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9. MÄRZ 2021 – Dienstag

09.03.2021 | Tageskommentar

Überwiegend positives Presse-Echo nach der Wiener Traviata. Foto: Wiener Staatsoper/Michael Pöhn

Es ist eine besondere Zeit und die schafft eine besondere Situation. Der Start der „neuen“ Staatsoperndirektion wurde medial freundlich begleitet. Blickt man freilich in diverse Diskussionsforen (und damit meine ich nicht nur das Merker-Forum), wird der Ton kritischer. Opernfreunde sind oft keine umkomplizierten Leute. Die Nagelprobe folgt dann mit Eintreten der „Normalität“, derzeit herrscht Schutzfrist und die guten Verbindungen des Staatsoperndirektors zum ORF sind hilfreich. Aber Oper ist nicht das typische TV-Programm, eher eine praktikable Lösung in besonderen Zeiten.

Es wird die Zeit kommen, in der Zahlen entscheiden – obwohl auch das auf den ersten Blick ungerecht erscheint. Aber ein erfolgreicher Manager muss sich gefallen lassen, mit Zahlen und Bilanzen konfrontiert zu werden. „Pech gehabt“ zählt nicht. Ein erfolgreicher Manager muss das Wort Pech aus seinem Vokabular streichen. Pech haben nur die Erfolglosen!

Unsere Online-Merker-Kritiken greifen etwas tiefer als manche Kritik einer Tageszeitung, zumindest bemühen sie sich darum. Dominik Troger von der seit vielen Jahren mit dem Online-Merker befreundeten Website www.operinwien.at schreibt immer sehr unaufgeregt und so ziehe ich seine Meinung zu Rate:

Die digitale „Blase“, in der sich das alles abspielt, ist stark auf optische Reize ausgerichtet. Erotik spielt eine Rolle, Übertreibung, das Ausloten von Grenzen. Das Kostüm, das Violetta im ersten Akt trägt, ist ein gutes Beispiel für eine ins sexuell-anrüchige verzerrte Geschmacklosigkeit, mit der bei den Followern gepunktet werden kann. Pretty Yende bewegte sich als Violetta mit einiger Authentizität durch diese Welt falscher Versprechungen und Erwartungen. Die Liebe zu Alfredo wird dabei immer mehr zum „haptischen“ Strohhalm, an den sie sich klammert. Letztlich stirbt sie auch als Opfer des von ihr gewählten Lebensweges. Violetta landet in einer Klinik, das Krankenbett wirkt steril, Visionen begleiten sie. Im Finale öffnet sich das Bühnenbild zu einem schmalen, hell erleuchteten Streifen. Violetta geht in dieses Licht hinein wie eine Seele in den Himmel. Die kühle Poesie des Finales passt zu diesem medial-inszenierten Violetta-Leben – an Tuberkulose ist sie offenbar nicht gestorben…

Fazit: Die Vorgängerinszenierung los zu sein, ist kein Fehler. Für eine endgültige Beurteilung fehlt aber der räumliche Eindruck vor Ort.

http://www.operinwien.at/werkverz/verdi/atrav18.htm
 
Ich unterschlage keine Meinung, anschließend veröffentliche ich alle Kritiken, die ich gefunden habe!
Auch die Forumsbeiträge sind sehr fair und räumen der Inszenierung eine gute Chance ein!

Wien/ Staatsoper
„Traviata“ oder Emojis statt Emotionen
Sängerisch glanzvoll, szenisch zumindest genial konzipiert: „La traviata“ an der Wiener Staatsoper in der Regie von Simon Stone.
Wiener Zeitung

Wiener Staatsoper „La Traviata“- Violetta sozial vernetzt
Die Wiener Staatsoper hat ihr Premierenprogramm für die Saison 2020/21 mit einem Livestream und zeitversetzter Fernsehübertragung von Giuseppe Verdis „La traviata“ fortgesetzt. In der Inszenierung von Simon Stone wurde Violetta zur „Influencerin“.
http://www.operinwien.at/werkverz/verdi/atrav18.htm

„Traviata“ an der Staatsoper: Auch Emojis müssen manchmal weinen Bezahlartikel
Kurier.at

Kritik Wiener Staatsoper“La Traviata“: Instagram-Queen auf der Krebsstation
Der Regisseur Simon Stone holt die Geschichte von Giuseppe Verdis „La Traviata“ in der Wiener Staatsoper in die Glitzerwelt der digitalen Gegenwart, was fast immer gut funktioniert. Die Aufmerksamkeit des Premierenabends vor leerem Saal richtet sich trotz modernem Interieur dennoch auf ein fabelhaftes Gesangstrio.
Kleine Zeitung

„La Traviata“ als Influencer-Drama: Violetta in der Todeszone
Regisseur Simon Stone bringt Verdis „La Traviata“ an die Wiener Staatsoper
https://www.derstandard.de/story/2000124749292/staatsopern-violetta-in-der-todeszone

Wie Meghan und Harry
Der Mythos der selbstlosen Sünderin: Vor diesem Hintergrund ist die „Kameliendame“ von Alexandre Dumas zu sehen, und ebenso die Violetta im Opern-Evergreen „La Traviata“ von Giuseppe Verdi. Doch was interessiert einen Regisseur wie Simon Stone an dieser populären Bühnenfigur? Seine Inszenierung machte schon vor eineinhalb Jahren in Paris Schlagzeilen. Inzwischen ist die leicht modifizierte Regiearbeit an die Wiener Staatsoper gewandert: in veränderter Besetzung. Nur die Südafrikanerin Pretty Yende blieb Violetta. Am 7. März 2021 wurde live gestreamt.
BR-Klassik.de

Traviata“ an der Staatsoper: Szenisch und musikalisch (fast immer) ein Ereignis
Heutige, überaus kluge Inszenierung von Simon Stone, Florez und Yende glänzen.
Kurier.at

Simon Stones „Traviata“ in Wien: Sex, Lügen und Videos
Live-Stream Wiener Staatsoper, 7. März
Verdis Traviata in völlig ungewohntem Ambiente: Das wurde schon oft versucht, aufgegangen ist diese Rechnung noch nie. Genau betrachtet ist die Basis des Stoffes schon eine zweifelhafte.
Von Peter Sommeregger
https://klassik-begeistert.de/giuseppe-verdi-la-traviata-live-stream-wiener-staatsoper-7-maerz-2021/

Staatsoper: Dieser Traviata brechen die Follower weg
https://www.diepresse.com/5948030/staatsoper-dieser-traviata-brechen-die-follower-weg

Rückblick nach Paris 2019

Leserin Ilona Th. schickt uns die Premierenkritik aus 2019. Das waren noch goldene Zeiten, das Publikum durfte dabei sein (nicht nur mittels TV) – und es hat ausgiebigst gejubelt

Paris/ La Traviata aus 2019/ Zum Vergleich
Die Liebe ist eine tödliche Krankheit
Größer als grandios: In Paris wurde Verdis Verzweiflungstragödie „La traviata“ als so hinreißende wie verstörende Oper der Gegenwart bejubelt.
Sueddeutsche Zeitung

Wiener Staatsoper: Die Streams gehen weiter! Das Programm bis einschließlich 15. März 2021:

HEUTE Dienstag, 9. März 2021, 19.00 Uhr

Der fliegende Holländer“. Michael Volle. Foto: Wiener Staatsoper/Michael Pöhn

Richard Wagner
DER FLIEGENDE HOLLÄNDER (Vorstellung vom 11. September 2015)
Romantische Oper in drei Akten
Musikalische Leitung: Peter Schneider
Inszenierung: Christine Mielitz
Mit u.a.: Michael Volle, Hans-Peter König, Ricarda Merbeth, Herbert Lippert

München/ Bayerische Staatsoper/ „Montagsstück“ Gustav Mahlers „Lied von der Erde“ am 9.3.2021

Abschied in Schönheit

Zum Bericht von Alexander Walther

München
Münchens neuer Opernchef: Frust und Ärger in Lyon
Im September übernimmt Serge Dorny die Bayerische Staatsoper. Bis dahin muss er sich noch mit „‚Anti-Opern-Ideologen“ herumschlagen. Die Linken im Stadtrat von Lyon kürzten ihm die Zuschüsse um 500.000 Euro, um die freie Szene besser auszustatten.
BR-Klassik.de

Serge Dorny wusste genau, warum er ins Opern-Schlaraffenland Deutschland tendiert, dort – wie auch im benachbarten Österreich – sind die staatlichen Zuschüsse in Stein gehauen. Dorny ist ein Meister der Pressebetreuung, seinen Ruhm und vielleicht auch sein Müncher Engagement verlangt er dieser Eigenschaft, die er sich übrigens von der Region finanzieren lässt. Er war in Lyon nie unumstritten, nur drang das nicht an die Öffentlichkeit.

Ritterbands Klassikwelt 20: Lockdown auf der Insel
Ein Lockdown ist, wie wir inzwischen alle wissen, keine einfache Sache. Alles, was einem lieb, teuer und wichtig war, ist nun plötzlich schwierig, unerreichbar – oder schlicht verboten: Oper, Konzerte, Reisen, spontane Flirts, Familienbesuche, gemeinsame Mahlzeiten mit Freunden. Aber auf einer Insel ist das alles noch viel schwieriger. Inseln können als ausbruchssichere Gefängnisse fungieren – von Alcatraz bis zur Teufelsinsel in Französisch-Guayana, auf die Hauptmann Dreyfus 1895 schuldlos verbannt wurde. Inseln können auch Orte der Inspiration sein: Heinrich Böll beispielsweise verbrachte seine Sommerferien in den 50er Jahren gerne auf der Insel Achill im Westen Irlands. Und Paul Gauguin suchte paradiesische Exotik auf Tahiti.
Charles E. Ritterband berichtet von der Isle of Wight
https://klassik-begeistert.de/ritterbands-klassikwelt-20-lockdown-auf-der-insel/

INSTAG(K)RAMEREIEN – gefunden von Fritz Krammer

Der „Domingo-Club“ in Moskau. Zweiter von links ist Erwin Schrott

 

ZU INSTAGRAM mit weiterem Foto
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Traviata Filmaufnahmen Lisette Oropesa, Pirgu, Frontali, Dirigent Daniele Gatti

 

ZU INSTAGRAM

Opera-Streams
Luciano Pavarotti, Malin Byström, Karita Mattila, Irene Theorin, Charles Castronovo, Saraj Jakubiak Headline Top 10 Operas to Stream This Week
https://operawire.com/luciano-pavarotti-malin-bystrom-karita-mattila-irene-theorin

CRITIC’S PICKS | Classical And Opera Streams You Absolutely Need To See This Week: March 8 – 14
https://www.ludwig-van.com/toronto/2021/03/08/critics-picks-classical-opera-streams-absolutely

Gernot Kranner: Der nächste DIALOG DER KREATIVITÄT findet HEUTE, Dienstag, 9. März um 21 Uhr statt.

Unten findet Ihr den ZOOM-Link, der euch die Teilnahme ermöglicht. (Näheres in den „Infos des Tages“

Buchbesprechung

Rainer Metzger : WILLKOMMEN IN WIEN
So haben Marc Aurel und Yoko Ono, Maria Theresia Paradis und Thomas Bernhard und viele weitere die Stadt erlebt
192 Seiten, Molden Verlag, 2021

 

Das Buch wirkt einladend. Ein römischer Kaiser und eine japanische Künstlerin (und noch dazu Beatles-Gattin), ein grimmiger oberösterreichischer Dichter – Gäste in Wien, könnte man meinen. Freilich, da steht auch Maria Theresia Paradis im Untertitel, und die war ja nun wohl Wienerin, hier geboren, hier gestorben (und viele Menschen, denen hier Kapitel gewidmet sind, desgleichen), wie also wie passt da der „Willkommen“-Titel, der doch auf Gäste zu verweisen scheint? Sagt man „Willkommen“ zu Leuten, die hier leben und sterben? Da liegt der Fokus des Buches wohl anders. Aber wo?

Rainer Metzger hat, wenn man ihn in Wikipedia nachschlägt, eine beeindruckende Fülle von Veröffentlichungen aufzuweisen, Kunsthistoriker, der über Klimt schrieb und Christian Ludwig Attersee, mehrfach auch über Wien um 1900, man kann den Deutschen, der in Karlsruhe lehrt, also als Fachmann betrachten (erhoffen). 25 Porträts bietet er zum Thema Wien-Betrachtung an, darunter viele Frauen. Ein Konzept ist nicht zu erkennen, aber vielleicht ist es ja die Diversität, um die es gehen soll…

Zur Buchbesprechung von Renate Wagner

ZÜRICH/ Landesmuseum: AUSSTELLUNG Bundesrätinnen und Bundesräte seit 1848, Landesmuseum Zürich, 02.03.2021 – 07.11.2021

 Die Schaltzentrale der Macht

Bundesräte eröffnen die Landesausstellung 1939: Bundespräsident Philipp Etter (Mitte) am festlichen Umzug zur Eröffnung der Landesausstellung in Zürich 1939; links: Marcel Pilet-Golaz, rechts: Giuseppe Motta, hinten: Rudolf Minger; Copyright: ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv.

Die Ausstellung ist bis 7.11.2021 zu sehen!

Aktuelles aus der „Neuen Zürcher Zeitung“

  • New Yorks Gouverneur lehnt einen Rücktritt ab: Auch aus der eigenen Demokratischen Partei wird Andrew Cuomo vor dem Hintergrund zunehmender Belästigungsvorwürfe geraten, sein Amt niederzulegen. Der Gouverneur des Gliedstaats sagt jedoch, ein Rücktritt allein auf der Basis von Anschuldigungen wäre «anti-demokratisch». Zum Bericht
  • Der Papst hat im Irak einen Impuls für eine bessere Zukunft gegeben: Wie ein Wirbelwind war Franziskus drei Tage durch den Irak gereist. Nach seiner Abreise rief Ministerpräsident Kadhimi zu einem nationalen Dialog auf. Westliche Politiker sollten ihm dabei den Rücken stärken, denn ein neuer Gesellschaftsvertrag ist nötig. Zur Analyse

Die Blockchain-Industrie ist immun gegen das Corona-Virus: Der Wert der 50 grössten Krypto-Firmen in der Schweiz hat sich innert Jahresfrist fast versiebenfacht. Das hat nicht nur mit erfolgreichen Unternehmertum zu tun, sondern vor allem mit dem Höhenflug des Bitcoins. Zum Bericht

Amsterdam
Party-Experiment in Amsterdam – 1300 toben sich bei Festival aus
In der niederländischen Metropole testet die Regierung Grossveranstaltungen unter eingeschränkten Bedingungen. Am Samstag durften hunderte mit negativem Test bei einem Musikfestival dabei sein.
https://www.20min.ch/story/party-experiment-in-amsterdam-1300-toben-sich-bei-festival-aus-954957800637

Impfweltmeister Israel droht fünfter Lockdown
Steigende Infektionszahlen machen Wahl in zwei Wochen zur Gratwanderung.
https://kurier.at/politik/ausland/impfweltmeister-israel-droht-fuenfter-lockdown/401211730

Gestatten, dass ich ratlos bin. Ich dachte, die Impfung gewinnt uns das Match gegen das Virus! Was ist nun? Soll das Szenario bis in alle Ewigkeit so weitergehen? Meine Prognose: Am Ende werden uns die Politiker sagen, dass sie alles getan haben, was möglich und zumutbar war – und dass wir uns künftig selbst bestmöglich schützen sollen. „Geht hin mit Gott“!

Der Schlauberger 41: Wenn ’s klappt, warum nicht? Fortpflanzung für Fortgeschrittene
So gelacht habe ich lange nicht mehr. Diesmal nicht über Trump oder den Mann aus Würselen oder gar den Karneval. In einem Zeitungsbericht ging es um Geburtenzahlen in einem Krankenhaus und um die Frage, warum manche Jahre mehr, manche Jahre weniger Babys zur Welt kommen. Vielleicht liegt es an äußeren Umständen? Am Wetter? Am TV-Programm? An sportlichen Ereignissen? Also an Dingen, die den Tagesrhythmus beeinflussen.
Reinhard Berger berichtet jede Woche in seiner Sprachkolumne…
…Die Kommentatorin hatte eine klasse Idee: Die Theorie, so schrieb sie, dass der Stromausfall 1965 in New York neun Monate später für ungewöhnlich viele Babys gesorgt haben soll, sei nachvollziehbar, denn: „Es war dunkel, der Fernseher ging nicht, und man musste sich zwangsläufig mit sich selbst beschäftigen …“

Ein Fall für den Deutsch- oder Biologielehrer?

Dazu fällt mir nur diese Schlagzeile vor ein paar Jahren ein:

Empfängnisverhütung: Bischöfe halten den Atem an

Vielleicht funktioniert’s ja.

Klassik-begeistert.de

Profil-Morgenpost: Der Übergangs-Schnupfen

Für Frauenfeindlichkeit und Rassismus kann Corona übrigens nichts, zudem kommt beides in den besten Häusern vor. Meghan Markle und ihr Mann Harry Windsor haben das gerade wieder einmal eindrucksvoll bestätigt. Im Interview mit der US-Talkshow-Moderatorin Oprah Winfrey erzählte das ehemalige britische Prinzenpaar zwar nicht ungeschminkt, aber doch relativ schonungslos vom Leben unter Royals. Harry, ganz offen: „Ich wusste nicht, dass ich gefangen war.“ Sagen wir so: Wir haben es schon vor einem halben Jahr gewusst! Als passionierter Übergangsjackenträger kann ich dazu ansonsten nur sagen: komplett Gänsehaut.

https://www.profil.at/oesterreich/uebergangs-schnupfen-was-pandemie-und-jahreszeit-verbindet-und-wogegen-es-keine-impfung-gibt/401211661

Dem Frühstücksfernsehen entnehme ich, dass der österreichische Gesundheitsminister erkrankt ist und seine mit Spannung erwartete tägliche Pressekonferenz absagen muss. Ein kranker Gesundheitsminister, das hat uns noch gefehlt!

Ich wünsche einen schönen Tag!

A.C.

 

 

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