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9. APRIL 2020 – Donnerstag (Gründonnerstag)

09.04.2020 | Tageskommentar

Am Gründonnerstag: PARSIFAL an der Wiener Staatsoper. Auch heute wieder – allerdings als Stream. Es ist eine Aufzeichnung aus 2015

Vorschau auf das Osterwochenende: 4 MAL PARSIFAL (heute Wien, morgen Palermo  – eine hochinteressante Inszenierung), Samstag tagsüber Metropolitan Opera mit Kaufmann, Montag Salzburg/ Osterfestspiele).

EXCLUSIV: ABSAGEBRIEF DER WIENER STAATSOPER AN ALLE GAST-SOLISTEN

Ich halte Fest: Direktor der Wiener Staatsoper ist immer noch Dominique Meyer. Wir befinden uns im Meyerreich innerhalb Österreichs! Bei Kammersänger-Ehrungen war Dominique Meyer anbiedernd bis zum „Geht nicht mehr“. Nun schickt er aber seinen Gastsolisten – darunter auch etliche Kammersänger – folgenden Brief:

 

 

Mit großem Bedauern müssen wir Ihnen mitteilen, dass in dieser Spielzeit bis 30. Juni 2020 leider keine Vorstellungen in der Wiener Staatsoper mehr stattfinden können. Die Schließung des Hauses für das Publikum tut uns sehr leid, jedoch müssen auch wir die Notwendigkeit dieser rigorosen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie akzeptieren.

Gemäß der aktuellen Verlautbarung der Österreichischen Bundesregierung und aufgrund der einschlägigen Gesetze, Verordnungen und Erlässe sind sämtliche Vorstellungen bis Saisonende von der Schließung betroffen und müssen (inklusive den dazugehörigen Proben) bedauerlicherweise entfallen.

  • 7 Absatz 5. des Gastvertrages sieht vor, dass im Falle höherer Gewalt der Honoraranspruch erlischt; bereits entstandene Reisekosten sowie ein allfälliges Probenhonorar (für in der Wiener Staatsoper bereits geleistete Proben) werden erstattet. Zur Erläuterung: Höhere Gewalt ist ein von außen einwirkendes elementares und außergewöhnliches Ereignis, das auch mit äußerster Sorgfalt nicht verhindert werden kann. Die Schließung des Veranstaltungsbetriebs aufgrund der Corona-Pandemie fällt in diese Kategorie und stellt somit einen Fall höherer Gewalt im Sinne des § 7 Absatz 5. des Gastvertrages dar.

Es ist uns bewusst, dass dies gerade für Künstlerinnen und Künstler eine äußerst schwierige Situation darstellt, und wir bedauern, dass wir Ihnen keine besseren Nachrichten übermitteln können.

Wir hoffen und wünschen uns, dass wir alle diese außergewöhnliche und weltweite Krise bald überstanden haben. Das Wichtigste aber ist: Bleiben Sie gesund! (Zitat Ende)

Zum Begriff „Höhere Gewalt“ fehlt noch etwas, nämlich der Begriff „Unvorhersehbarkeit“. Da werden die Meinungen auseinandergehen, denn unvorhersehbar ist eine Epidemie, die bereits im November erstmals aufgetreten ist, nicht! Aber das betrifft wiederum nicht die Wiener Staatsoper, die ist rechtlich „aus dem Schneider“. Die Anwälte der Künstler mögen sich an der Regierung schadlos halten!

Auszug aus dem „Münchner Merkur“: Die Situation ist tatsächlich pikant. Während Opernhäuser und Theater reihenweise Aufführungen kippen, schauen die dafür engagierten Gastkünstler in die Röhre – im Gegensatz zu fest angestellten Ensemblemitgliedern. Das bedeutet: Da die Gastgagen im Budget eingeplant sind und nicht ausgegeben werden, ist das für die Häuser, die auch in der Krise ihre vollen Zuschüsse erhalten, de facto eine Ersparnis. „Höhere Gewalt“ wegen Corona wird geltend gemacht – für die in ihrer Existenz bedrohten freien Künstler heißt das: „Pech gehabt“…

Doch dagegen regt sich Widerstand: … Einer der Sänger, die sich mit dieser Situation nicht abfinden möchten, ist Johannes Martin Kränzle. Der Bariton wollte im Bayreuther Sommer eigentlich wieder der Beckmesser in den „Meistersingern“ sein und hofft noch (wohl vergeblich) auf die Titelrolle von Messiaens „St. François“ im Mai in der Elbphilharmonie. Er hat in Verbindung mit der Künstlerplattform Theapolis.de auf Facebook einen Aufruf an Kollegen gestartet, man möge doch zusammentragen, welche Theater trotz Corona-Ausstand ihren Gästen wie viel zahlen – und welche nichts…

…Sehr Unterschiedliches ist dabei herausgekommen. So zahlt das Münchner Volkstheater den Gästen trotzdem 80 Prozent der Gage für gestrichene Abende. Hundert Prozent überweisen zum Beispiel die Häuser in Hof, Münster, Basel, Kopenhagen, London und das Landestheater Niederbayern. Paris zahlt für eine Vorstellung und für die restlichen einer Serie einen Teilbetrag, Darmstadt ist mit 50 Prozent dabei, und das Haus im reichen Monaco belässt es bei Spesen und einer kleinen Abfindung.

Auch andere, teilweise hochrenommierte Häuser zeigen sich generös. Allerdings wollen sie dies nicht publik machen. Zum einen, weil sie damit von den Vorgaben der jeweiligen Ministerien abweichen. Und zum anderen, so argwöhnen die Künstler, weil sie damit den knausrigen Kollegen vergleichbarer Theater nicht in den Rücken fallen möchten. „Mich stört es, wie uneinheitlich hier vorgegangen wird“, sagt Kränzle. „Wäre es nicht ein fairer Kompromiss, wenn der Schaden von beiden Parteien, den Veranstaltern wie den Ausübenden gleichermaßen geschultert wird? Also 50 zu 50 Prozent?“

Keine Gage bei abgesagten Abenden: Sparen auf Kosten der Künstler
Opernhäuser und Theater können derzeit nicht spielen. Doch warum zahlen die Häuser ihren Gastkünstlern, die nichts dafür können, keinen Euro? Manche immerhin geben sich generös.
Münchner Merkur

Wir halten also fest: Die Wiener Staatsoper wird auf der „schwarzen Liste“ der Sänger landen. Bei feierlichen Anlässen erlebten wir die tollsten Lobhudeleien und Umarmungen, nun aber heißt es auf gut Wienerisch „schmecks“ (und zum Glück keine Umarmung). Für Nicht-Wiener eine kleine Sprachbelehrung aus dem Volkswörterbuch: schmecks“ (erschnüffle es dir doch selbst), denkste, Fehlanzeige

Natürlich kam bereits die erste böse Reaktion herein: „Der Operndirektor kann gar nicht anders, Sie sind ihm gegenüber wieder einmal ungerecht“. Nun, ich gehe davon aus, dass kulantere Direktoren (Beispiele oben angeführt) wegen ihrer Handlungsweise nicht im Kriminal landen werden. Was geschieht übrigens wirklich mit den eingesparten Gastgagen?

Die Anmeldung zur Kurzarbeit von 272 Mitarbeitern der Salzburger Festspiele wurde von Herrn Lukas Crepaz, seines Zeichens Geschäftsführer und somit der hierfür Befugte,  durchgeführt . Auffallend ist jedoch, dass Frau Präsident und Herr Intendant nur bei „Schönwetter“ auftreten.

Salzburger Festspiele melden Mitarbeiter zur Kurzarbeit an
242 Mitarbeiter werden zur Kurzarbeit angemeldet. Die Osterfestspiele und Pfingstfestspiele wurden abgesagt. Ob die Festspiele im Sommer stattfinden können, weiß man noch nicht.
Die Presse

Sehr zuversichtlich klingt das in Bezug auf die heurigen Sommerfestspiele nicht!

Salzburger Festspiele: Wenn nicht heuer, dann nächstes Jahr
https://www.krone.at/2132338

Düsseldorf: Statt Wagner-Oper: Video-Talk zu Hause beim Dirigenten
Die Oper am Rhein in Düsseldorf und Duisburg kann wegen der Corona-Pandemie den „Ring des Nibelungen“ derzeit nicht aufführen und startet stattdessen eine Gesprächsrunde im Internet über den Opern-Zyklus von Richard Wagner. Der Video-Talk finde bei Generalmusikdirektor Axel Kober zu Hause statt, teilte die Oper am Dienstag in Düsseldorf mit. Wagner-Experte Kober, der sonst dirigiert, werde sich mit Spielleiter Dorian Dreher und Gästen unterhalten. Vier Termine sind geplant
Sueddeutsche Zeitung

Bayreuth: Eva Wagner-Pasquier wird 75: „Bayreuth ist meine Heimat“
Kurier

Bayreuths Ring-Regisseur Valentin Schwarz: „Auf Wagner-Entzug gesetzt“
Eigentlich wäre Regisseur Valentin Schwarz gerade mitten in den Proben für den „Ring“ bei den Bayreuther Festspielen. Doch wegen des Coronavirus wurden alle Vorstellungen abgesagt. Richard Wagners Tetralogie soll voraussichtlich erst 2022 wieder auf dem grünen Hügel gezeigt werden. BR-KLASSIK hat mit Valentin Schwarz, der gerade zu Hause in Stuttgart ist, über die Situation in Bayreuth gesprochen.
BR-Klassik

GESAMTE OPERN IM RUNDFUNK 9. – 15. APRIL 2020

(Diese Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern bezieht sich ausschließlich auf die untenstehenden Sender). Kurzfristige Programmänderungen der Sender vorbehalten!
Alle Zeiten MEZ.

 

11.4. RITRATTO (aus Amsterdam, Aufnahme v. 13.3.) Rsadio 4Hilversum-19 Uhr*
DIE TOTE STADT (aus Mailand, Aufnahme vom 28.5.2019) Bayern 4-19.05 Uhr
DON CARLO (aus Salzburg, Aufnahme v. 26.7.1958) ORF Ö1-19.30 Uhr
STREET SDCENE (aus Leeds, Aufnahme v. 18.1.) BBC 3-19.30 Uhr
I CAPULETI E I MONTECCHI (aus Rom, Aufnahme v. 23.1.) HR 2-20.04 Uhr

Renée Fleming and Evgeny Kissin – Ave Maria

 

ZUM YOUTUBE-VIDEO

TTT meckert: Freigabe der Vernichtung lebensunwerten Lebens!

Früher Rassenhygiene – heute Altershygiene? Konzentrierte Behandlung von Risikogruppen in der Corona – Zeit

Die verhängnisvolle Publikation von 1920 von Professor Karl Binding (1840-1920) Alfred Hoche (1865-1943) adaptiert zur NS – Philosophie feiert fröhliche Urständ!

Die Schrift von Binding und Hoch gilt als publizistischer Wegbereiter für die NS -„Euthanasie“. Binding betonte zwar, dass „dem Rechte nichts übrig bleibe, als den lebenden Menschen als Souverän über sein Dasein und die Art des desselben zu betrachten“ , begründete damit aber die Argumentation der Nationalsozialisten: Man nehme „mit Schmerzen wahr, … welch Maß von oft ganz nutzlos vergeudeter Arbeitskraft, Geduld, Vermögensaufwendung wir nur darauf verwenden, um lebensunwerte Leben“ zu erhalten!“

Die auch von manchem Politiker vorgetragenen Überlegungen, bestimmte Altersgruppen aus seuchenrelevanten Gründen einer konzentrierten Behandlung zu unterziehen schließt ja nahtlos an menschenverachtende Zeiten an. (Zitat Ende, mehr in unseren heutigen „Infos des Tages“)

Dieses Beispiel zeigt, wie sehr diverse Vorschläge, Aktivitäten in dieser hysterischen Zeit missverständlich ausgelegt werden können. Wenn mit „Bedacht auf die ältere, gefährdete Generation“ besondere Hilfestellungen wie Einkaufsdienste etc. angeboten werden, um sie vor unnötigen Kontakten in den Einkaufszentren zu schützen, ist das positiv zu sehen. Dazu gibt es ehrenamtliche Dienste, bei mir in Meidling hängen Plakate herum. Ich werde – obwohl altersbedingt quasi anspruchsberechtigt – die Hilfe nicht annehmen, ich gehe  zweimal am Tag mit dem Redaktionshund den einen Kilometer von der Wohnung in die Redaktion/Galerie und wieder zurück, hole dabei noch die Tageszeitungen – und spreche dabei mit niemand. Ich bin noch in der Lage, mich selbst zu schützen, dazu brauche ich keinen Politiker.

Angst ist mir fremd, Respekt habe ich schon. Ich fürchte, dass die derzeitige Situation die Menschen, wenn sie aus ihrer (beabsichtigten, gesteuerten?) Angststarre erwacht sind, weit mehr entzweien wird, als das derzeit absehbar ist. Dann nämlich, wenn die Menschen unmittelbare Auswirkungen auf die eigene Person zu spüren beginnen. Dann ist sich jeder wirklich selbst der Nächste. Hoffentlich fallen sie dann nicht wie Wölfe übereinander her!

INSTAG(K)RAMEREIEN – gefunden von Fritz Krammer

Einer im Hausarrest, der es sich auch leisten kann: ROGER FEDERER (Tennis-Profi). Bitte nicht mit Künstler verwechseln, diese haben eben Pech gehabt und können nicht so gut Tennis spelen.

 

ZU INSTAGRAM

Roger Federer hält sich mit Heim-Training fit!

 

ZUM INSTAGRAM-VIDEO

AUS SUNE MANNINENS MIKKELI-KALENDER

Sune Manninen hat im Vorjahr einen „Mikkeli-Kalender“ erstellt und wir dürfen Ausschnitte verwenden. Dieses Angebot nehmen wir gerne an und veröffentlichen in unregelmäßigen Abständen. Eine lange Durststrecke steht ja uns Kulturmagazinen bevor.

Das Mikkeli Music Festival ist ein internationales Musikfestival in Mikkeli, Finnland, das Musiker und Publikum aus ganz Europa anzieht. Die Mariinsky-Oper unter der Leitung von Valery Gergiev trat dort regelmäßig auf, und das Festival wird manchmal als Gergiev-Festival bezeichnet. Wikipedia
 Adresse: Sointukatu 1, 50100 Mikkeli, Finnland

Telefon: +358 44 7943911

Copyright: Archiv Sune Mannninen

Seppo Heikinheimo, a well-respected musicologist and journalist, and Valery Gergiev met for the first time at a press meeting for a guest appearance of the then so called Kirov Opera in Helsinki. After this meeting they both had- in Gergiev’s words – the wish to spend more time together. Therefor Gergiev accepted Heikinheimo’s invitation to stay on his way back to St. Petersburg in his house in Hirvensalmi. There, between sauna and swimming in the lake, he was told, that in Mikkeli, 42 kms far from Hirvensalmi, a new concert hall was built, where Heikinheimo had planned to create a Chamber Music Festival. Gergiev became immediately interested and asked to check the venues. They went to Mikkeli, checked the acoustics in the Concert Hall Mikaeli, but also in the two churches, and Gergiev suggested to start here an International Music Festival, run by his Mariinsky Company. It started in 1993, the same year as the world-famous St. Petersburg festival “Stars of the White Nights”.

Covid-19-Gesetz: Sechs Beschwerden bei Höchstgericht
Das Covid-19-Maßnahmengesetz beschäftigt den Verfassungsgerichtshof (VfGH). Mehrere Anwälte haben Anträge dagegen eingebracht. Zuletzt forderte ein Anwalt aus Wien im Namen einiger Klienten die Aufhebung des Gesetzes.
https://wien.orf.at/stories/3043172/

Österreich
Reisefreiheit bleibt länger eingeschränkt, Matura nur schriftlich ab 25. Mai
Für 36 Staaten gilt eine volle Reisewarnung. Gastronomie, Hotellerie und Freizeitwirtschaft sollen voraussichtlich ab Mitte Mai wieder starten. Urlaub in Österreich soll Tourismus wiederbeleben. Die AUA verhandelt über 750 Millionen Euro Staatshilfe
Der Standard

Zurück in die Normalität? Wie andere Länder die Maßnahmen lockern
Kinderkrippen öffnen in Dänemark, in Tschechien wird wieder Tennis gespielt – und in Wuhan darf man wieder verreisen. Ein Überblick.
Kurier

Unabhängigkeit der Weltgesundheitsorganisation gefährdet: Was gesund ist, bestimmt Bill Gates
80 Prozent ihres Budgets bezieht die Weltgesundheitsorganisation (WHO) inzwischen aus zweckgebundenen Spenden. Damit üben die Geldgeber maßgeblichen Einfluss aus – und bringen oft eigene wirtschaftliche Interessen mit.
https://www.deutschlandfunkkultur.de/unabhaengigkeit-der

Abseits von Corona:
USA
Bernie Sanders macht Weg frei für Joe Biden
Der demokratische Sozialist gab auf. Das Duell bei der Präsidentschaftswahl am 3. November heißt somit Trump gegen Biden.
https://www.diepresse.com/5797888/bernie-sanders-macht-weg-frei-fur-joe-biden

Einen schönen Tag wünscht A.C. Bleiben Sie gesund!

 

 

 

 

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