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8. SEPTEMBER 2018

08.09.2018 | Tageskommentar

Adrianne Pieczonka und Herbert Lippert als Ariadne und Bacchus an der Wiener Staatsoper. Copyright: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Karl Masek meint in seinem Bericht:

Mein Erinnerungsblatt zu „Ariadne“ seit November 1976 (die legendäre Premiere mit Karl Böhm, jene Vorstellung, bei der der Stern der Jahrhundert-Zerbinetta Edita Gruberová aufging) deutet an: Gerade bei diesem Werk waren es immer wieder Pultstars wie besondere Könner unter den so genannten Kapellmeistern, die für große Abende, für grandiose musikalische Ereignisse sorgten. Auch weil da mit dem Meisterensemble, vulgo Orchester der Wiener Staatsoper, dieses Geben und Nehmen, diese besondere Kommunikation stattfand. In alphabetischer Reihenfolge: Theodor Guschlbauer, Kirill Petrenko, Peter Schneider, Giuseppe Sinopoli, Horst Stein, Christian Thielemann, Franz Welser-Möst.

Es ist ein Werk der Zwischentöne, der musikalischen Andeutungen, des feinen Humors, der Nuancen. Es ist nicht für ein Riesenorchester komponiert, wie „Elektra“ oder „Die Frau ohne Schatten“. Gerade mal 36 Musiker/innen spielen da  im Orchestergraben.

Sechs Minuten Applaus, gerecht abgestuft Anzahl und Lautstärke der Bravorufe (Pieczonka, Fally, Koch). Dirigent und Orchester wurden höflich, aber ungewohnt zurückhaltend beklatscht, und Jubel gab’s diesmal nicht …
Zum Bericht von Karl Masek

WIENER STAATSOPER: DER FREISCHÜTZ ab HEUTE, Samstag, 8. September 

Hans-Peter Kammerer (Samiel). Copyright: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Die letzte Premierenproduktion der vergangenen Spielzeit, Carl Maria von Webers Der Freischütz, steht ab Samstag, 8. September 2018 wieder auf dem Staatsopernspielplan. Ihre Rollendebüts im Haus am Ring geben Christopher Ventris als Max, Anna Gabler als Agathe, Chen Reiss als Ännchen, Tomasz Konieczny als Caspar und KS Falk Struckmann als Eremit. Samuel Hasselhorn, neu im Staatsopern-Ensemble, gibt als Ottokar sein Debüt am Haus. Clemens Unterreiner ist als Cuno zu erleben, Gabriel Bermúdez als Kilian und KS Hans Peter Kammerer als Samiel.

Sebastian Weigle dirigiert erstmals Der Freischütz an der Wiener Staatsoper.

Wiener Staatsoper: CARMEN zur Saisoneröffnung

Drei Merker-Rezensionen stehen uns zur Verfügung. Was kann bei „Carmen“ schon viel schiefgehen – fragt sich manch Opernfreund. Nun, wirklich schiefgegangen ist wirklich nichts. Peter Skorepa hat eine erste Kritik verfasst (auch das eine Saisoneröffnung – diesmal für den Online-Merker“): …

Clémentine Margaine, französischer Mezzo mit Debüt an der Staatsoper, hübsch und eher zum mütterlichen Typ denn zum männermordenden Vamp neigend. Eine gut durchgebildete Stimme lässt Sie die chansonartigen Nummern des ersten Teils der Oper locker genug trällern, so wie auch die dramatischen Ausbrüche des zweiten Teils beachtenswerten Abplomb aufweisen.

Nur Psychologen unter den Zuschauern werden verstehen, was Don José in den menschlichen Betriebsunfall mit dieser Carmen führen konnte. Sucht der Schwächling seine Mutter, weil er bei Micaela den notwendigen Halt nicht findet? Marcelo Álvarez führt uns das Spiel der Verzweiflung dieses Zerrissenen vor. Dazu steht ihm ein gut tragender Zwischenfachtenor zur Verfügung, den er sehr offen, klangschön und ohne zu pressen erklingen lässt. Zusammen mit der Micaela von Anita Hartig erklingen im Duett mit dem Tenor die ersten berührenden Töne der Liebe, auch wenn es manchmal der Sopranistin nicht mehr ganz leicht fällt, ihren schönen Sopran auch leicht klingen zu lassen. Das gelingt ihr dann bei ihrer Arie schon besser…

Zum Bericht von Peter Skorepa

Thomas Prochazka urteilt meist sehr streng. Ich habe aber nicht das Gefühl, dass er unfair ist. Es ist wie bei den Preisrichtern im Eiskunstlauf: Wenn eine Jurorin/ein Juror kaum unter 5,7 greift, wird sie/er relativ beliebt sein. Es hilft aber auch niemand entscheidend weiter, wenn die Konkurrenz ebenso hoch bewertet wird. Ein anderer Preisrichter grundelt dann immer so um die 5.0 herum – und das hoffentlich auch genau abgewogen bei allen Bewerteten – unterm Strich ist die Wertung dann auch fair, bloß der „Richter“ wird nicht beliebt sein. Es geht lediglich darum, überall den gleichen Maßstab anzulegen.

Marcelo Alvarez (Don José). Copyright: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Saisoneröffnung an der Wiener Staatsoper: Sie strauchelt, doch sie fällt nicht. Vazierendes Volk ergötzt sich an den fast 40 Lenze zählenden, genuinen Bühnenbildern des Franco Zeffirelli und den Kostümen Leo Beis. Musikalisch erreicht der Abend Repertoire-Niveau. Insgesamt wenig überzeugend…

Zum Bericht von Thomas Prochazka

Ein weiterer Bericht (G. Kaltenbacher):

Fredrick Chaslin  erwies sich als neuer Dirigent der Carmen Produktion als ausgezeichneter Kenner und Umsetzer der Partitur. Schon die Ouvertüre geriet in feinsten Schattierungen und im „Prestissimo“ gepielt als Nouvum, da so, sehr selten gehört, absolut ein Gustostückerl war…

Zum Bericht

Das sahen seine „Vorkritiker“ anders. Deshalb habe ich auch gerne mehrere Besprechungen zur Auswahl. Jeder sieht es anders – und die Wahrheit hat niemand gepachtet. Der Leser kann sich aussuchen, wem er künftig Glauben schenkt!

Und dann gibt es noch die Presseberichte. Ich bin sicher, jeder findet die seiner Meinung nach passende Kritik

Wien/ Staatsoper
Ein Fest der Klangfülle
Staatsoper: Umjubelte „Carmen“ mit Erwin Schrott zum Saisonstart
Wiener Zeitung
„Carmen“ zu Saisonbeginn als solider Liebeswahn
Clémentine Margaine gibt an der Wiener Staatsoper eine engagierte und exakt singende, emotional Wankelmütige
Der Standard

WIEN/ Karlsplatz: CODE 1842: Ein geselliger philharmonischer Seitensprung 

CODE 1842 – ein neuer historischer Krimi aus dem Jahr 1842? Über die Umtriebe des Fürsten Metternich? Oder …. doch nein, nicht so leicht verständlich: 1842 ist das Gründungsjahr der Wiener Philharmoniker durch Otto Nikolai gewesen. Und ein Philharmoniker-Senior unserer Tage, Johann Hindler, beliebter und kontaktfreudiger Klarinettenprofessor der Wiener Musikuniversität, ist seinem geselligen Drang gefolgt und hat in ein neues Lokal ganz nahe der Staatsoper investiert. Nicht als Solist im Alleingang: Von einem in der Gastronomie erfahrenen Partner wird er dabei unterstützt.

Johann Hindler gut gelaunt: Der erfolgreiche Philharmoniker-Professor hofft auf eine erfolgreiche Szenewirt-Karriere. Foto: Manfred Stimez

Karlsplatz Nr. 1 soll es nun als gute Adresse für Opern- und Konzertbesucher wie für die musizierenden, singenden Kollegen des honorigen Professors aus der Steiermark heißen. Ein anderer Code für das Lokal: „Philharmonischer Operntreff“. Ein Klavier steht schon dort, fordert zum Aufspielen auf, und an willigen jungen frischen (und wohl auch brüchigeren) Stimmen wird es dazu gewiß nicht mangeln. Die Comedian Harmonists, die munter skandierenden Opernchoristen, haben zum Einstand jedenfalls froh gelaunt gesungen. Öffnungszeit ist von 16 bis 2 Uhr. Am Eingang ist zwar noch gut affichiert zu lesen: „… wird noch erfahrenes Personal aufgenommen.“ Getränke und Brotaufstriche werden jedenfalls bereits serviert, und zu erwarten ist, dass ein bisschen Mozart und Schubert sicher noch dazu kommt. (M.R.)

Erl/ Tirol: Christine Baur – Ombudsfrau bei den Festspielen Erl Ist Vertrauen möglich?
Machtmissbrauch, illegale Beschäftigung, sexuelle Übergriffe – die Vorwürfe sind zahlreich, die gegen die Festspielleitung und den Dirigenten Gustav Kuhn erhoben werden. Christine Baur soll als Ombudsfrau Betroffenen als Ansprechpartnerin dienen, doch ihre Unabhängigkeit wird in Frage gestellt. Im Interview mit BR-KLASSIK erklärt sie, wie sie selbst ihre Position bewertet.
BR-Klassik

Frau Baur stösst auf Vorbehalte: Meine Erklärung ist, dass es seitens unterschiedlicher Organisationen Vorbehalte mir oder zumindest meiner Funktion gegenüber gibt, die damit begründet werden, dass ich seitens der Organisation Tiroler Festspiele Erl auch bezahlt werde. Ich rechne meine Stunden ab, bin dort nicht fix angestellt. Meine Objektivität oder auch meine Unabhängigkeit wird in Frage gestellt. Das ist ein Phänomen, das ich sehr gut kenne: Vorverurteilungen oder Vorurteile gibt es immer auf beiden Seiten von Konflikten.

Elisabeth Kulman: Unterwegssein ist ihr Lebensprinzip
Elisabeth Kulman wird nicht nur international als Sängerin gefeiert, sie prangert als mutige Kulturkämpferin auch fatale
Abhängigkeitsverhältnisse im Musikleben an. Auf ihrer Mission machte sie jetzt einen Zwischenhalt bei der Schubertiade
https://www.nzz.ch/feuilleton/unterwegssein-ist-ihr-lebensprinzip-ld.1417334


London: Impressive Rake’s Progress from British Youth Opera

Pedro Ometto (Trulove), Samantha Clarke (Anne) and Frederick Jones (Tom Rakewell). Copyright: Robert Workman
bachtrack
The Rake’s Progress: British Youth Opera

http://www.operatoday.com/content/2018/09/the_rakes_progr.php

Baden: Natalia Ushakova hielt Hof


(V.l.n.r.: Cayenne GF Wolfgang Übl, Sanlas Holding Chef Primarius Dr. Günter Nebel, Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, Natalia Ushakova, Pamela Grün, Badens Bürgermeister Stefan Szirucsek und Dirigent Christian Koch; Fotocredit: Cayenne/Erich Marschik).

Donnerstag war es wieder so weit. Die Sommerarena war ausverkauft – und nächstes Jahr folgt die nächste Gala!

Conchita Wurst will nun als Mann gesehen werden
Conchita heißt zwar noch wie eine Frau, stellt aber nun die männliche Seite in den Vordergrund Wien – Kürzere Haare, weniger Make-up, männlichere Outfits: Song-Contest-Sieger Conchita Wurst will künftig als Mann wahrgenommen und angesprochen werden. Was sich auf Fotos schon abgezeichnet hatte, bestätigte Wurst nun der „Bild“-Zeitung: „Es hat sich irgendwann unangenehm angefühlt, als Frau gesehen zu werden – genau wie es sich vorher unangenehm angefühlt hat, als ‚Er‘ angesprochen zu werden. Jetzt finde ich es befremdlich, wenn mich jemand ‚Sie‘ nennt.“ –
Der Standard

Wenn Sie mich fragen – aber mich fragt zum Glück ja niemand – würde ich sagen, dass ich das für keine gute Geschäftsidee halte.

Und noch ein Vorgriff auf morgen: RING UND WRESTLING AN DER HAMBURGISCHEN STAATSOPER

http://www.rtlnord.de/nachrichten/st-pauli-trifft-auf-bayreuth-ring-wrestling-in-der-hamburgischen-staatsoper.html

Ich wünsche einen schönen Tag (unsere Geschäftsstelle mit dem neuen Eingangsportal und der Wagner-Poster-Ausstellung ist auch zum Wochenende geöffnet- 15,30 bis 19 h)

A.C.

 

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