaupt kein persönliches Interesse daran, die derzeitige Situation herunter zu spielen. Mir geht es gut, es fehlt mir an nichts, ich habe weder finanziellen Verlust und auch keine Schulden abzuzahlen. Warum also starte ich nicht jeden Tag diesen Kommentar mit einen Corona-Bingo? Weil mir das ganz einfach zu blöd ist – und weil ich als scharfer Beobachter meiner Umgebung weiß, wie gefährlich die Situation für die menschliche Psyche ist. Damit spielt man nicht, um die Seiten voll und Presseförderung zu bekommen.

Sie anzulügen habe ich schon gar kein Interesse. Wenn es Ihnen Spaß macht, sich zu fürchten, dann fürchten Sie sich eben! Aber helfen will ich Ihnen nicht dabei! Da habe ich bei den Medien fast ein Alleinstellungsmerkmal, denn ein „Corona-Programm“ ist selbst für den untalentiertesten Schreiber ganz leicht zu gestalten!

Also suche ich Quellen, die beruhigen – und die suche und finde ich bei durchaus renommierten Medien, die nicht auf die 2 Euro pro gedruckter Zeitung Presseförderung angewiesen sind:

Im März infizierten sich bei einer Probe des Berliner Domchors mehr als 50 Mitglieder mit dem Corona-Virus. Experten empfehlen bisher, gemeinschaftliches Singen in Räumen zu vermeiden – auch in Gottesdiensten. Eine Untersuchung der Bundeswehr-Uni München kommt nun aber zum Ergebnis, dass eine Coronainfektion beim Chorsingen „äußerst unwahrscheinlich“ sei.

Die Münchner Bundeswehr-Universität hat das Corona-Infektionsrisiko beim gemeinsamen Singen untersucht. Anhand strömungsmechanischer Experimente kamen die Forscher zum Ergebnis: Es hält sich stark in Grenzen, wie die Uni am Donnerstag, 7. Mai, mitteilte. Bei den Experimenten mit professionellen Sängern habe sich eindeutig gezeigt, dass die Luft beim Singen nur im Bereich eines halben Meters vor dem Mund in Bewegung versetzt werde, unabhängig von Lautstärke und Tonhöhe. Eine Virusausbreitung über diese Distanz hinaus sei „äußerst unwahrscheinlich.“

Bundeswehr-Uni hält Coronainfektion beim Chorsingen für „äußerst unwahrscheinlich“
m März infizierten sich bei einer Probe des Berliner Domchors mehr als 50 Mitglieder mit dem Corona-Virus. Experten empfehlen bisher, gemeinschaftliches Singen in Räumen zu vermeiden – auch in Gottesdiensten. Eine Untersuchung der Bundeswehr-Uni München kommt nun aber zum Ergebnis, dass eine Coronainfektion beim Chorsingen „äußerst unwahrscheinlich“ sei.
https://www.swr.de/swr2/musik-klassik/kirchenmusik-im-abseits-100.html

Händchenhalten auf Abstand? Wie Oper und Theater künftig aussehen
Vielerorts macht man sich Gedanken, wie szenische Darbietungen in Corona-Zeiten wieder möglich werden könnten. Die Tücke steckt, wie immer, im Detail. Unorthodoxe Lösungen sind gefragt.
Neue Zürcher Zeitung

Dennoch, mit Beruhigung dringt man derzeit nicht wirklich durch. Deshalb lassen sich Konzertveranstalter etwas einfallen – und das ist oft skurril:

Einmal winken bitte, heißt es von Ende nächster Woche an im nordrhein-westfälischen Borken. Nicht mit den Händen, sondern mit den Scheinwerfern. Es wird das Zeichen sein für den Applaus bei „Drive & Live“, wie dort so einiges anders sein wird als sonst in klassischen Konzerten. Die Hörer bleiben in ihren Autos, den Ton bekommen sie über eine eigene UKW-Frequenz ins Radio zugespielt.

Die Besetzung freilich ist durchaus hochkarätig, jedenfalls hochkarätiger als in regulären Jahren bei der „Musiklandschaft Westfalen“, deren Intendant Dirk Klapsing die Konzerte bis vorerst Mitte Juli geplant hat. Unter anderem suchen die Pianisten Martin Stadtfeld und Justus Frantz, der Geiger Christian Tetzlaff, der Schlagzeuger Martin Grubinger und ein gemischtes Ensemble aus Wiener und Berliner Philharmonikern ihre Zuflucht im Format des Autokinos, das sich gerade auch beim Filmbereich gesteigerter Beliebtheit erfreut. Alle Angefragten hätten sofort zugesagt, erzählt Klapsing, weitere Künstler warteten bereits. Ähnliche Konzerte gibt es auch in anderen Ländern, die English National Opera will in London von Anfang September an sogar Vorstellungen von Opern in Kurzversionen im Autokino anbieten.

Musikleben unter Auflagen: Sechs Meter Abstand für Sänger
Spuckschutz, Freiluftmusik, Mozart-Trucks: Die Veranstalter klassischer Konzerte lassen sich berufsbedingt viele kreative Lösungen einfallen.
Sueddeutsche Zeitung

Es kann eine Zwischenlösung sein, aber keine Lösung. Die Abstandsregeln der Künstler untereinander sind undurchführbach. Dennoch sind es meist nicht die Künstler, die sich fürchten, auf ihren persönlichen Schutz pochen und ihre „Retter“ bejubeln – in der überwiegenden Mehrzahl wollen sie spielen. Aber wie und wo? Für Orchester sehe ich derzeit ganz schwarz

Um Mahlers „Sinfonie der Tausend“ aufzuführen, wird es Waldrodungen bedürfen

In Blasrichtung mindestens zwölf Meter Abstand zur nächsten Person, in die andere Richtungen mindestens drei Meter. Das geben Arbeitsmediziner der deutschen Unfallversicherung als Schutz-Standard für Bühnen und Studios vor. Für die Orchesteraufstellung nach „neuer Normalität“ sollte demnach ein Fußballfeld wohl reichen. Für Beethovens Neunte wird man ob des nötigen Schlusschores damit eher nicht auskommen, denn für Sänger geltgen sechs Meter Anstand als Richtmaß. Und Mahlers Sinfonie der Tausend? Da wird viel Grünland dran glauben müssen. Um Wald-Rodungen wird man nicht herumkommen,
DrehpunktKultur

Die Berliner Konzertveranstalterin Jutta Adler wirft die Nerven nicht weg – obwohl das nicht leicht ist!

Auszug aus dem „Tagesspiegel:

Der Entertainment-Veranstalter Marek Lieberberg hat gesagt: ,Unsere Branche liegt in Trümmern, wie nach einem Krieg.’

Nur mit dem Unterschied, dass 1945 das Kulturleben nach der Kapitulation fast sofort wieder anlief. Mein Mann Witiko hat das ja alles selber miterlebt. Da hatte man eine Perspektive, da wurden die Ärmel hochgekrempelt, alle, die überlebt hatten, organisierten Konzerte an jedem Ort, der nicht zerbombt war. Jetzt dagegen haben wir keinen Schimmer, wie und wann es weitergehen kann…

Der Organist Cameron Carpenter hat vor ein paar Tagen im Gespräch mit dem Tagesspiegel gesagt: Es gibt derzeit nur zwei Kategorien von Künstlern, diejenigen, die bereits wissen, dass ihre Karriere zerstört ist, und diejenigen, die es noch nicht wahrhaben wollen…

Interview mit Konzertorganisatorin Jutta Adler: „Wir müssen kommerziell denken“
Jutta Adler leitet die traditionsreichste Berliner Klassik-Konzertagentur. Ein Gespräch über das Verständnis der Kunden, die Nöte der Künstler und das Hochfahren der Kultur nach 1945
Tagesspiegel

So wird es hoffentlich nicht sein, aber es wird schwierig werden. Besonders für Junge Künstler, denn um das Werkl wieder anzukurbeln, bedarf es großer Namen. Experimente sind derzeit zu gefährlich!

Ja- und natürlich soll „der Staat“ zahlen. Was soll der denn noch zahlen?

Kaup-Hasler: „Die Regierung hat völlig falsch reagiert“
Die Aufregung in der Kulturszene ist weiterhin groß: Man fühlt sich von der Politik im Stich gelassen. Jetzt prescht die Wiener Kulturstadträtin mit einigen deutlichen Ansagen vor
Der Standard

WIENER FESTWOCHEN 2020 REFRAMED

 

Liebes Publikum, einer der vielen schönen Aspekte eines Festivals ist, dass ein temporärer„Ausnahmeraum“ geschaffen wird. Festivals existieren üblicherweise für eine gewisse Zeitspanne. Dann verschwinden sie bis zu ihrer nächsten Ausgabe.

Seit 1951 finden alljährlich die Wiener Festwochen statt. 2020 werden sie das nicht tun. Und wir alle wissen warum.

Das einmalige Zusammenspiel zwischen einem künstlerischen Programm, einer bestimmten Zeit und einem bestimmten Ort kann nicht ersetzt oder neu erfunden werden. Nichts kann diesen Ausfall kompensieren. So freuen wir uns auf die Zukunft und arbeiten bereits daran, dass wir uns bei den Wiener Festwochen, bei Theater- oder Musikaufführungen, Bewegung, Sprache und Sounds, die gemeinsam erlebt werden, wieder begegnen. Für heuer versuchen wir jedoch, andere Wege zu finden, um unser künstlerisches Programm mit Ihnen zu teilen.

Zum Auftakt des Festivals wird die Rede von Milo Rau und Kay Sara, die sie im Burgtheater hätten halten sollen, am 16. Mai online und in den Medien erscheinen. Damit wird das Festival „starten“. Am gleichen Tag werden wir gemeinsam mit Der Standard eine gedruckte Beilage veröffentlichen, mit Beiträgen zum Programm des Festivals 2020 und als Forum für die Stimmen einiger jener Künstler*innen, die wir heuer im Mai/Juni nach Wien einladen wollten. Fernab von jeglichem Werbezweck soll sie Zeugnis eines Festivals sein, das nicht stattfindet …

HEUTE ALS STREAM AUS DER METROPOLITAN-OPERA: LA BOHÈME“

Mit Renata Scotto, Luciano Pavarotti, Ingwar Wixell etc.

Die erste Met-TV-Übertragung überhaupt! Besseres werden Sie wohl kaum aufstöbern können!

https://metoperafree.brightcove.services/?videoId=6152411577001

OPER FRANKFURT/ Spielzeit 2020/21 (zu finden in unseren Infos des Tages/ Aktuelles)

Bernd Loebe allein zu haus!Foto Barbara Aumüller

Premieren

György Ligeti Le Grand Macabre (Frankfurter Erstaufführung)
Sonntag, 13. September 2020

Damit wollen die Frankfurter starten. Ob es gelingt? Wir halten die Daumen. Den Premierenreigen finden Sie in unseren heutigen „Infos des Tages“

Wien/Staatsoper: Parsifal – 13. April 2017 (Stream April 2020)
In der Tat: Zeit für eine Neuinszenierung!

Im Normalfall wollen wir nicht alte Streams rezensieren – aber Klaus Billand ist so froh, dass der aktuelles Wiener Parsifal verschwindet, dass er ihm noch einige Worte in das Grab nachwirft!
Zum „Nachruf“ von Klaus Billand

Dieser Mann ist ein Genie wie Mozart oder Bach

Keith Jarrett ist 75. Foto: ORF

Geburtstag: Keith Jarrett ist der größte lebende Musiker. Warum? Weil er alles kann und dabei immer brillant ist – ein Liebesbrief zum 75. Geburtstag
Morgenweb.de

Buchbesprechung: Constanze Denning VERKAUFT
Alma Liebeskind ermittelt
256 Seiten, Verlag Ueberreuter, 2020

Besuchen Sie Renate Wagners BUCHRUBRIK

Freizeit ist auch Krimi-Zeit, und bekanntlich begeben sich Leser gern in die behagliche Gesellschaft von (meist in Mordfällen „ermittelnden“) Damen oder Herren, die sie schon in früheren Büchern schätzen gelernt haben. Alma Liebeskind-Spanneck ist nun schon bei ihrem vierten Abenteuer angelangt (und Autorin Constanze Denning dabei schon bei dem dritten Verlag). Wieder ist die quirlige Nervenärztin, die so wenig Zeit für ihre Praxis hat, weil es sie in ihren Ermittlungen dermaßen herumreißt, in einen wilden Fall verwickelt – wild im vollsten Wortsinn.

Gut, dass Alma als Ich-Erzählerin dermaßen ironisch, gewissermaßen „über drüber“ dahinstürmt, dass man ihr auch alle Abenteuer abnimmt – selbst wenn sie sich samt ihrer gleichfalls höchst umtriebigen Mutter in Tschadors hüllt (dunkelbraune Kontaktlinsen inbegriffen), und die beiden Damen sich als „taubstumme“ (!) Flüchtlinge in eines jener Heime begeben, wo Migranten-Frauen auf ihr weiteres Schicksal harren. Wer’s glaubt, wird selig, aber darauf kommt es eigentlich nicht an, auch nicht auf den schon sehr klischeebehafteten Handlungsstrang von der geheimnisvollen Privatklinik, wo geheimnisvolle und kriminelle Experimente am Menschen unternommen werden. Das hatte man schon ein paar Mal zu oft…

Zur Buchbesprechungvon Renate Wagner

Tim Theo Tinn (TTT) erörtert: Flieht Verstand zum „blöden Vieh“?       Pandemie: Theater und sonstige Universen!   

(Fortsetzung vom 2.4.2020,Onlinemerker, „Es geht was um die Welt“ https://onlinemerker.com/tim-theo-tinn-ttt-eroertert-wir-wissen-dass-es-dinge-gibt-die-wir-nicht-wissen-es-geht-was-um-die-welt/)

COVID 19 kennt keine Grenzen – provoziert die Weltgemeinschaft!  Wird Ursache-Wirkung Kausalität unverstanden suspekt zur Beschwörung einer zukünftigen Normalität, die Illusion bleibt? Werden Theater zwangsläufig ökonomischen Konsequenzen erliegen? Kann Blockade –Wehklagen einem neuen Aufbruch weichen? Wird es ein „weiter so“ langfristig geben? Kann Pippi-Langstrumpf: „Ich schaff mir die Welt, wie sie mir gefällt?“ noch gelten?…

Zu den Ausführungen von TTT

«Millennial socialism»: die Pandemie als Durchlauferhitzer für einen Systemwechsel
Durch die Corona-Krise wird die Systemfrage erneut gestellt. Es wird das Ende einer Welt bedeuten, wie wir sie kannten. Wer stellt sich diesem kollektiven Wahnsinn entgegen?
Neue Zürcher Zeitung

Ein Artikel mit Sprengstoff aus der „Züricher Zeitung“. Für mich zum Kommentieren viel zu gefährlich!

Münchhausen feiert Geburtstag: Wer immer lügt, den liest man gern – Bezahlartikel
Den Baron gab es wirklich, ungelogen. Kaum zu glauben ist sein Erbe in Literatur, Film und Philosophie – ein Mythos voll listiger Überraschungen.
Den Baron gab es wirklich, ungelogen. Kaum zu glauben ist sein Erbe in Literatur, Film und Philosophie – ein Mythos voll listiger Überraschungen. Einer, dessen Namen wir nicht kennen, hatte bei den geselligen Runden auf dem norddeutschen Gutshof genau zugehört. Im Jahr 1781 veröffentlichte er in einem Berliner Magazin Anekdoten eines fabulierfreudigen Freiherrn, samt Gebrauchsanweisung: Es gehe um „eine eigene Art sinnreicher Geschichten“, voll der „unglaublichsten Übertreibungen“, aber „so launig, dass man, ohne ohne sich um die Möglichkeit zu bekümmern, von ganzem Herzen lachen muss.“

Die Presse

Münchhausen heute? Er wäre sicher in der Politik gut aufgehoben!

Starten Sie in ein schönes Wochenende

A.C.

 

 

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