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8. OKTOBER 2019 – Dienstag

08.10.2019 | Tageskommentar

Oper Frankfurt: Premiere „Manon Lescaut“. Foto: Barbara Aumüller

Dass Regisseur Alex Ollé von der katalanischen Gruppe Fura dels Baus ‚Manon Lescaut‘, erstes Hauptwerk Puccinis, in die heutige Zeit versetzen würde, davon war auszugehen. Daß er das langfristige Scheitern einer Liebe par excellance so fulminant mit aktuell-brisanten politischen Vorgängen verquickt auf die Bühne hievt, verlangt Respekt. Nach Puccini, dem Librettisten Illica und dem zugrundeliegenden Roman von Abbe Prevost soll das Mädchen Manon in ein Kloster verbracht werden, was früher ja häufig vorkam, heute aber nicht mehr. Als Konsequenz wurde in der Neuinszenierung der Grund für die Flucht zweier junger Verliebter in dem Status der Geschwister als Flüchtlinge gesehen, und Manon, die jüngere, von ihrer Mutter in einem Brief dringend zur Rückkehr aus familiären Gründen aufgefordert. Das wird im Vorspann eines Videos (Emmanuel Carlier) geschildert, in dem auch Bilder vom Arbeitsplatz von Mutter und Tochter in einer Textilfabrik und von einem nächtlichen Fußmarsch der Flüchtlinge, bei der sie Zäune überqueren müssen, eingeblendet werden. Der Wirt in dem Gasthof, wo sie im Original landen, ist hier der ‚Registrator‘ der die ankommenden Flüchtlinge an einer Kasse registriert und ihr Gepäck in Verwahrung nimmt. Dann mischen sie sich in einem Boulevardcafé unter die Leute, und da passiert es, daß sich Manon in den Studenten Des Grieux verliebt…

Zum Premierenbericht von Friedeon Rosén

„Manon Lescaut“ in Frankfurt: Die andere Seite der Liebe
https://www.fr.de/kultur/theater/manon-lescaut-frankfurt-andere-seite-liebe-13076184.html

„Manon Lescaut“ an der Oper Frankfurt Verliebt in der Table-Dance-Bar
BR-Klassik

Besetzungsänderung in „Die Frau ohne Schatten“ an der Wiener Staatsoper

KS Stephen Gould, der bereits in der Premierenserie im Mai 2019 in dieser Partie zu erleben war, singt am Donnerstag, 10. Oktober 2019 den Kaiser in „Die Frau ohne Schatten“ anstelle des erkrankten Andreas Schager.

KS Stephen Gould verkörpert derzeit den Tenor/Bacchus in „Ariadne auf Naxos“ im Haus am Ring (Vorstellungen noch am heutigen Dienstag, 8. Oktober, sowie am Freitag, 11. Oktober 2019).

Wiener Staatsoper: „ARIADNE AUF NAXOS“

Ein neuer Haushofmeister: Hans-Peter Kammerer. Hier mit Zerbinetta Hila Fahima. Foto: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Nur Narren ändern ihre Meinung nicht, heißt es. Wer aber fünf vor zwölf umdenkt – und das in einer Chefetage -, zettelt einen Stresstest an. Das Kunsthistorische Museum kann ein Lied davon singen, seit sein designierter Leiter Eike Schmidt abgesagt hat, um auf seinem Uffizien-Thron zu verweilen.

Wer darum nun in Sorge ist, dem sei zur Beruhigung ein Besuch der Staatsoper empfohlen. „Ariadne auf Naxos“ schildert ebenfalls einen dubiosen Beschluss in letzter Sekunde – ein Schaden für die Kunst bleibt aber aus. Der reichste Mann von Wien ordnet die gleichzeitige Aufführung einer Tragödie und einer Komödie an – und erhält dank Richard Strauss’ Oper in der Oper ein Meisterwerk…. (Quelle: „Wiener Zeitung“)

„Ariadne“ an der Staatsoper: Ergebener Dienst am reichen Mann
Wiener Zeitung

Eigentlich war diese Ariadne-Serie als Verabschiedung für Dirigent Peter Schneider vorgesehen, der jedoch aus gesundheitlichen Gründen das Dirigat abgeben musste. Peter Matic war als Haushofmeister vorgesehen, sein Tod bedeutet den Abschied für immer.

Wiener Staatsoper: Vor der Premiere bei der Ballettvorstellung gesehen und fotografiert (30.9.): THÉO TOUVET („Puck“ im „Midsummer Night’s Dream“)

Théo Touvet vor der Krips-Büste. Ganz rechts, im Spiegel kaum zu erkennen, seine Mutter. Foto: Esther Hatzi

Esther Hatzi arbeitet bekanntlich im Arcadia-Shop in der Staatsoper – und sprach Théo Touvet in französischer Sprache an – worüber er sich sehr gefreut hat. Théo Touvet war der eigentliche Star der Premiere – wenn man den Schlussapplaus als Maßstab nimmt.

Er ist ein überaus sympathischer junger Mann, der die Tage in Wien mit seiner Mutter genießt.

Mit Lust über die Schwelle: „Tristan und Isolde“ in Leipzig
Oper als Grenzerfahrung: Richard Wagner vertonte die buddhistische Sehnsucht nach kosmischer Versunkenheit. Folgerichtig pendelte das Liebespaar in Leipzig zwischen den Welten und verlor sich hinter Zeit und Raum. Das überzeugte auch musikalisch.
BR-Klassik
In Trümmern: Enrico Lübbe inszeniert „Tristan und Isolde“ als fesselnden Psychothriller
https://www.l-iz.de/kultur/theater/2019/10/In-Truemmern-Enrico-Luebbe-inszeniert-Tristan

Nachtrag: Derniere das Cassiers-Ring an der Berliner Staatsoper

„Götterdämmerung“ – die Nornen. Foto: Monika Rittershaus

Klaus Billand schreibt:  Viel ist bereits auch hier schon über den nicht unbedingt positiv berühmt gewordenen Cassiers-„Ring“ geschrieben worden, der an der Berliner Staatsoper (noch im Ausweichquartier Schillertheater) und an der Mailänder Scala zwischen Oktober 2010 und März 2013 entstand. ..

Auf den letzten Drücker wollte ich also diese Produktion noch sehen, aber auch, um das Europa-Debut von Michael Volle als Wotan zu sehen, den ich noch im Mai dieses Jahrs bei seinem Rollendebut an der Met erleben konnte. So seien mir also hier noch einige Anmerkungen zu meiner Sicht der Cassiers-Inszenierung erlaubt, die zum letzten Mal in zwei Zyklen gespielt wurde…

Dass die Musik oft etwas anderes erzählte als auf der Bühne zu sehen war, daran traf Daniel Barenboim mit seinen Musikern keine Schuld. Nach jedem Abend kam er mit dem gesamten Orchester auf die Bühne und wanderte beim Einzelapplaus auch die ganze Bühnenbreite vor dem Roten Vorhang ab – nicht gerade Usus im Opernbetrieb an großen Häuser, aber bitte. Trotz aller Wenn und Aber waren es interessante und erfüllende Abende im prunkvoll neu erstandenen Haus unter den Linden.  

Zum Bericht von Klaus Billand

 
Ehrt Eure deutschen Meister. Die deutsche Spieloper steht unter Nationalismusverdacht!
 
Die Spieloper ist in Verruf geraten: Als Antwort auf die starke italienische Konkurrenz gedacht, steht sie heute unter Nationalismusverdacht. Der „Freischütz“ gilt als Wagnis, auch „Die lustigen Weiber von Windsor“ wurden lange kaum gespielt. Erleben wir nun die Wiederentdeckung eines unterschätzten Genres?

Ehrt eure deutschen Meister!
Die Spieloper ist in Verruf geraten: Als Antwort auf die starke italienische Konkurrenz gedacht, steht sie heute unter Nationalismusverdacht.
Die Welt.de

Salome als diabolisches Kammerspiel an der Bayerischen Staatsoper
bachtrack

Lyon: Tobias Kratzers „Wilhelm Tell“ : Sündenfall in Schwarz-Weiß
Münchner Merkur

Lyon
Opéra de Lyon – Guillaume Tell

Mobilmachung durch Musik
https://www.concerti.de/oper/opern-kritiken/opera-de-lyon-guillaume-tell-5-10-2019/

Komponist Thomas Larcher erhält den Großen Österreichischen Staatspreis 2019

Am 10. Oktober wird der Komponist und Pianist Thomas Larcher mit dem Großen Österreichischen Staatspreis ausgezeichnet. Er erhält damit innerhalb kurzer Zeit den dritten bedeutenden internationalen Preis nach dem Prix de Composition Musicale in Monaco 2018 und dem Ernst-Krenek-Preis der Stadt Wien 2018.

Der mit 30.000 € dotierte Große Österreichische Staatspreis ist die höchste Kulturauszeichnung Österreichs. In der Begründung nennt Österreichs Kulturminister Alexander Schallenberg Larcher einen „Grenzgänger der Musik, der eine spezifisch eigene Klangfarbe entwickelt hat“

Wien/ Kunsthistorisches Museum. Hat Sabine Haag es auf einen Rückzug des deutschen Wankelmütigen angelegt?

Diesen Versacht spicht Eike Schmidt indirekt aus. Frau Haag hat sich, obwohl ihr Vertrag nicht verlängert wurde, nicht um einen neuen Job beworben, laut Herrn Schmidt sogar Angebote abgelehnt. Daraus folgert er, dass Frau Haag damit gerechnet hat, in ihrer Position verbleiben zu können  – und er, Herr Schmidt“, tat ihr den Gefallen und mit seinem Rückzieher gleichsam „ein gutes Werk“!

KHM: Haag will „relevante Fragen klären“

Nach der Absage von Eike Schmidt als Direktor des Kunsthistorischen Museums (KHM) Wien hat sich am Montag die bisherige Leiterin Sabine Haag zu Wort gemeldet. Sie werde mit ihrem Team alles daran setzen, den „erfolgreichen Kurs des Museumsverbandes fortzusetzen“.
https://wien.orf.at/stories/3016155/

Schmidt: „Habe nicht mit Brüskierung gerechnet“
Die Absage als Direktor für das Kunsthistorische Museum (KHM) des Kunsthistorikers Eike Schmidt sorgt für große Aufregung in der Kulturszene. In seinem ersten Interview in Österreich sagte der Deutsche am Donnerstagabend, er habe nicht mit Brüskierung gerechnet.
https://wien.orf.at/stories/3015771/

Filme der Woche

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Wenn er in hektische Lachattacken ausbricht, tut er es nicht, weil er bösartig, zynisch oder gemein ist: Es ist eine Krankheit, vergleichbar dem Tourette-Syndrom, nur dass es sich „Pseudobulbar Affect“ nennt. Kurz, der lachende „Joker“ ist in seiner jüngsten Leinwand-Verkörperung nicht dämonisch-abgründig (wie man ihn von Jack Nicholson im „Batman“-Film in Erinnerung hat). Tatsächlich bietet Regisseur Todd Phillips weit weniger eine Super-Bösewicht-Oper oder eine weitere Hochglanz-Verfilmung aus dem Comic-Kosmos als vielmehr – eine Krankengeschichte. Man könnte Arthur Fleck, der eigentlich nur ein mäßiger Unterhaltungskünstler mit Clown-Schminke ist, fast bedauern und tut es eine zeitlang auch, bis die Verbrechen, die er begeht, allzu schaurig werden…

Dennoch – das Besondere, das durch gezielte Werbung vermittelt wurde, ist der Film nicht, auch wenn das Publikum in den USA es glaubte: Rund 85 Millionen Euro am Startwochenende eingespielt, das ist stark. Was ist sonst noch stark an diesem Film, als dessen Vorbilder immer wieder Scorseses „Taxi Driver“ und „King of Comedy“ genannt werden, was man besser nicht tun sollte? Immerhin hat der Regisseur (der für die schrecklich dummen „Hangover“-Filme verantwortlich zeichnete und bisher offenbar nur Unsinn im Kopf gehabt hat) gegen das Klischee der Comic-Filme gearbeitet. Mit dem Ergebnis, dass Sozialdrama und „Psychiatrie aus dem Lehrbuch“ des Mannes, dessen Geschichte man (von der Überlieferung her)  nicht kannte und dessen Hintergrund  hier folglich freu erfunden werden konnte, so aufregend nicht sind…

Österreich
Van der Bellen und Kurz haben zwei unterschiedliche Prioritätenlisten
Der Umgangston war höflich, die Atmosphäre entspannt, als am Montag Bundespräsident Alexander Van der Bellen VP-Obmann Sebastian Kurz den Regierungsbildungsauftrag erteilte. Doch trotz aller Harmonie vertreten beide unterschiedliche Ansichten, welche Aufgaben eine künftige Regierung prioritär zu lösen habe.

Oberösterreichische Nachrichten

Gut, der Bundespräsident und der Kanzler müssen in Sachfragen nicht einig sein, der Präsident verleugnet nicht, dass für ihn „grüne Ideen“ Priorität genießen, dem Kanzler geht es um die Beibehaltung der Wirtschaftsdaten, mit denen wir uns „Grünideen“ auch leisten können. Meine heute früh angebotetene Koalitionswette habe ich schon „angebracht“ / Wettpartner gefunden.

Sondierungsgespräche: Die fünf Knackpunkte im Koalitionspoker
Polit-Experten Peter Filzmaier und Peter Hajek analysieren die Hürden für Türkis-Grün und Türkis-Rot.
Kurier

Es wird spannend in der Politik. Das wiederum sind schlechte Nachrichten für Theater, das da ganz einfach nicht mithalten kann.

Ich wünsche einen schönen Tag!

A.C.

 

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