Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

9. JULI 2018

09.07.2018 | Tageskommentar

Wiener Staatsoper. Copyright: Staatsoper

ZUM GESTRIGEN TAGESKOMMENTAR BZW. ZUM ROSCIC-BERATER:

https://kurier.at/kultur/drozdas-berater-folgt-roci-in-die-staatsoper/249.482.975

Ohne Kommentar, machen Sie sich selbst einen Reim darauf. Der Artikel ist zwar nicht neu, wird aber durch die nun erfolgten „Umbauten“ wieder aktuell und erhellend.

„operklosterneuburg“: Gar nicht so klein, aber dennoch fein: Ein Sommerfestival


Arthur Espiritu als tobender Alfred demütigt Violetta , Eugenia Dushina
Foto: Lukas Beck

Ich habe den vom Autor gesetzten Titel geringfügig geändert, weil das Festival sich selbst als „zweitgrößtes in Österreich“ bezeichnet und somit nicht klein sein will. Fein will es aber allemal sein!

Und wieder lud das kleine aber feine Open-Air Festival von Klosterneuburg in den stimmungsvollen Rahmen des Kaiserhofes von Stift Klosterneuburg, diesmal zu einem romantischen Operngenuss mit Verdis La Traviata. Wiener Opernfreunde oder die touristischen Besucher dieser Stadt stehen ja, was Oper unter freiem Himmel betrifft, weiterhin vor leeren Brettern und Rängen und müssen ihr Heil – wenn man von dieser so nahen Bühne im Kaiserlichen Stift absieht – wieder viele und oft auch leere Kilometer im Bus oder PKW für Fahrten ins weite Umland absitzen.

Trotz der, allerdings wenigen und ausgelassenen Szenen aus dem Pariser Gesellschaftsleben, ist der Charakter dieses Werkes aus der sogenannten mittleren Schaffensperiode Verdis über “weite Strecken von nahezu kammermusikartiger Intimität einer Dreipersonenhandlung” * gekennzeichnet.

Nun scheut die Regisseurin Christiane Lutz in offenbarer Erkenntnis das sommerlich gestimmte und nicht leicht zu unterhaltende Publikum und wertet die Szenerie mit diversen Verdoppelungsmätzchen auf. Vor allem aber mit einem Rahmengeschehen der Beerdigungsgesellschaft zum Beginn, die mit der Versteigerung des Nachlasses der Toten (und natürlich den Abend mit ihrer Aufbahrung als “gefrorene” Szenerie genauso beendet) und weiters die heraufbeschworene Familientragödie des zweiten Aktes mit den Germonts, für die sie eine quasi Familienaufstellung beisteuert…

Zum Bericht von Peter Skorepa

Tiroler Festspiele Erl: DIE WALKÜRE  7.7.2018

Als 2.Premiere wird in Erl Wagners Walküre als Wiederaufnahme gespielt. Sie ist Teil der ‚Ring‘-Inszenierung, die vor ca. 20 Jahren das Festival im Passionspielhaus  mitbegründete, also im Prinzip dieselbe Inszenierung von Gustav Kuhn mit dem Bühnenbild von Jan Hax Halama und den Kostümen von Lenka Radecky. Unter Gustav Kuhn, der im Prinzip langsamere Tempi als gewohnt spielen läßt und dadurch eine sehr durchgehörte, fein geschliffene Wiedergabe erreicht, spielt das Orchester mit großer Verve bis zum finalen Feuerzauber. Man muß aber zugeben, daß Kuhn die Tempi gegen Ende wieder anzieht  und so doch unter einer Gesamtlänge von vier Stunden ohne Pausen bleibt.

Die SängerInnen haben’s aufs Ganze gesehen leichter, weil das Orchester ihnen im Rücken spielt, und sie nicht darüber hinweg singen müssen, dafür haben sie aber auch nie direkten Kontakt zum Maestro und müssen sich an die Videoprompter halten…

Zum Bericht von Friedeon Rosén

Bleiben wir bei „Die Walküre“, die damit zum zentralen Thema dieses Kommentars wird.

„DIE WALKÜRE“ in Sofia. Klaus Billand ist vor Ort

„Die Walküre“ in Sofia. Copyright: Svetoslav Nikolov

Klaus Billands Bericht ist in bulgarischer und englischer Sprache zu lesen.

Zum Kurzbericht von Klaus Billand

RETZ/ Festival /Stadtpfarrkirche: Johann Adolf Hasse: »I Pellegrini al Sepolcro di Nostro Signore« am 5.7.2018


»I Pellegrini al Sepolcro di Nostro Signore«: Bernarda Bobro (Eugenia) und Manuela Leonhartsberger (Albino) © Festival Retz/Claudia Prieler

Thomas Prochazka berichtet in seinem Gastkommentar (übernommen von www.dermerker.com): Das Festival Retz erfreut Musikfreunde auf Entdeckungsreise mit einer szenischen Fassung des erfolgreichsten Oratoriums von Johann Adolf Hasse. Dabei wird erfreulich erfrischend musiziert und gesungen…

Eine Überraschung: die Eugenia der Bernarda Bobro: Wer aufmerksam lauschte, hörte eine funktionierende, lyrische Sopranstimme in einer Qualität, wie man sie auch an ersten Häusern viel zu selten zu hören bekommt. Faszinierend, wie Bobros Stimme durch die Register turnte, ohne daß die Stimme unwillkürlich ihre Farbe änderte (wie es heute größtenteils der Fall ist). Wie die Projektion stimmte, wie klar die Stimme auch in der Höhe klang. Wie die gebürtige Slowenin eine Lehrstunde in legato-Kultur gab.

(Ich fragte mich, warum jemand mit dieser Stimme von den Häusern am Ring und an der Wien nicht für das lyrische Sopranfach angefragt wird: für ein Ännchen beispielsweise, eine Susanna, eine Violetta oder eine Lucia. Und gelangte zu der Erkenntnis, daß es wohl an den Besetzungs­büros liegen muß, welche bei ihren Planungen nur ausgewählte Agenturen zu berücksichtigen scheinen. Aber weil Intendanten Gesangswettbewerbe mit aktiver Talentsuche verwechseln, bleibt jenen der Weg an die ganz großen Häuser verwehrt. Stattdessen wird das Publikum dort mit Zweit- oder Drittklassigem abgespeist.)

Zum Bericht von Thomas Prochazka

Clemens Unterreiner ist wieder für eine „Rettungsaktion“ unterwegs, diesmal nach Finnland

Clemens Unterreiner als „Valentin“ in Savonlinna. Copyright: Savonlinna Festival

Nach seinen Premieren Rettungseinsätzen in Kopenhagen (Butterfly), Linz (Rosenkavalier) und der Wiener Staatsoper (Hänsel und Gretel) verschlug es ihn diesmal nun kurzfristig ins finnische Savonlinna. Unter dem Motto „Freunden hilft man“ sprang er mit nur einer Probe in der Faust Premiere beim renommierten „Savonlinna Opern Festival“ ein und begeisterte als souveräner Valentin das nordische Opernpublikum. Zur Seite stand ihm dabei Maestro Philippe Auguin mit dem er bereits schon öfters in Wien zusammenarbeiten konnte.

Konzertgänger in Berlin: Nacktgesangstoll – Sciarrinos „Ti vedo, ti sento, mi perdo“ an der Staatsoper
Mag sein, dass Jürgen Flimm insgesamt ein paar Jahre zu viel intendantiert hat, aber zu seinen unbestreitbaren Verdiensten an der Staatsoper Unter den Linden gehört die hartnäckige, ja penetrante Salvatore-Sciarrino-Promotion. Denn mit Sciarrino wird man nie einen Volksblumentopf gewinnen; und ein dereinstiges Sciarrino-Public-Listening auf dem Bebelplatz vermag man sich auch in hundert Jahren nicht vorzustellen. Aber in die sonntägliche Hitze passt die Premiere von Ti vedo, ti sento, mi perdo ganz gut.
https://hundert11.net/so2018-sciarrino-ti-vedo/

Musik-Ermöglicher
Peter Ruzicka feiert im Literaturhaus seinen 70. Geburtstag
http://www.sueddeutsche.de/kultur/komponist-musik-ermoeglicher-1.4045192

Vermutungen über Johann S. Bach als Opernkomponist
Unter den Sommerfestivals nimmt jenes in Retz eine Sonderstellung ein. Hier pflegt man rares Repertoire – und spielt heuer Hasse
Die Presse

Berlin/ Deutsche Oper: „Il viaggio a Reims“- „Man kann die Welt einen Käfig voller Narren nennen“
Kann man heutzutage noch eine Krönungsoper für einen französischen Monarchen des frühen 19. Jahrhunderts aufführen? Ist das noch relevant? Findet das Publikum einen Zugang dazu? Jan Bosses Inszenierung von Gioacchino Rossinis „Il viaggio a Reims“ (1825) zeigt: Auf jeden Fall und überhaupt gar nicht.
Gabriel Pech berichtet aus der Deutschen Oper Berlin.
https://klassik-begeistert.de/gioacchino-rossini-il-viaggio-a-reims

Ein Kritiker lässt tief blicken! Gerhard Bauer aus Wien arbeitete in Köln

 

Wer sein ganzes Leben lang geschrieben hat, tut sich schwer mit dem Aufhören. Gerhard Bauer, Jahrgang1940 aus Wien, der seinen Wohnsitz vor nicht weniger als 48 Jahren nach Köln verlegt hat, war sein Leben lang Kulturjournalist. Als solcher hat er etwas zu erzählen, und er tut es – damit der Ruhestand nicht ganz so ruhig ist – in dem Buch „Huch, ein Kritiker!“

…Bauer, die Musikkritiken schrieb, vor allem über Konzerte, auch über Oper, erregte sich mit pointierten Formulierungen Ärgernis, es regnete auch Beschwerden, einmal flog er beim „Kölner Stadtanzeiger“ auch raus und verbrachte ein angenehmes Jahr im kleinen Flensburg, bevor man ihn wieder holte, weil sein Nachfolger offenbar viel schlimmer war als er…

Renate Wagner hat dieses Buch gelesen und rezensiert: Zur Besprechung

ORF: Schauspieler Manker beschimpft die Mitglieder der österreichischen Bundesregierung als „Dreckskerle“ und die Salzburger Festspielpräsidentin sitzt daneben und reagiert „sehr verhalten“

Foto: Youtube

Bevor mir wieder ein Anwaltsbrief ins Haus flattert, verweise ich auf das untenstehende Video. Ab Minute 43 können Sie die Ausritte des Herrn Manker und die „Reaktion“ der Festspielchefin erleben und selbst beurteilen.

Es ist eigentlich ein Skandal, der seinesgleichen sucht. Schauspieler Paulus Manker bezeichnet bei einer Diskussion mit Barbara Stöckl die österreichische Regierung (nicht bloß Einzelpersonen, selbst „Der Standard“ spricht von „Rundumschlag gegen die Regierung„) wörtlich als „Dreckskerle“, die Salzburger Festspielpräsidentin sitzt daneben, macht einen kleinlauten Einwurf („aber Sie können doch nicht alle Regierungsmitglieder als Dreckskerle bezeichnen“ – selbst dieser Einwurf kann nicht unumstritten bleiben) ), wird von Herrn Manker, der unbeirrt weiterredet – gar nicht zur Kenntnis genommen, distanziert sich in weiterer Folge auch nicht von der Manker-Meinung und redet über Religion weiter. Frau Stöckl hatte zumindest den Anstand, sich für „unqualifizierte Bemerkungen eines Gastes“ zu entschuldigen. Frau Rabl- Stadler, die einige dieser als „Dreckskerle“ bezeichneten Regierungsmitglieder bei den von ihr präsidierten Festspielen begrüßen wir müssen (weil der Bund Subventionen für die Festspiele locker macht), verlor kein weiteres Wort darüber, tat so, als wäre nichts gewesen!

Wie hätte ich reagiert? Wenn mein Einwand ganz einfach weggewischt und eigentlich total ignoriert wird, wäre ich aufgestanden und hätte diese Diskussion unter Protest verlassen. Als Mensch mit Anstand muss ich so reagieren und habe das auch bereits so praktiziert.

Aber Frau Präsident Dr. Rabl-Stadler blieb sitzen!

Bei mir ist Fremdschämen angesagt. Für wen schäme ich mich? Nicht für Herrn Manker, der hat das abgeliefert, was man von ihm erwartet hat. Für den vergeude ich kein Fremdschämen. Auch nicht für Frau Stöckl, denn die hat zumindest versucht, Herrn Manker einzubremsen (allerdings mit wenig Erfolg). Wer bleibt dann für mein Fremdschämen übrig, Frau Präsident?

Sehr geehrte Frau Präsident,  Ihr Verhalten bei dieser Diskussion war für mich erschütternd und macht mich fassungslos!

A.C.

Sehen Sie unten diese Diskussion. Für den Fall, dass diese bald aus der Mediathek verschwindet (sie ist ja kein Ruhmesblatt für den ORF) kann ich (auch mich) beruhigen – die Diskussion wurde von mir auf DVD gebannt!

Ab Minute 43 wird es interessant:

https://tvthek.orf.at/profile/STOeCKL/5459541/STOeCKL/13982045/STOeCKL/14328849

Der deutsche Springreiter Hans Günter Winkler ist heute 91jährig gestorben. Einen Nachruf von Heinrich Schramm-Schiessl bringen wir in unserer morgigen Ausgabe

 

Wien/Ottakring: Verletzte bei Ausschreitungen nach Kroatien-Sieg bei der Fußball-WM
Polizei berichtet von zahlreichen Festnahmen und schwerverletzten Personen bei den Feiern nach Elferschießen gegen Russland.
Kurier

In einer Woche ist dieses Spektakel, das auch einige Peinlichkeiten bot (so auch die Äußerung eines kroatischen Spielers gegen das Gastgeberland, die angesichts der Tatsache, dass die Kroaten noch zwei Spiele zu absolvieren haben, als besonderer Geistesblitz gelten kann), zu Ende. Selbst als Fußballfan begrüße ich das Ende der WM. Vier Wochen Weltmeisterschaft – das ist eindeutig zuviel!

Haben Sie einen schönen Tag!

A.C.

 

Diese Seite drucken