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8. SEPTEMBER 2020 – Dienstag

08.09.2020 | Tageskommentar

Wiener Staatsoper: Eröffnungspremiere „Madama Butterfly“ . Doch noch etwas Luft nach oben. Foto: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Renate Wagner beginnt die Schilderung ihrer Eindrücke wie folgt: Es war natürlich kein Abend wie alle anderen. Zwar hat der Auftakt einer neuen Direktionsära immer sein besonderes Flair – aber auf die Zugaben, die Corona zur Eröffnungspremiere der Ära Roscic lieferte, hätte man gut und gern verzichten mögen. Und dennoch muss man dankbar sein, dass die Wiener Staatsoper spielt, wenn auch mit halb besetztem Haus, wenn auch mit Mini-Stehplatz (dafür dürfen im Parterre diejenigen, die eine Karte erwischt haben, auf eigenes zwischen den Stangen aufgestellten Stühlen sitzen!), wenn auch mit „Maske“ vorher und in der Pause. (Dergleichen gilt für blonde Adabei-Diven natürlich nicht, die in der Pause ihre Umwelt ohne Maske und Abstand anfauchte, aber mit so einem MNS wird man ja womöglich nicht erkannt, und wozu geht man sonst in die Oper?)…

Selbst wenn man die 15 Jahre alte Inszenierung zumindest aus der „Met im Kino“ schon ein paar Mal gesehen hat (am hinreißendsten mit dem Traumpaar Krstina Opolais und Roberto Alagna), fasziniert sie optisch immer wieder. Denn da ist Anthony Minghella, dem mittlerweile auch schon verstorbenen britischen Regisseur (Filmfreunde erinnern sich zumindest an seinen „Englischen Patienten“), etwas Besonderes geglückt. Modern und zeitlos zugleich.

Und dabei hat der Regisseur, dessen Arbeit von seiner Witwe, der aus Hongkong stammenden Regisseurin und Choreographin Carolyn Choa realisiert wurde, keinesfalls die Geschichte vernachlässigt oder das „Japanische“ eliminiert – im Gegenteil. Er benützte die klassischen Elemente dessen, was man mit Japan verbindet, seien es Fächer oder Lampions, Paravants oder Blütenblätter, nicht nur als Stimmung bildende Accessoires, sondern auch als dramaturgische Aussage. Dabei verstärkt das minimalistische, aber durch Deckenspiegel oft raffiniert gedoppelte Bühnenbild von Michael Levine die irisierenden Effekte, und die Kostüme (Han Feng) sind eine ebenso herausfordernde Pracht wie der Einsatz von Solotänzern, wobei etwa im dritten Akt eine Butterfly-Puppe das tragische Schicksal vorwegnimmt, das die originale Butterfly, starr in Erwartung des Geliebten, voraus ahnt…

Zum Premierenbericht von Renate Wagner

Asmik Grigorian, Freddie de Tommaso. Foto: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Heinrich Schramm-Schiessl liefert ebenfalls eine Premierenkritik: ...Asmik Grigorian, vor zwei Jahren von manchen gefeierte Salome der Salzburger Festspiele, gab ihr Hausdebut als Cho-Cho-San. Ihre breite Mittellage ermöglicht ihr, diese Partie über weite Strecken problemlos zu bewältigen, wo bei zu bemerken ist, daß die Höhen meist sehr spitz klingen. Allerdings gelang es ihr leider nicht, die Rolle auch stimmlich zu gestalten. Sie hat zumindest mich eigentlich keinen einzigen Moment wirklich berührt. Der Pinkerton Freddie De Tommaso war keineswegs der Wunderknabe, als der er von manchen Besuchern der Generalprobe geschildert wurde. Er hat ein mittelmäßig interessantes Timbre mit sicherer Höhe, an der Technik wird allerdings noch zu arbeiten sein. Leider ist er darstellerisch etwas phlegmatisch und zeigt nicht einmal im Liebesduett Leidenschaft. Boris Pinkhasovich als Sharpless singt zwar einige Passagen recht schön, andere weniger und bleibt darstellerisch eher blass. Virginie Verrez bemüht sich zwar sehr um die Suzuki, vermag es aber nicht, so manches früheres Ensemblemitglied in dieser Rolle vergessen zu machen…

Zum Premierenbericht von Heinrich Schramm-Schiessl

Asmik Grigorian mit den Puppenspielern. Foto: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Wie gewohnt legt Thomas Prochazka den strengsten Maßstab an. Das sind wir gewohnt, wissen es zu werten

…Dieser Abend: eine Enttäuschung.
(Man ist dazu da, die Wahrheit zu künden.)

Zum Premierenbericht von Thomas Prochazka: http://www.dermerker.com/index.cfm?objectid=10123380-F011-11EA-BA1D005056A64872

Sebastian Kranner war so angetan, dass er das nochmalige Hochgehen des „Eisernen“ erzwang:Nach zwei Vorhängen ging schon der Eiserne herunter, aber ca 1/4 des Publikums ließ es sich nicht nehmen einfach weiter zu klatschen, einige Minuten lang. Es war ein herrliches Gemeinschaftsgefühl. Und tatsächlich ging der Eiserne nochmal hoch und die Künstlerinnen und Künstler wurden, offensichtlich berührt, noch einmal gefeiert, bevor dann aber Schluss war… (Zitat Ende)

Ich habe mir diese Premiere im Fernsehen angeschaut. Aus meiner Sicht war es eine gute, interessante Eröffnungsvorstellung, aber von einer Sternstunde bzw. gar Sensation ebensoweit entfernt wie von einem Flop. Sensationen soll man nicht ankündigen, weil angekündigte Sensationen nie stattfinden. Der Herr ORF-Schneeberger hat gejubelt, was das Zeug hielt und ich bin froh, dass ich mir mein Geld nicht auf diese Art verdienen musste!

Österreich
Die Oper als Symbol für Lebenswillen der Republik
Der neue Direktor Bogdan Roščić beweist bei seinem Programm viel Feingefühl: Am ersten Abend Puccinis melodramatische „Madama Butterfly“, heute die mythische „Elektra“ von Richard Strauss.
Oper ist nicht jedermanns Sache. Aber das Haus am Ring ist mehr als Musik. Es ist auch ein Symbol für den Lebenswillen der Republik.
https://www.krone.at/2225059

WIENER STAATSOPER: AB HEUTE: WIEDERAUFNAHME DER „KUPFER-ELEKTRA“

Mit der Wiederbelebung der Kupfer-Inszenierung ist Bogdan Roscic ein Coup gelungen, der ihm Punkte beim Publikum bringen wird. Der  Vorgänger hat ja gesagt, dass sich die Kupfer-Inszenierung „technisch nicht mehr realisieren lässt (bereits in ihre Bestandsteile zerfällt). Man soll also auch Operndirektoren nicht alles glauben. Pech hatte Uwe Eric Laufenberg, denn es gibt schlechtere Inszenierungen im Wiener Repertoire. Nur hat man in diesen Fällen eine besonders gute aussortierte Inszenierung nicht bei der Hand. Wenn Herr Meyer mit Mozart-Werken nach Japan getourt ist, hat er auch im Fundus gekramt.

Sechs Jahre lang musste das Publikum der Wiener Staatsoper auf Franz Welser-Möst verzichten. Mit der »Elektra« -Wiederaufnahme am 8. September kehrt er nun bereits am zweiten Tag der Spielzeit zurück an seine ehemalige Wirkungsstätte.

 

Copyright: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Als erste Wiederaufnahme der neuen Spielzeit steht Elektra – szenisch von der Kupfer-Mitarbeiterin Angela Brandt neu aufbereitet – ab 8. September wieder am Spielplan. Zu hören ein außerordentliches Damenterzett: Erstmals singt KS Ricarda Merbeth im Haus am Ring die Titelpartie, KS Camilla Nylund debütiert als Chrysothemis, Doris Soffel als Klytämnestra. In der Partie des Orest stellt sich Derek Welton, der heuer bei den Salzburger Festspielen größte Erfolge feierte, dem Wiener Staatsopern-Publikum vor.

Zuletzt noch einmal Kupfer, der am 30. Dezember 2019, im Alter von 84 Jahren, starb, zu der Frage nach seinem Antrieb und Credo: „Ich möchte alle Fragen der Welt in dieser schönen, totalen Kunstform, der Oper, durchspielen, um dabei Vorschläge zu machen für das Zusammenleben der Menschen.“

WIENER STAATSOPER – EISERNER VORHANG 2020/21: »QUEEN B (MARY J. BLIGE)« VON CARRIE MAE WEEMS
EDITION UND SONDERAUSSTELLUNG

Ab gestern, dem Tag der „Butterfly-Premiere, wird das Publikum beim Betreten des Zuschauerraumes mit einem  kolonialismuskritischen Stillleben konfrontiert.

Der Saison-Eiserne. Foto: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Für den dreiundzwanzigsten »Eisernen Vorhang« in der Wiener Staatsoper wählte die Jury (Daniel Birnbaum, Hans Ulrich Obrist und seit diesem Jahr auch Bice Curiger) die international renommierte USamerikanische Künstlerin Carrie Mae Weems aus. Ihr Werk »Queen B (Mary J. Blige)« kann von 7. September 2020 bis Anfang Juni 2021 vom Publikum vor und nach den Aufführungen sowie in den Pausen wahrgenommen werden. »Eiserner Vorhang« ist eine von museum in progress (mip.at) konzipierte und in Kooperation mit der Wiener Staatsoper realisierte Ausstellungsreihe, die seit 1998 den eisernen Vorhang in einen Ausstellungsraum zeitgenössischer Kunst verwandelt. Die Großbilder (176 m2) werden mit Magneten auf der Brandschutzwand fixiert.

Anlässlich des Projektes ist im museum in progress eine limitierte und signierte Edition von Carrie Mae Weems erhältlich. Durch ihren Erwerb leisten Kunst- und Opernfreunde einen wichtigen Beitrag zurFortsetzung der Ausstellungsreihe »Eiserner Vorhang«. Subskription bis 7. September im museum in progress unter: mip.at/shop/mjb-reflection bzw. office@mip.at.

Neuer Eiserner Vorhang in der Wiener Staatsoper
Wiener Zeitung

Eisenstadt
Herbstgold-Festival in Eisenstadt: Pilgerfahrt zu Papa Haydn
Das vierte Herbstgold-Festival auf Schloss Esterházy verspricht in Eisenstadt (von 9. bis 20. 9.) musikalische und kulinarische Höhepunkte
Der Standard

STADTTHEATER KLAGENFURT: ELEKTRA. Premiere 17. September 2020, 19.30 Uhr
Oper in einem Aufzug von Richard Strauss
Libretto von Hugo von Hofmannsthal
Premiere 17. September 2020, 19.30 Uhr

 

Das Stadttheater Klagenfurt startet die Spielzeit 2020/2021 am 17. September 2020 mit Elektra. Cesare Lievi wird die packende Oper von Richard Strauss inszenieren. Chefdirigent Nicholas Carter übernimmt die musikalische Leitung, in der Titelrolle ist Nicola Beller Carbone zu sehen. Das Kärntner Sinfonieorchester spielt, um die Covid 19 – Verordnungen einhalten zu können, auf der Bühne. Für die KünstlerInnen, MitarbeiterInnen und das Publikum wurde ein umfangreiches Präventionskonzept entwickelt.

Grafenegg: Ein Klangkörper und zwei Welten.  Wie Dirigenten ein Orchester beeinflussen können…
Das „spezielle“ Grafenegg-Festival 2020 schloss sozusagen mit einem „Philharmoniker-Block“ ab. Für den Abschluss konnte das Meisterorchester gewonnen werden, das sich im Abstand von nur zwei Tagen komplett unterschiedlich präsentierte. Die Konzerte standen auch voll im Zeichen des musikalischen Jahresregenten Ludwig van Beethoven.
Von Herbert Hiess
Klasssik-begeistert

DEUTSCHE OPER AM RHEIN: Opernsaison startet mit „Comedian Harmonists in Concert“

Premiere am 11. September im Theater Duisburg und 18. September im Opernhaus Düsseldorf

Parallel zur Premiere „A First Date“, dem ersten Ballettabend unter der neuen Leitung von Demis Volpi, feiert die Deutsche Oper am Rhein am 11. und 18. September auch den Start in die Opernsaison. „Comedian Harmonists in Concert“, eine Hommage an die großen Stars des Close-Harmony-Gesangs, hat am Freitag, 11. September, um 19.30 Uhr im Theater Duisburg und schon eine Woche später, am 18. Sep­tem­ber, um 19.30 Uhr im Opernhaus Düsseldorf Premiere. Unter der Leitung von Patrick Francis Chestnut präsentiert ein hochkarätiges Solisten­ensemble die beliebtesten Lieder der Comedian Harmonists. Die Moderation von Dirk Weiler schildert die Geschichte des Ensembles.

Wien/ Volksoper: „PETER PAN“  –  das Wiener Staatsballett ist zurück auf der Bühne! (5.9.)

Keisuke Nejime (Peter Pan), Suzanne Kertész (Tinker Bell). Foto: Wiener Staatsballett/ Ashley Taylor

Es wird wieder getanzt! Endlich ist die lange Zeit der Abstinenz vorüber und es gibt wieder Ballettvorstellungen – zur großen Freude von Publikum und Ballettensemble…

Hamburg
Ballett „Ghost Light“ in Hamburg: Das Virus führt Regie
BR-Klassik.de

Zum Bericht von Ira Werbowsky

Buchbesprechung

Besuchen Sie Renate Wagners BUCHRUBRIK

Thomas Blubacher: DAS HAUS AM WALDSÄNGERPFAD
Wie Fritz Wistens Familie in Berlin die NS-Zeit überlebte
192 Seiten, Verlag Berenberg, 2020

Der Name Fritz Wisten (1890-1962) strahlt nicht über die gesamte deutsche Theaterlandschaft, aber im Berlin der unmittelbaren Nachkriegszeit war er ein wichtiger Mann: Er leitete das Theater am Schiffbauerdamm, bis Bert Brecht es ihm im wahrsten Sinn des Wortes für sein Berliner Ensemble „entriß“, und er war der erste Direktor der damals neu errichteten Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, die in unseren Tagen durch Frank Castorf so viel Publicity und auch Ruhm geerntet hat.

Aber diese späte Karriere, gewissermaßen eine Wiedergutmachung für Erlittenes, steht nicht im Mittelpunkt des Buches von Thomas Blubacher. Dieser Autor, der u.a. eine höchst bemerkenswerte Biographie über Gustaf Gründgens geschrieben hat, erweist sich wieder einmal als Fachmann der deutschen Theatergeschichte voran des 20. Jahrhunderts, die ja nun einmal unvermeidlich mit der Zeitgeschichte Hand in Hand geht. Und so erzählt er in „Das Haus am Waldsängerpfad“, wie Fritz Wisten und seine Familie in Berlin die NS-Zeit überlebten. Und das ist eine so tragische wie interessante Geschichte, die viele, viele jüdische Schicksale umfasst…

Zur Buchbesprechung von Renate Wagner

Das Schweigen
Es mangelt in Deutschland an sachlicher Kritik an der Corona-Politik. Dabei gäbe es viel zu beanstanden. Dafür muss man nicht Verschwörungstheoretiker werden.
http://www.sueddeutsche.de/politik/kolumne-das-schweigen-1.5019477

Österreich
Gefrorene Nasen
Den heimischen Wirten muss unter die Arme gegriffen werden. Sie wissen auch schon, wie. Ob Inuits häufig unter Blasenentzündungen leiden? Die Medien berichten nichts darüber. Dies ermutigt die Lokalbetreiber dazu, auch in unseren Breiten zu verlangen, die Gastgärten im Winter offenhalten zu können.
DrehpunktKultur

Und wer zahlt für die Heizkosten? Die Wirte? Glaub ich nicht, die rechnen mit der Freigiebigkeit der Regierung auf Kosten der Steuerzahler

Der Schlauberger 16: Die Geldmasche – warum der goldene Mittel-Weg so beliebt ist…
Tritt den Sprachpanschern ordentlich auf die Füße! Gern auch unordentlich. Der Journalist und Sprachpurist Reinhard Berger wird unsere Kultur nicht retten, aber er hat einen Mordsspaß daran, „Wichtigtuer und Langweiler und Modesklaven vorzuführen“. Seine satirische Kolumne hat er „Der Schlauberger“ genannt.
Geld ist bä! Das nimmt man nicht in den Mund. Am besten auch nicht in die Hand. Sie dürfen höchstens mal dran schnuppern, denn angeblich stinkt es nicht. Aber es gibt eine Alternative. In einem Leserbrief erfuhr ich, dass Tierheime Finanzmittel brauchten. Aha, entfuhr es mir, die wollen Geld! Es traut sich nur keiner, das zu sagen.

…Erschreckend: „Betrunken, ohne Jacke und auf Socken hat eine Polizeistreife einen 53-Jährigen aufgegriffen.“ Betrunken, na gut. Aber nur auf Socken im Dienst, das geht gar nicht…
https://klassik-begeistert.de/der-schlauberger-16-klassik-begeistert-de/

Genießen Sie einen schönen Tag

A.C.

 

 

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