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8. DEZEMBER 2020 – Dienstag

08.12.2020 | Tageskommentar

Andreas Schager und Camilla Nylund in „Die Walküre“. Foto: Youtube

„Don Pasquale“ Rosa Feola (Norina). Foto: Youtube

MAILAND/ Teatro alla Scala: Trotz Krise opulente Saisoneröffnung

Natürlich gehen die Meinungen über dieses zu einer Show aufgeblasenen Notprogramm auseinander, aber ein derartiges Aufgebot an Opernstars hat noch bei keiner Eröffnung gesungen. Dabei fehlten „die Netrebkos“ und auch unser Günther Groissböck, die Engagements in Wien haben und sich auf diese konzentrieren – und wohl auch andere, die das Operngeschehen derzeit prägen. 

Also, mir hat es gefallen – es war zumindest nicht fad. Auf ARTE-TV können Sie die Gala noch lange sehen.

Einen anderen Weg, etwas Stimmung zu vermitteln, wählte die Oper Zürich bei ihrer „Simone Boccanegra“-Premiere. Dort wurden eigens unmittelbar vor der Premiere auf Corona negativ geteste Mitarbeiter gewissermaßen als Claqueure in das Haus gesetzt – und der Mann am Mischpult vollbrachte dann Wunderdinge. So geht es nämlich auch, ohne auf das Niveau der amerikanischen Sitcoms zurückgreifen zu müssen. Obwohl – ich recherchiere soeben in Wikipedia, es im Original dieser Sitcoms üblich ist, tatsächlich Besucher im Studio zu haben und deren Geräusche – meist sind es Lacher (aber auch Applaus) gehörig zu verstärken. In den bei uns erlebbaren deutschen Fassungen werden allerdings „Lachkonserven“ eingespielt – was nicht der ursprünglichen Idee entspricht.

Die Wiener Staatsoper streamt bzw. bietet dem ORF demnächst Live-Produktionen an. Ein wirklich gelungener Ballettabend (das sage ich als „Ballettmuffel“) wurde durch ein deprimierendes „Applaus-Zeremoniell“ am Schluss zerstört. Noch ärger war das beim Münchner“Falstaff“.

Die Verantwortlichen haben noch einige Tage Zeit, sich zur Milderung der Tristesse etwas auszudenken. Wie gesagt, deswegen scheiden sich die Geister. Ich kann nur meine Meinung anbieten und ecke damit anderswo sicher gehörig an. Besonders die Silvester-Fledermaus darf nicht zum Begräbnis werden. Das Jahr 2020 begraben aber die meisten von uns gerne (es gab aber auch Gewinner, man muss das Jahr auch individuell betrachten) – aber ein altes Sprichwort sagt, dass meist nichts Besseres nachkommt. “ Na Servas“. Trotzdem: Wir brauchen Optimismus!

Wien
Kartenverkauf: Bundestheaterkassen ziehen um
Ab Mittwoch in der Wiener Staatsoper – derzeit nur Gutscheinverkauf und Refundierung.
Wiener Zeitung

Umzug der Bundestheaterkassen am Mittwoch. Spektakulär wird der nicht erfolgen, denn Karten werden dort wegen der Corona-Krise vorerst keine verkauft. Die Situation ist unklar, die Regierenden vollbringen Bocksprünge. Es besteht die Möglichkeit, Gutscheine zu erwerben und für bereits gekaufte Karten für den Zeitraum der vorübergehenden Schließung die Refundierung zu erhalten.

Ein angrenzender Shop sowie ein Cafe ist vorgesehen/ angekündigt. Die bisherigen Betreiber kommen dabei anscheinend nicht zum Zug (Arcadia ist in drei Wochen Geschichte, das vormalige Operncafe ist es bereits seit Monaten). Ein Trost für die Ausgebooteten: ein schlechteren Zeitpunkt zum Start hätten sie den neuen Betreibern nicht wünschen können.
Klar erkennbarer Vorteil: Die Miete für die Hanuschhof-Kassenhalle fällt weg – und die war sicher nicht billig!

Salzburg/ Festspiele: Der Fahrplan und die Tickets
Das Warten gehört sich ja im Advent, aber man braucht in dem Fall nur noch vier Türln aufzumachen: Ab 10. Dezember nämlich soll das Programm der Salzburger Festspiele 2021 online abzurufen sein.
DrehpunktKultur

München
Sänger und Dirigenten wollen gegen Bayerns Corona-Politik klagen
Mindestens 25 Bühnenkünstler wollen gerichtlich gegen die Schließung von Theatern und Konzertsälen im Freistaat vorgehen. Sie sehen bei den aktuellen Maßnahmen den Verfassungsrang von Kultur nicht ausreichend berücksichtigt und fordern Lockerungen.
BR-Klassik.de

„So geht es nicht“: Kultur-Promis klagen gegen Theaterschließungen in Bayern
25 Künstlerinnen und Künstler, darunter Christian Gerhaher und Wolfgang Ablinger-Sperrhacke, wollen vor den Bayerischen Verwaltungsgerichtshof ziehen. Ihren Vorstoß begründen sie mit dem Verfassungsrang der Kultur und sehen sich dabei selbst in der Ausübung ihrer Grundrechte verletzt. Verwiesen wird unter anderem auf das wissenschaftlich verbürgte geringe Infektionsrisiko bei Opern-, Schauspiel und Konzertveranstaltungen.
Münchner Merkur

Den Musikern ist viel Glück zu wünschen, bis die Mühlen des Gesetzes gemahlen haben, wird sich das Thema hoffentlich weitgehend erledigt haben. Die Hoffnung heißt Impfung, bis zu dieser denken unsere Politiker. Es ist nicht gesagt, dasss die Impfung auch wirkt – aber das konnten die Damen und Herren auch gar nicht versprechen. Hauptsache, die Impfung ist da – und die Politiker fein raus. Oder soll der Zustand ewig dauern?

Grazer Musikverein bringt erstmals Online-Konzert
Der Grazer Musikverein zeigt am 12. Dezember erstmals ein Konzert online: Aufgezeichnet wurde der letzte Abend im Stefaniensaal vor dem Lockdown im November mit Oksana Lyniv am Pult. Für Musikverein-Mitglieder ist der Stream gratis, andere Zuschauer müssen ein Ticket um fünf Euro bei oeticket erwerben. Das Programm mit Musik von Mozart und Prokofjew ist 24 Stunden abrufbar, hieß es bei einer online-Pressekonferenz am Montag.
https://www.krone.at/2293085

Gratis für Mitglieder: Grazer Musikverein präsentiert erstmals ein Online-Konzert

Oksana Lyniv. Foto: Viktor Andriichenko

Der Grazer Musikverein zeigt am 12. Dezember erstmals ein Konzert online: Aufgezeichnet wurde der letzte Abend im Stefaniensaal vor dem Lockdown im November mit Oksana Lyniv am Pult.
Kleine Zeitung

Video zur Meldung auf YouTube
Live-Stream des Mediengesprächs am 7. Dezember 2020

Auch im „Stream-Wesen“ wird sich etwas ändern, künftig wird man für Streams zahlen müssen. Österreichern sollen die Staatsopern-Streams zwar kostenlos angeboten werden, aber gratis sind sie ja auch nicht, weil sie mit Steuergeld finanziert werden.

Aus kaufmännischer Sicht verstehe ich die Versuche im „halbprivaten Bereich – also überall dort, wo der Staat /die Stadt nicht Eigentümer ist und als solcher die Vollhaftung übernimmt – und bin auch das Gegenteil von einem Schnorrer, aber Theater und Konzerte sind Gemeinschaftserlebnisse (wie auch Sportveranstaltungen). Ich warne daher, sich zu sehr auf die Streams zu konzentrieren! Wir brauchen auch Stimmung!

Grafenegg
Konzerte aus Niederösterreich im Fernsehen und Radio
„Der Traum“ aus Petronell, Weihnachtskonzert aus Grafenegg
https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20201207_OTS0116/konzerte

Festspielhaus St. Pölten: Neujahrskonzert aus dem Fernseher
Das Konzert des Tonkünstler-Orchester wird am 3. Jänner bundesweit im ORF ausgestrahlt.
Kurier

WIENER STAATSOPER: DER STREAMING-SPIELPLAN VOM 7. bis 14. DEZEMBER 2020

Anna Netrebko, Piotr Beczala © Julian Hargreaves, Johannes Ifkovits

Diese Woche bietet die Wiener Staatsoper in ihrem Online-Spielplan gleich drei ganz besondere Live-Erlebnisse: Anna Netrebko wird in Wien das erste Mal die Tosca singen, Piotr Beczala gibt sein Wiener Rollendebüt als Werther und dazu kommt die Premiere und Staatsopern-Erstaufführung der Neuproduktion von Hans Werner Henzes Das verratene Meer.

Dienstag, 8. Dezember 2020, 19.00 Uhr
Giacomo Puccini
LA FANCIULLA DEL WEST (Vorstellung vom Oktober 2013)
Oper in drei Akten
Musikalische Leitung: Franz Welser-Möst
Inszenierung & Bühne: Marco Arturo Marelli
Mit u.a. Nina Stemme, Jonas Kaufmann, Tomasz Konieczny

Mittwoch, 9. Dezember 2020, 19.00 Uhr
Gaetano Donizetti
ANNA BOLENA (Vorstellung vom 2. April 2011)
Musikalische Leitung: Evelino Pidò
Inszenierung: Eric Génovèse
Mit u.a. Anna Netrebko, Elina Garanca, Ildebrando D’Arcangelo, Francesco Meli, Elisabeth Kulman

Das genaue Programm finden Sie in den „Infos des Tages“

BERLIN: Die Neuproduktion von Wagners LOHENGRIN in der Regie von Calixto Bieito und unter der musikalischen Leitung von Matthias Pintscher feiert am 13. Dezember als Fernsehübertragung bei ARTE sowie online Premiere!

Roberto Alagna und Vida Miknevičiūtė geben ihre Rollendebüts als Lohengrin und Elsa von Brabant

Am 13. Dezember feiert Richard Wagners LOHENGRIN in der Regie von Calixto Bieito, der mit dieser Produktion sein Hausdebüt gibt, dank unseres Partners ZDF/ARTE als Fernsehübertragung und als Stream, der europaweit abrufbar ist, Premiere. Die Produktion wird am 13. Dezember um 22:15 Uhr live zeitversetzt bei ARTE ausgestrahlt sowie bei ARTE Concert und auf www.staatsoper-berlin.de gestreamt. Die Produktion ist danach für 30 Tage in der ARTE Mediathek verfügbar.

Ladas Klassikwelt 57: „Gismondo, re di Polonia“ von Leonardo Vinci – ein Feld zum Vorführen für Contratenöre
Eines der wichtigsten Musikereignisse dieses Jahres war die Konzertaufführung des Dramma per Musica „Gismondo, re di Polonia” (Sigmund, König Polens) im Rahmen des „Bayreuth Baroque Opera Festival“ am 11. September 2020. Als ich den Titel des Drammas hörte, freute ich mich darauf, ein weiteres Stück kennenzulernen, das ein bestimmtes Thema aus der polnischen Geschichte aufgreift. Ich erwartete, dass der Komponist Leonardo Vinci (1690-1730; nicht Leonardo da Vinci) wie sein späterer deutscher Kollege Ferdinand Pfohl (1863-1949) ein Libretto vertonen würde, dessen Inhalt sich auf die Regierungszeit von König Sigismund II. Augustus bezieht. Stellen Sie sich meine Enttäuschung vor, als ich herausgefunden habe, dass man mit dem Namen „Gismondo“ eine Figur gemeint ist, die dem 1699-1730 regierenden König von Dänemark und Norwegen Friedrich IV. Oldenburg ähnelt, um ihn auf diese Art und Weise zu ehren. Laut dem Autor des Librettos, brauchte das Publikum eine Verbindung mit der Gegenwart, weshalb er zwei Herrscher nordeuropäischer Länder in polnische Kostüme kleidete und ihnen polnische Namen gab.
Jolanta Lada-Zielke berichtet aus ihrer Klassikwelt
Klassik-begeistert

Zürich
Kritik: Verdis „Simon Boccanegra“ als Online-Premiere an der Oper Zürich


Jennifer Rowley (Amelia Grimaldi). Foto: Monika Rittershaus

Selbstvorwürfe eines Vaters
BR-Klassik.de

Köln
Opern-Kritik: Oper Köln – Die tote Stadt Im Banne des Vergangenen
https://www.concerti.de/oper/opern-kritiken/oper-koeln-die-tote-stadt-4-12-2020/

Köln
Eine berauschende Tote Stadt an der Oper Köln
bachtrack

WIEN/ MuTh – Konzertsaal der Sängerknaben im Augarten

HEUTE 20:00 Zyklus Bartolomeys – Tribute Beethoven #2 / Teil 2 – ONLINE

Das Dezemberprogramm des MuTh finden Sie in den „Infos des Tages“

ZUM GEDENKEN AN SENTA WENGRAF

(von Heinrich Schramm-Schiessl)

Sie gehörte zu jenen Schauspielerinnen, die man allein an ihrer Stimme erkannte. Man brauchte nicht hinzusehen, sondern nur hinzuhören und wusste, dass Senta Wengraf auf der Szene war. Ihr leicht aristoratisch anmutendesTimbre prädistinierte sie für die Rollen der eleganten Damen, z.B. in den Stücken von Oscar Wilde.

Bei der „Fernsehfamilie Leitner“ (ganz rechts hinten, daneben erkennen wir die blutjunge Gertraud Jesserer). Foto: ORF

Den ganzen Nachruf (Heinrich Schramm-Schiessl) finden Sie in den „Infos des Tages“.

Buchbesprechung

Besuchen Sie Renate Wagners BUCHRUBRIK

Arnold Esch:  VON ROM BIS AN DIE RÄNDER DER WELT
Geschichte in ihrer Landschaft
400 Seiten, Verlag C.H.Beck, 2020 

Man kann viele Ansatzpunkte wählen, um „Geschichte“ – sprich: Vergangenes –  zu betrachten. Selten wird man „Landschaften“ in den Fokus nehmen, so wie der Autor es hier tut. Arnold Esch ist emeritierter Professor für Mittelalterliche Geschichte und war einen großen Teil seines Lebens in Rom ansässig. Das merkt man auch – das alte Rom spielt in seine Betrachtungen immer wieder hinein (und er wird den Römerstraßen etwa vor den Straßen des Mittelalters stets den Vorzug geben).

Esch hat schon ein Buch über Italiens historische Landschaften (Wanderungen zwischen Venedig und Syrakus) geschrieben und wendet sich nun ganz divergierenden Landschaftsthemen zu –  die einzelnen Kapitel von „Von Rom bis an die Ränder der Welt“ haben nicht unbedingt etwas miteinander zu tun. Aber sie ergeben, jedes für sich, interessante Wanderungen, Reisen, die einen unorthodoxen Zugang zur Geschichte bieten (und offenbar jahrzehntelange wissenschaftliche Forschung zusammen fassen)…

Zur Buchbesprechung von Renate Wagner

Buch: Das Leben der Lola Montez : Was reizte den König an der Lügnerin?

Vexierspiel der Identität: Lola Montez kostete König Ludwig erst Geld, dann Nerven und schließlich die Krone. Mit Hilfe neuer Quellen klärt Marita Krauss in ihrer Biographie der Tänzerin manches Missverständnis auf.
Frankfurter Allgemeine

Wien/ Theater Hamakom/Nestroyhof: Film-Still „Alles ist. Hin?“

Film-Still „Alles ist. Hin?“, Theater Nestroyhof Hamakom, 2020 © Marianne Andrea Borowiec

  1. Dezember 2020, 20 Uhr

im Rahmen von Sam’s Bar im Theater Nestroyhof Hamakom

Fußball/ WM-Qualifikation
ÖFB-Team erwischt lösbare Gruppe
Gutes Los für Österreichs Nationalteam: Die ÖFB-Auswahl trifft in der Qualifikation für die Fußball-WM 2022 in der Gruppe F auf Dänemark. Neben dem Zwölften der Weltrangliste wurden der Mannschaft von Cheftrainer Franco Foda am Montag im FIFA-Hauptquartier in Zürich noch Schottland, Israel, die Färöer und Moldawien zugelost.
http://sport.orf.at/stories/3070351/

Ich will nicht arrogant sein, aber diese Gruppe müsste Österreich gewinnen! Ich weiß schon, „Der Ball ist rund“ und „Ein Spiel dauert 90 Minuten“. Aber trotzdem!

Heute Einkaufs-Feiertag. Der Handel wartet auf Sie. Kaufen Sie schnell und möglichst teuer ein – und dann wieder rasch nach Hause. Unsere Politiker werden es Ihnen danken (oder auch nicht).

Einen schönen Tag wünscht

A.C.

 

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